25. Juni 2012

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Tradition verbindet Jugend über Grenzen hinweg

Vom 22. bis 30. Mai fand der Gegenbesuch der Volkstanzgruppe des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums aus Hermannstadt statt. Nachdem die Jugendtanzgruppe (JTG) Biberach im Juni 2011 sowie im April 2012 in Hermannstadt war (diese Zeitung berichtete jeweils), haben sich nun vier LehrerInnen und 24 SchülerInnen aus Hermannstadt auf den Weg nach Biberach gemacht. Im Folgenden berichten Bianke Grecu, stellvertretende Direktorin des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums, und Gertraud Nowak, Tanzlehrerin der Volkstanzgruppe des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums.
Was 24 Mitglieder der sächsischen Volkstanzgruppe des Samuel-von-Brukenthal-Gym­nasi­ums aus Hermannstadt und ihre Begleitlehrer Gertraud Nowak, Bianke Grecu und Gerhard Misachevici in der Zeitspanne vom 22.-30. Mai 2012 erlebt haben, wird nicht so schnell in Vergessenheit geraten – davon sind wir erst überzeugt gewesen, als die SchülerInnen uns auf der Rückfahrt (zum wievielten Male wohl?) leise ins Ohr geflüstert haben: „Nächstes Jahr kommen wir wieder, nicht wahr?“.

Unter dem Motto „Tradition verbindet Jugend“ hatten die Tanzgruppenleiterinnen Gertraud Nowak, Bianke Grecu, Astrid Göddert und die Schriftführerin der Kreisgruppe Biberach, Annemarie Zultner, 2010 ein Projekt zwischen der sächsischen Volkstanzgruppe unserer Schule und der JTG Biberach entworfen. Das Projekt zeigte erste Ergebnisse im Juni 2011, als die beiden Tanzgruppen auf dem Huet-Platz gemeinsam ihr Können unter Beweis stellten. Was die Jugend heutzutage verbindet, ist nicht nur Facebook und das iPad, sondern auch die Bereitschaft, das Erbe und die Tradition einer Gemeinschaft zu pflegen. Nach den gelungenen Tanzaufführungen wurde eine weitere Etappe des Projektes geplant – der Gegenbesuch in Biberach. Als Ende Februar 2012 die Einladung des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. mit dem Vermerk eintraf, unsere Tanzgruppe könne auch am Heimattag der Siebenbürger Sachsen im Rahmen der Volkstanzveranstaltung „Aus Tradition und Liebe zum Tanz“ auftreten, war unsere Freude groß. Wiederum wurde gemailt, geplant und vor allem sehr viel geprobt.

In den Osterferien 2012 besuchten 13 Tänzer Innen der JTG Biberach, ihre Tanzgruppenleiterin Astrid Göddert und mehrere Mitglieder der Kreisgruppe Biberach erneut Hermannstadt, einerseits um mit unseren SchülerInnen die Pflichttänze für den Heimattag einzustudieren, andererseits um uns zu raten, wie wir unsere Trachten mit fehlenden Trachtenstücken ergänzen können. Nun wurde gestickt, genäht und geschneidert. Wir ließen alte Trachtenschuhe reparieren und neue anfertigen. Zum ersten Mal hatten alle TänzerInnen Stiefel und Stiefeletten.

In Biberach angekommen, wurden wir aufs Herzlichste von Mitgliedern der JTG und ihren Eltern sowie vom Vorsitzenden der Kreisgruppe, Matthias Henrich, empfangen und nachher den Gastfamilien zugeteilt. Am nächsten Tag führten uns zwei freundliche Reiseleiterinnen gruppenweise durch Biberach und erzählten über die Geschichte dieser ehemaligen Reichsstadt. Zwei Stunden vergingen viel zu rasch und gleich danach fuhren wir weiter mit dem Bus nach Ulm, wo wir das Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt besichtigten.

Nach einem gemeinsamen Pizzaessen in Ummendorf folgte eine gemeinsame Tanzprobe. Hier gaben die Tanzgruppenleiterinnen die letzten Anweisungen bezüglich Tanzhaltung, Tanzschritt und Blickkontakt. Erschöpft, aber glücklich verabschiedete man sich mit den Ratschlägen, morgen sorgfältig die Trachten für Dinkelsbühl herzurichten.Am Heimattag in Dinkelsbühl nahmen die ...Am Heimattag in Dinkelsbühl nahmen die Kindertanzgruppen, Jugendtanzgruppe und Kreisgruppe Biberach gemeinsam mit ihren Gästen, der Volkstanzgruppe der Brukenthalschule aus Hermannstadt, teil. Foto: Alfred Gödderth Wir sind fest davon überzeugt, dass viele unserer SchülerInnen mit großem Herzklopfen auf den Freitag gewartet hatten. Es war nicht nur der Wunsch, endlich sein Zelt in Dinkelsbühl aufgestellt zu haben und am Trachtenumzug mitzumachen, sondern auch die Zeit, Peter Maffay live im Konzert zu erleben. Auf ihrer Rückkehr aus Hermannstadt begegneten die Mitglieder der JTG Biberach zufällig dem Rockstar auf dem Münchner Flughafen. Sie erzählten ihm von unserem Vorhaben und dank des tatkräftigen Einsatzes ihrer Leiterin Astrid Göddert hatte unsere Gruppe Freikarten für das Open-Air-Benefizkonzert erhalten. Die Kreisgruppe Biberach hatte extra für dieses Konzert ein Banner angefertigt, mit dem die Brukenthaler und die JTG ihren Dank zum Ausdruck brachten. Schon nach den ersten Klängen waren wir von der Musik fasziniert. Wir werden das Konzert lange in schöner Erinnerung behalten.

Am Pfingstsamstag war in Dinkelsbühl schon sehr viel los: Die Ausstellung der Handarbeitskreise beeindruckte durch die wunderschönen Stickereien, die bunten Trachtenteile und die Schmuckstücke. Wir benutzten die Spenden der Firma Bauelemente Herbert und von Frau Helga Dahinten für den Kauf von neuen Bändern. Anschließend nahmen wir, die Erwachsenen, an der Eröffnungsfeier des Heimattages teil.

Im Zeltlager sorgte am späten Nachmittag die SJD für ein gegrilltes Abendessen. SJD-Bundesjugendleiter Elmar Wolff und seine Stellvertreterin Ute Bako begrüßten unsere SchülerInnen sehr freundlich und stellten eine Zusammenarbeit mit unserem Gymnasium in Aussicht. Vielen herzlichen Dank dafür. Auf Anregung von Herrn Alfred Mrass nahmen wir, die Begleitpersonen, am Abend auch beim Empfang des Bürgermeisters von Dinkelsbühl, Dr. Christoph Hammer, teil. Wir wissen auch heute noch diese Ehre zu schätzen! Den Abend verbrachten die meisten im Festzelt, eine andere neue Erfahrung.

Endlich Pfingstsonntag! Die fleißigen Frauen der Kreisgruppe Biberach hatten Perlen und Mäschchen vorbereitet. Danach flochten sie über 20 Haarzöpfe, halfen den Mädchen beim Anziehen und begutachteten jede fertig angezogene Maid. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Alle Mädchen und Jungen waren wie „aus der Schachtel“. Aufgeregt ging es zum Treffpunkt der Gruppen, die beim Trachtenumzug mitmachten. Für uns alle war dieser Umzug der Höhepunkt der Ereignisse in Dinkelsbühl. Man konnte sich an den Trachten und den Kleinkindern in den echt sächsischen Wägelchen nicht satt sehen! Die vorbeimarschierenden Blaskapellen erinnerten an vergangene Zeiten.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgten die Tanzvorführungen. Wir tanzten vor der Schranne und auf dem alten Rathausplatz vor zahlreichem Publikum „das Mühlradl“. Alle siebenbürgisch-sächsischen Tanzgruppen hatten schwungvolle Tänze gezeigt. Unvergessen bleiben der gemeinsame Aufmarsch und das gemeinsame Tanzen der ca. 240 TänzerInnen vor der Schranne. Unseren Brukenthalern konnte man den Stolz und die Freude, bei so einem Ereignis mitzumachen, von den Gesichtern ablesen. Sie strahlten vor Glück und hätten am liebsten weiter getanzt. Ein besinnlicher Abschluss dieses Pfingstsonntags war der Fackelzug zur Gedenkstätte mit der anschließenden Ansprache von Frau Inge Alzner.

Am Pfingstmontag mussten zuerst die Trachten in den Bus verladen werden. Währenddessen baute die Jugend die Zelte bei brennender Hitze ab. Müde, aber glücklich fuhren wir nach Biberach zurück. Im Bus war man im Nu eingeschlafen, galt es ja Kräfte für den Abend zu sammeln. Am Abend erfreuten wir uns an einem ­gelungenen Abschiedsfest in Attenweiler, bei gutem Essen, bei Musik und Tanz. Auch verfolgten wir den von dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Biberach, Matthias Henrich, gedrehten Film mit Aufnahmen aus Dinkelsbühl. Wir danken auf diesem Wege dem Vorstand der Kreisgruppe Biberach für die ans Herz gehenden Worte und die Überraschungstüten für uns alle. Die größte Überraschung für unsere SchülerInnen waren die Anhänger mit dem Siebenbürgenwappen, auch heute trägt es jeder am Hals. Noch war aber kein Ende unserer Reise in Sicht! Am Dienstagmorgen ging es ganz früh in Richtung Rust. Was wir im Europa-Park erlebt haben, können wir nicht in wenigen Worten schildern! Jeder erlebte viel Neues. Wir danken allen Organisatoren, die uns dies ermöglicht haben!Den letzten Tag in Deutschland verbrachte die ...Den letzten Tag in Deutschland verbrachte die Volkstanzgruppe der Brukenthalschule Hermannstadt gemeinsam mit der JTG Biberach im Europa-Park in Rust. Foto: Mathias Henrich Der Tag unserer Abreise war da. Beim Abschied blieb kein Auge trocken, einige Schüler­Innen begannen sogar einen „Sitzstreik“ und mit Müh und Not verfrachteten wir sie in unseren Bus. Schon auf der Heimreise trösteten sie sich gegenseitig, dass sie die Freunde aus Biberach bestimmt bald wieder sehen werden.

Die Zusammenarbeit mit Frau Astrid Göddert und ihrem Team ist eine wertvolle Bereicherung für die Brukenthalschule, insbesondere für den Erhalt der sächsischen Volkstanzgruppen. Die Anzahl der von uns erlernten Tänze hat sich mehr als verdoppelt, die Qualität der Musikstücke ist gestiegen und dank der gemeinsamen Tanzproben haben sich die Haltung und die Ausstrahlung unserer TänzerInnen wesentlich verbessert. Wir sind darauf aufmerksam geworden, wie Details die Trachtenträger verschönern: zum Beispiel straff nach hinten gekämmte Haare, Maschen, Perlen, schwarze Strümpfe. Weiterhin haben wir die Gemeinschaft schätzen gelernt. So ein Austausch ist nur dann möglich, wenn Erwachsene zusammenhalten und mithelfen. Für all dies danken wir Astrid Göddert und dem Vorstand der Kreisgruppe Biberach.

Gertraud Nowak/Bianke Grecu

Dank an alle Teilnehmer und Förderer

Leider hat alles einmal ein Ende – auch der Gegenbesuch der BrukenthalerInnen. Die gefestigten Freundschaften machten die Trennung nicht leicht, zeigten aber auch, wie sehr sich die TeilnehmerInnen gefunden und angefreundet haben. Nun bleibt an dieser Stelle nur ein herzliches Dankeschön zu sagen an alle Beteiligten des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums, Hermannstadt, allen voran Bianke Grecu und Gertraud Nowak, für das Vertrauen und diese schöne, gemeinsam verbrachte Zeit. Wir möchten es nicht versäumen, uns auch bei all denen zu bedanken, die dieses Projekt mit ihrer Unterstützung erst möglich gemacht haben. Finanzielle Unterstützungen erhielten wir bzw. die Brukenthaler vom Biberacher Oberbürgermeister Thomas Fettback, von der DJO-Bund, vom Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., von der SJD, von Annemarie Pitters aus Uttenweiler, von Helmut Hermann aus Gruibingen, vom Michael Hermann aus Esslingen sowie vom Busunternehmen Werner Klusch aus München. Organisatorisch tatkräftig unterstützt haben uns u.a. die Mitglieder der JTG Biberach, Elisabeth Wenrich, Hedwig Gödderth, Katharina Drotleff, Gerhard Hallas, Fam. Frank sowie Fam. Pitters. Ein herzliches Dankeschön auch an alle Gastfamilien der Kreisgruppe Biberach, die sich bereit erklärt hatten, die Gäste aus Hermannstadt zu beherbergen. Damit haben sie beigetragen, dass das Projekt „Tradition verbindet Jugend“ umgesetzt werden kann, erhalten bleibt und weiterlebt. Vielen Dank für eure Hilfsbereitschaft. Und wie sagte der Vorsitzende Mathias Henrich beim Abschiedsfest: „Ohne den großen uneigennützigen und unermüdlichen Einsatz von Astrid Göddert wäre es nie dazu gekommen– sie ist das Herz dieses Projektes und war mit Leib und Seele dabei – vielen Dank dafür.“

Annemarie Zultner

Schlagwörter: Biberach, Brukenthalschule, Austausch, Tanzgruppen, Heimattag 2012

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