15. April 2017

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Kreisgruppe Mannheim – Heidelberg: Kulturnachmittag mit Hermann Schuller und Heinz Acker

Zwei bundesweit bekannte Persönlichkeiten unserer Kreisgruppe haben am 25. März in Heidelberg einen informativ-geistreichen Kulturnachmittag gestaltet. Im 1. Teil sprach Dekan i.R. Hermann Schuller (Mannheim) über die beiden Sammelbände „Aus dem Schweigen der Vergangenheit“, deren Herausgeber er ist.
Er war der Ideenstifter für die Erstellung von Berichten, die in diesen zwei Bänden veröffentlicht wurden. Es war ihm und dem Vorstand der Gemeinschaft der Evangelischen Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD e.V. (Hilfskomitee) ein besonderes Anliegen, Erfahrungen aus der Evangelischen Kirche A.B. und ihrer Gemeindeglieder in der Zeit des Kommunismus späteren Generationen zugänglich zu machen. Aus dem zweiten Band las Schuller nun vor Landsleuten in Heidelberg sehr ergreifende Passagen vor (Aus dem Schweigen der Vergangenheit II. Erfahrungen und Berichte aus der siebenbürgischen Evangelischen Kirche A.B. in der Zeit des Kommunismus. Herausgegeben von Hermann Schuller, Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben (Hilfskomitee), Schiller Verlag, Hermannstadt, 2017, 343 Seiten, gebunden, 16,80 Euro, ISBN 9-783-94452997-4).

Laut Schuller waren viele Gespräche und große Überzeugungskraft notwendig, um die Autoren dafür zu gewinnen, Erlebtes – oft Unangenehmes – zu beschreiben. Die in diesem Band eingebrachten Berichte sind authentisch und von tiefgehenden persönlichen Erfahrungen geprägt. Es ist bemerkenswert, wie den Verfassern im Rückblick über Jahrzehnte das Erlebte von damals gegenwärtig geblieben ist, „so, als sei es gestern gewesen“. Umso bedeutsamer sei die Überwindung des Schweigens und der Mut, die Erfahrungen jener Zeit schriftlich festzuhalten. Die Beiträge sind authentische Beschreibungen von Erlebtem, sie widerspiegeln ein politisches System mit inneren und äußeren Widersprüchlichkeiten. Die Berichte reflektieren Erfahrungen und Leidenswege aus verschiedenen Zeitabschnitten des kommunistischen Unrechtsystems in Rumänien mit unterschiedlichen Wahrnehmungen. Die Nachkriegsjahre des 20. Jahrhunderts waren für uns Siebenbürger Sachsen, aber auch für viele Rumänen von politischer Unterdrückung und materieller Not geprägt. Die ­Verhaftungen vieler junger Menschen, die widersinnigen Prozesse mit irrationalen Verurteilungen, die ab 1957 einsetzten, widerspiegeln die „Paranoia“ des politischen Systems. Die Berichte darüber, auch Jahrzehnte danach gelesen, sind erschütternd: Grausame Stationen wie Jilava, Dej, die Lager Periprava-Grind im Donaudelta und viele andere werden vergegenwärtigt. Die Berichte beschreiben, was Menschen einander antun können, zeigen Tiefen unfassbarer Erniedrigung und Leiden, so dass das Überleben wie ein Wunder erscheint.

Im zweiten Teil des Kulturnachmittags sprach Prof. Heinz Acker (Heidelberg), Träger der Staufermedaille (2012), über seine Vertonung des Sonnengesangs des Heiligen Franz von Assisi. Der „Sonnengesang“ (Il cantico del sol) gehört zu den berühmtesten Gebeten der Christenheit. Es ist eine Lobpreisung von Gottes Schöpfung, die der Heilige Franz von Assisi kurz vor seinem Tode (1225) verfasste und die nun seit nahezu 1000 Jahren die Christenheit durch ihre Botschaft bewegt.

Franziskus‘ Lebensweg liest sich wie die wundersame Wandlung des Saulus zum Paulus. Vor 835 Jahren als Sohn eines reichen Tuchhändlers aus Assisi geboren, genießt er eine gute Bildung, führt jedoch mit dem Geld seines Vaters ein ausschweifendes Leben, bis er eine Gottesbegegnung hat. Es ist die Wende in Franziskus‘ Leben. Nun will er dem Herrn dienen. Er zieht sich aus seinem Freundeskreis zurück, tauscht seine Kleider mit einem Bettler und wendet sich wohltätig den Armen und Ausgestoßenen zu. Fortan lebt er als Einsiedler und Bettelmönch außerhalb der Stadtmauern. Hier baut er eigenhändig die Kapelle Portiuncula auf. Es wird der Sitz einer großen Bewegung, denn sehr bald schließen sich ihm weitere Gesinnungsgenossen an. Innerhalb weniger Jahre entsteht der Orden der „Minderen Brüder“, die ausschließlich nach den Vorgaben des Evangeliums leben. Von Papst Innozenz III. erbitten sie die Bestätigung der neuen Bewegung und Lebensweise. Erstaunlicherweise gewährt der Papst seine Zusage. 1223 gab Franziskus, von Krankheiten und Fasten geschwächt, die Leitung des Ordens auf und lebte fortan in einer Felsnische auf dem Berg La Verna als Einsiedler. Hier hat er seine schönsten Gebete („laudi“ genannt) verfasst, darunter seinen berühmten „Sonnengesang“. Darin ruft er die Menschheit zum Lobpreis Gottes in all seinen Geschöpfen und Erscheinungsformen auf. Franziskus galt bereits zu seinen Lebzeiten als Heiliger. Seine Heiligsprechung erfolgte bereits zwei Jahre nach seinem Tode durch Papst Gregor IX. Seither wird er nicht nur von der Katholischen Kirche als Heiliger verehrt, auch die Evangelische Kirche gedenkt seiner alljährlich an seinem Todestag (3. Oktober, Lied 515: „Laudato si, o mi signore“).

Dieser Text hat Herrn Acker gefangen genommen, einerseits war es die großartige Botschaft des Textes, andererseits hat ihn der Text als Musiker bewegt. Als er die Besonderheit der altitalienischen Textvorlage erkannte, wurde ihm klar, dass sein Werk in der Gegenüberstellung beider Sprachen gestaltet werden musste: im steten Wechsel vom altitalienischen Originaltext zu einer deutschen Textfassung. Das bot auch die Möglichkeit zu musikalischen Kontrasten: Während das Orchester im Hintergrund Musik aus der Zeit der Gregorianik zitiert, werden die altitalienischen Textteile vom Chor lediglich gebetsartig gesprochen. Darauf folgt jeweils der gleiche Textabschnitt, nun in deutscher Sprache, und natürlich nun in einer kontrastierenden, zeitgemäßen Tonsprache: Das Orchester steuert als Ausdrucksmittel Dissonanzen bei, wo der Text es verlangt. Etwa, wenn von Sturm und Gewitter die Rede ist oder von Naturgewalten wie Wind und Wetter oder wenn die Schrecken des Todes klanglich dargestellt werden. Es sind meist Begriffspaare, die genübergestellt werden: Sonne und Mond, Wind und Wetter, Feuer und Wasser, um sich schließlich, in den letzten Strophen, den inneren Werten der menschlichen Existenz zuzuwenden: Gottes Liebe – Frieden und das Memento des Todes. Die bildhafte Sprache des Heiligen Franziskus inspirierte Prof. Heinz Acker zu ebenso farbenprächtig-bildhaften Klanggemälden, wovon er Beispiele am Klavier darbot.

Das ganze Gebet verrät die große Fürsorge, die Franziskus für die umgebende Natur, für alle Gottesgeschöpfe hegte, zu einer Zeit, da all diese Dinge doch eigentlich selbstverständlich waren: das Wärmende und Lebensspendende der Sonne, das Vorhandensein von Luft zum Atmen, von Feuer und Wasser als Grundelementen des Lebens, die Allgegenwärtigkeit von Tieren und Pflanzen. Franziskus wendete sich all diesen Dingen in brüderlicher Verbundenheit und Fürsorge zu. Selbst der kleinste Regenwurm ist ihm „Bruder“ oder „Schwester“ als einmalige und einzigartige Schöpfung Gottes.

Acker versucht mitunter, mit seiner musikalischen Deutung über die Aussage des Wortes hinauszugehen. So spricht der Franziskustext lediglich von dem Segen, den die Elemente Feuer und Wasser für uns bedeuten. Aus dieser Vertonung aber kann man heraushören, dass beide Elemente, sowohl Schwester Wasser als auch Bruder Feuer, zwei Seiten haben; eine segenbringende, menschendienliche, aber auch eine gefährliche, vernichtende. Das trifft dann auch auf Wind und Wetter zu. Da Franziskus nicht der erste und einzige war, der zu derartigen Erkenntnissen kam, gibt es zwei Fremdeinschübe in den Text des Franziskus: der „Hymnus an Helios“ nach einem Text des antiken griechischen Dichters Mesomedes (etwa 144 n. Chr.) sowie ein Antiphon von Hildegard von Bingen, „Caritas abundat“ (Die Liebe überflutet das All). Nur diese beiden Einschübe stellen eine Solo-Arie dar: der Mesomedes-Hymnus für den Solo-Bariton sowie die erwähnte Antiphon der Hildegard von Bingen für Solo-Sopran. Es gibt noch einen dritten Fremdeinschub, das ist der bekannte mittelalterliche Hymnus „Dies irae“, wo von den Schrecken des Todes die Rede ist. Schließlich gibt es noch einen weiteren, kleinen, aber äußerst wichtigen Fremdtext: Da das ganze Klanggemälde dieser Kompositionen einen Rahmen benötigt, in den es sich einfügt, hat Prof. Acker dem Gebet die aufrufenden Worte vorangestellt: Audite, audite, le laudi di San Francesco – Höret, oh höret das Gebet des Heiligen Franz von Assisi. Dieser Aufruf wird am Schluss wiederholt, als musikalische Klammer, nun allerdings mit dem mahnenden Zusatz „… und folget ihm!“ Wir hörten anschließend den Mitschnitt der Uraufführung dieses Werkes zu Pfingsten 2014 in Dinkelsbühl, während Heinz Acker stimmungsvolle Bilder zum Sonnengesang auf die Leinwand projizierte.

Hans-Holger Rampelt

Kinder bereiten Muttertagsfeier vor

Liebe Kinder, wir würden gerne mit euch zusammen etwas für die Muttertagsfeier in der Friedenskirche in Mannheim vorbereiten. Für die Vorbereitungen treffen wir uns am Sonntag, dem 23. April, von 10.00 bis 13.00 Uhr und am Samstag, dem 29. April, ebenfalls von 10.00 bis 13.00 Uhr im Gemeindesaal der Evangelischen Friedenskirche Mannheim, Traitteurstraße 48/Augartenstraße 62, in Mannheim. Wir bitten die Eltern, euch bei Eveline Geisler, Mobil: (0178) 1596447, oder Dagmar Markel, Mobil: (0173) 9896849, anzumelden. Über zahlreiche Anmeldungen würden wir uns sehr freuen.

Dagmar Markel

Schlagwörter: Mannheim, Kultur

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