27. März 2019

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Mit den Urzeln durch Geretsried

Liebe Geretsrieder Kinder, ihr habt im vorigen Jahr in der Grundschule ein kleines Heft über die Geschichte Geretsrieds bekommen. In dem sind die Urzeln als Urzelmännchen gezeichnet. Sie gehen mit euch durch die Stadt, zeigen euch wichtige Gebäude, erzählen von ihrer Entstehung und antworten auf eure Fragen. Nicht nur die Stadt hat eine Geschichte, auch die Urzeln.
Ursprünglich kommen diese schwarzen zottigen Gestalten mit ihren Grimassen schneidenden Masken aus Agnetheln in Siebenbürgen und sind dort schon vor 800 Jahren gelaufen. Aber in Geretsried sind sie erst seit 33 Jahren. Immer am Faschingsdienstag wird euer Urzelheftchen lebendig. Dieses Jahr konntet ihr sie am 5. März sehen, sie anfassen, ihnen Fragen stellen, vielleicht einen Krapfen aus ihrer Quetsche ergattern oder einmal mit der langen Peitsche knallen, wobei die Schellen immer laut mitläuten.

Schon früh sammelte der Bus 54 Urzeln ein und brachte sie zum Urzelzunftmeister Peter Wagner, wo es ein Weißwurstessen gab. Ab jetzt ging alles nur noch zu Fuß. Zum Glück war es nicht zu warm, denn in dem Anzug und unter der Maske kann es ganz schön heiß werden. Der erste Weg führte wieder ins Altenheim St. Hedwig, danach erwartete uns Gerda Bretz in der Isarau mit den wunderbaren Schnitzelsemmeln. Nach einer längeren Pause mussten wir um 14.00 Uhr zum Bürgermeister Michael Müller ins Rathaus. Er wollte sicher sein, dass auch heuer keine bösen Geister zurückbleiben. So ließen wir unsere Peitschen und Schellen ertönen, welche einen Höllenlärm entwickelten. Da ist bestimmt kein Geist, ob böse oder gut, im Gebäude geblieben. Dann brachten wir den Bürgermeister mit der Wolfratshauser Stadtkapelle und unserem Urzelquartett auf den zurzeit sehr geschrumpften Festplatz. Kerstin Wagner und Tochter Maria zeigten auch heuer ihre Sicherheit beim Reifenschwingen. Um mehr Bewegungsfreiheit zu haben, stiegen einige Peitschenknaller einfach auf die Budendächer und ließen von dort ihr Arbeitswerkzeug ertönen. Die Urzeln in Geretsried. Foto: Wiltrud Wagner ...Die Urzeln in Geretsried. Foto: Wiltrud Wagner Von Familie LaTona und Familie Göbbel gerufen, konnten wir sie besuchen. Bei beiden gab es nur Köstlichkeiten, die Entscheidung war schwer: Was nehme ich zuerst? Der Tisch ist gefüllt, die Augen größer als der Bauch und bald geht nichts mehr hinein. So war es auch hier. Allen recht herzlichen Dank. Es war ein langer Tag und Fußmarsch. Beendet wurde er bei Gerhard (Gar) Eitel, wo Brötchen, vorbereitet von seiner Mutter Emma Eitel, auf uns warteten. Aber wer diesen Tag nach Urzelmanier beenden wollte, aß das letzte Urzelkraut mit seinen Wickerl. Diese wurden am Freitag, 1. März, bei Familie Horst und Wiltrud Wagner im Partykeller, zum Krautkeller umgewandelt, vorbereitet. 15 Frauen und zehn Männer schnippelten, mahlten und wickelten 630 Knödel. In vier großen Töpfen fanden sie dann ihren Platz und konnten sich in der Garage zum besten Schmaus entwickeln. Selbst die Presse war neugierig und besuchte uns. Sie wollte wissen wie, wann und wo dieses gut riechende Urzelkraut entsteht. Am nächsten Tag wurde es in den Ratsstuben Geretsried bei vollem Saal verspeist. Für gute Stimmung sorgte die Band „TOP 40“ und die Jugendtanzgruppe brachte mit ihrem Faschingstanz „Gender-swap“ Abwechslung in die lange Nacht.

Da waren die Urzeltage noch lange nicht vorbei. Am Sonntag, den 3. März, wurden wir nach Wolfratshausen zum dortigen Faschingstreiben gerufen. Mit 33 Urzeln kamen wir an und marschierten wieder mit der Stadtkapelle, unterstützt von unseren vier Musikern, durch den Ort, um mit ohrenbetäubendem Lärm auch hier die bösen Geister zu vertreiben. Zunftmeister Peter Wagner bedankte sich für die Einladung und eröffnete mit unseren beiden Reifenschwingern das Programm. Unbegreiflich für das Publikum war, dass die Gläser frei und gefüllt durch die Luft geschwungen werden. Die Urzeln wollen hoch hinaus und  vergrößen den ...Die Urzeln wollen hoch hinaus und vergrößen den kleinen Festplatz in Geretsried. Foto: Wiltrud Wagner Zur großen Freude konnten wir auch heuer neue Urzeln begrüßen. Diese wurden getauft, um voll in die Urzelgruppe integriert zu werden. Die erste Taufe vollzog der älteste Urzel, Horst Wagner, aber danach folgten noch viele weitere. Recht herzlichen Dank an alle Kuchenbäckerinnen, Krauthersteller und Wickerldreherinnen, an unsere Gönner, die Gastgeber, die wir besuchen durften, und unsere zwei Jüngsten aus dem Vorjahr, die fleißig in ihren Mini-Anzügen mittapsten.

Und ihr, liebe Kinder, lernt auch heuer fleißig mit den Urzelmännchen, denn nächstes Jahr am Faschingsdienstag könnt ihr eure Urzeln wieder lebendig sehen, fühlen und erleben.

Wiltrud Wagner

Schlagwörter: Urzeln, Geretsried, Brauchtumspflege

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