16. April 2020

Sektion Karpaten des DAV: Eisklettern am Wasserfall

Eisklettern am gefrorenen Wasserfall ist eine Herausforderung, dennoch sehr beliebt. Was verbirgt sich hinter dieser Bergsportart? Die Sektion Karpaten bietet alljährlich zwei Ausbildungen an, einen Grundkurs in Kolm Saigurn (Österreich) im Januar und einen Aufbaukurs im Eispark Matrei in den Hohen Tauern, im Februar. Diese sind jedes Jahr ausgebucht und im Laufe der Jahre sind einige der Teilnehmer an dieser Wintersportart „hängengeblieben“. Organisator und Ausbilder ist seit elf Jahren Reinhold Kraus, unterstützt von Michael Christian Kraus, Klaus Gündisch, Mihai Paunescu und Andrei Stefan.
Die Eisfälle sind 30 bis 60 Meter hoch mit einer Neigung von 70-90 Grad und jagen den Anfängern gehörigen Respekt ein. Doch nach den ersten zwei, drei Routen, in der Regel 20 m hoch, ist die Angst nur noch gering. Darüber hinaus klettern die Einsteiger im sogenannten „Nachstieg“, also gesichert am Seil. Die Kletterer stellen fest, dass die Hakenzähne der Eisgeräte und den Zacken der Steigeisen sehr gut ins Eis beißen. Oben angekommen stellt sich ein Gefühl der Erleichterung und der Freude ein, weil man es geschafft hat, Kopf (Moral), Know-how und Kraft in Einklang zu bringen. Danach wird man mit dem Sicherungsseil abgelassen. Es macht Spaß, durch die Luft zu schweben. Doch für das „Top Rope“, wie das gesicherte Hochklettern am Seil genannt wird, muss zuerst ein „Standplatz“ gebaut werden. Das machen die erfahreneren Eiskletterer im Vorstieg. Meter für Meter, voll konzentriert, arbeiteten sie sich langsam empor. Ungefähr alle fünf Meter wird eine Eisschraube in das Eis gedreht. Auf den vier vorderen Zacken der Steigeisen zu stehen, die nicht länger als 4-6 cm sind, ist anstrengend. Die Waden brennen manchmal. Ein Karabiner wird in die Eisschraube eingehängt, danach das Sicherungsseil. Auch der Sichernde steht unter Spannung, weil er blitzschnell reagieren muss, falls der Vorsteiger abstürzen sollte. Verantwortungsbewusstsein wird damit gefördert. Oben angekommen wird eine Eisuhr gebaut. Das ist eine Reepschnur (5-8 mm), die durch zwei Löcher in „V“ Form gefädelt wird, die mit Eisschrauben gemacht wurden. In diese zusammengeknüpfte Schlinge, und zwei weitere Eisschrauben, wird ein Karabiner eingehängt und das Seil darin umgelenkt. Der Kletterer wird dann in seinem Sicherheitsgurt hängend abgelassen.
Klettern im Eispark Osttirol, Matrei. 	Foto: Inge ...
Klettern im Eispark Osttirol, Matrei. Foto: Inge Weber
Früher beschäftigten sich nur die Extrembergsteiger mit Eisklettern, um auf dem Weg zu hohen Gipfeln steile Eispassagen zu überwinden. Heute tun es auch Bergsteiger, die Spaß an der Bewegung in der traumhaft schönen Winterlandschaft haben. Sich zu denen zählen zu dürfen, die etwas Besonderes leisten und die intensive Gefühle erleben möchten, sind weitere Gründe, das Eisklettern auszuprobieren. Die besten Bedingungen für diesen außergewöhnlichen Sport sind Temperaturen um die Null Grad. Die Eisqualität sollte richtig eingeschätzt werden, damit keine Eisschollen ausbrechen und die Eisschrauben bei einem Sturz nicht aus dem Eis gerissen werden. Zur Ausrüstung gehören Helm, Steigeisen und messerscharfe Eisgeräte. Am Klettergurt hängt ein ganzes Arsenal aus Eisen und Stahl - Expressen, Karabiner und Eisschrauben, Bandschlingen und Reepschnüre in verschiedenen Größen. Die Sektion Karpaten stellt ihren Mitgliedern die Ausrüstung für die Ausbildung zur Verfügung. Was sich im Theorieunterricht noch so simpel anhört, versuchen die Kletterer umzusetzen: entweder arbeitet man sich mit parallel ausgerichteten Händen und Füßen wie eine Raupe Stück für Stück im Eis hoch oder der Kletterer entscheidet sich für eine diagonale Gangart. Vorsicht ist immer geboten, weil die Stahlspitze des Eisgerätes in Beulen oder Hohlräume im Eis treffen kann. Wenn zu fest gehauen wird, sprengt sie manchmal ganze Eisschollen ab. In der Sicherungstechnik, Knoten, Standplatzbau, Sicherungsgeräte werden die Kenntnisse auch vertieft.

Nach dem Klettern gibt es in unseren Unterkünften beste Bedingungen, sich für das Geleistete zu belohnen. Sogar eine Sauna steht bereit, in der die Kälte endgültig aus allen Gliedmaßen verbannt werden kann. Das gute Essen und die freundlichen Wirtsleute, allen voran der Hüttenwirt Hermann Maislinger im Naturfreundehaus, sorgen für einen gemütlichen Abend. Natürlich ist das gerade Erlebte Thema am Tisch. Was hat man richtig gemacht, wo haben sich Fehler eingeschlichen, wann war die Spannung am größten? Am Ende sind sich alle einig, dass bei der nächsten Eiskletterei der Verbesserungsprozess weitergeht und dass das „Ballett am Eisfall“ eine „coole Nummer“ ist. Lust, es selbst mal auszuprobieren? Sie müssen kein Profi sein. Auf unserer Homepage finden Sie alle Ausbildungen und Touren: www.sektion-karpaten.de.

Reinhold Kraus


Schlagwörter: Sektion Karpaten des DAV, Eisklettern

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