26. November 2011

„Bunter Abend“ in Heilbronn

Zu einem Bunten Abend mit heiterem Programm lud die Kreisgruppe ins Bürgerhaus nach Heilbronn-Böckingen ein. Diese Herbstveranstaltung ist bei vielen Siebenbürger Sachsen sehr beliebt und dementsprechend immer gut besucht. Der Abend wurde vom „Karpaten-Tanz- und Unterhaltungsorchester Heilbronn“ unter der Leitung von Uwe Horwath eröffnet.
Unsere Kreisvorsitzende Christa Andree begrüßte die Gäste. Der „Liederkranz der Siebenbürger Sachsen Heilbronn“ unter der Leitung von Melitta Wonner eröffnete mit dem Lied „Grüß Euch Gott“ sein Konzert. Mit den Liedern „Bäm Hontertstroch“, „Zeisken huet e klinzich Näst“ und „Än ases Nobers Guerten“ gedachte der Chor des Komponisten Hermann Kirchner, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährt.

Hermann Kirchner wurde in Thüringen geboren und besuchte, da seine musikalische Begabung schon früh entdeckt wurde, das Seminar in Gotha und anschließend die Hochschule für Musik in Berlin. Seine Fächer waren Orgel, Komposition und Gesang. In Berlin fand er keine Ruhe zum Komponieren, nahm deshalb die Stelle eines Chordirigenten beim Mediascher Musikverein an und zog mit Frau und Kind nach Siebenbürgen. Hier entstand dann auch tatsächlich die größte Zahl seiner Werke. Sein Freund Carl Römer schreibt über ihn: „Mit außerordentlicher Empfänglichkeit nahm der hochstrebende, hochbegabte Mann das Neue auf, das sich ihm hier bot, die eigenartige Schönheit unserer Landschaft, das bunte Völkergemisch, unser Volkstum in seiner besonderen Art.“

Kirchner schreibt über seinen Aufenthalt in Siebenbürgen: „Hier, in diesem schönen Lande, unter den kerndeutschen, biederen Sachsen habe ich die schönsten Jahre meines Lebens verbracht … Wenn ich einmal fort bin, werde ich mich immer nach diesem Lande zurücksehnen.“

Die Texte in siebenbürgisch-sächsischer Mundart für seine Lieder lieferten seine Freunde. Wie das vor sich ging, berichtet seine Tochter: „Prof. Carl Römer machte ihn mit den sächsischen Volkssitten bekannt … In fröhlicher Runde entstand manches neue Liedchen. Der Dichter (Römer) reichte ihm das Blatt … und schon bald darauf summte Vater die neue Weise vor sich hin … Siebenbürgische Volkslieder hat Vater diese Weisen genannt … nicht weil er sie als Volkslieder gehört hat, sondern weil sie inmitten des Volkes, zusammen mit den sächsischen Landsleuten entstanden sind.“

Ab 1900 war Hermann Kirchner Chorleiter in Hermannstadt, ab 1906 Professor für Komposition und Orchesterleiter am Staatskonservatorium in Bukarest. Auf Veranlassung von Carmen Sylva war er auch Dirigent der Deutschen Liedertafel und Organist der deutschen Gemeinde und vertonte zudem Gedichte von Carmen Sylva. 1910 verließ er Bukarest, übersiedelte nach Oberschlesien und starb 1928 in Breslau.

Sein wohl bekanntestes Lied ist „Bäm Hontertstroch“. „Keines meiner Lieder ist so ganz mein wie der ‚Hontertstreoch‘, so ganz wie von selbst herausgewachsen aus meinen Erinnerungen, Stimmungen und meinen Empfindungen, als richtiges Dorflied.“ Am 29. Juni 1896 erklang das Lied zum ersten Mal in Reichesdorf im Rahmen eines großen Festes. Von dort aus ging sein Siegeszug durch die ganze Welt; selbst in Japan ist es bekannt.

Bei seinem letzten Besuch in Siebenbürgen sagte Kirchner: „Wenn nur das Lied ‚Beim Holderstrauch‘ als Volkslied weiterlebt, so habe ich nicht umsonst gelebt.“ Sie leben seine Lieder, auch nach über hundert Jahren; unser Chor brachte den Beweis.
Die Kindergruppe unter Astrid Kelp gestaltete den ...
Die Kindergruppe unter Astrid Kelp gestaltete den Bunten Abend in Heilbronn mit. Foto: Jürgen Binder
Beim diesjährigen Volkstanzwettbewerb der SJD in Bad Rappenau war unsere „Siebenbürgisch-Sächsische Kindergruppe Heilbronn“ unter der Leitung von Astrid Kelp als Ehrengast aufgetreten. Beim „Bunten Abend“ erfreuten sie die Zuschauer mit den Tänzen „Sauerländer Quadrille Nr. 4“ und „Kieler Sprotten“. Die Kindergruppe hat zurzeit 26 Mitglieder. Bei diesem Fest wurden Franziska Maurer, Saskia Maurer, Jakob Depner, Judith Hermann, Philipp Hermann, Lena-Marie Eberle, Hannah Schuster und Andrea Gräf für fünf Jahre Mitgliedschaft geehrt. Franziska Maurer und Judith Hermann sind in die Jugendtanzgruppe aufgerückt. Wir danken Astrid, der es hervorragend gelingt, die Kinder zu begeistern, und den Eltern der Kinder, die die Kinder regelmäßig zu den Proben bringen und viele Aktivitäten der Kindergruppe unterstützen.

Die Kindermusikgruppe „Quartenzirkel“ unter der Leitung von Raimund Depner hat sich nicht nur zahlenmäßig vergrößert, sondern auch ihr Repertoire erweitert. Die Musikgruppe spielte großartig, und die Zuhörer sangen die bekannten Lieder begeistert mit: „Kein schöner Land“, „Wie lieblich schallt“, „Der Mond ist aufgegangen“ und viele mehr.

Lisa Buortesch und Conny Wonner traten als Solistinnen auf.

Gratuliert wurde auch der Siebenbürgischen Jugendtanzgruppe Heilbronn unter der Leitung von Christine Göltsch und Ines Wenzel. Sie belegte beim diesjährigen Volkstanzwettbewerb den 2. Platz. Mit ihren wunderschönen Trachten und den dargebotenen Tänzen „Der Nagelschmied“, „Hanaks Konter“, „Maike“ und „Schwäbische Tanzfolge“ erfreuten sie auch die Zuschauer in Heilbronn.

Auch im zweiten Teil der Veranstaltung begeisterte die Kindergruppe die Zuhörer. „Ä lastig 1x1“ trugen die Kinder humorvoll und jeder in seinem eigenen Dialekt vor. Mitglieder der Theatergruppe Heilbronn unter der Leitung von Christa Andree trugen Gedichte von Otto Piringer, Karl Gustav Reich und Friedrich Rösler vor.

Im Anschluss an das kulturelle Programm spielte unser Orchester zum Tanz auf. Natürlich wurde auch für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt. Vor allem die mit „evangelischem Speck“ bestrichenen Brote fanden riesigen Anklang bei den Besuchern.

Es war ein schöner, abwechslungsreicher, heiterer Abend, lobten Gäste. Wir danken allen Mitwirkenden und den Organisatoren für diese gelungene Veranstaltung.

Gerlinde Schuller

Schlagwörter: Heilbronn, Kultur, Tanz

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