20. März 2020

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Kostüm ist nicht immer Kostüm: Fasching und Vortrag in Geretsried

So konnte man viele Kostüme am 8. Februar beim Faschingsball der Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfratshausen in den Ratsstuben Geretsried bewundern. Zur Eröffnung sprach unsere Vorsitzende Ursula Meyndt ein paar Worte und meinte: „Schon oft waren es die Narren, die sogar in der ganzen Welt das Sagen hatten, aber heute Abend habt ihr es hier bei uns“.
Bei der Polonaise machten so viele mit, dass sie fast die Tanzfläche sprengte. Durch die anwesenden Ärzte konnte jeder unbeschwert die Bar benutzen, dabei wurden Umweltschutz und Sauberkeit nicht vergessen: Die vielen Raumpflegerinnen warteten bereits mit dem Wedel in der Hand. Nach dem Brexit waren mehrere Schotten zu uns gekommen, die Bären, Hexen und Zauberer wurden von einer Gruppe „Popcorn“ mit deren Körnern gefüttert und einige schon fast ausgestorbene Tiere hatten bei uns Zuflucht gefunden. Auch mit dabei war so manch fantasievolles Kostüm, dessen Darstellung man nur erahnen konnte. Macht nichts. Schließlich sind der Fantasie in der 5. Jahreszeit keine Grenzen gesetzt. Für euer zahlreiches Erscheinen vielen Dank, denn ein Fasching ohne Maske, Kostüm und Feierlaune ist kein Fasching.

Dann hieß es Bühne frei für unsere Tanzgruppen, angeführt von Iris Maurus. Die zwölf kleinen Bienchen der Kindertanzgruppe in niedlichen Kleidchen und mit Flügeln entführten uns in den Frühling. Nach unserem Hilferuf haben wir wieder eine Schülergruppe mit neun (!) Tänzern, die mit viel Schwung, Hüten und Cowboykleidung einen Westerntanz aufführten.Die prämierten Masken in Geretsried. Foto: ...Die prämierten Masken in Geretsried. Foto: Wiltrud Wagner Fleißig spielte das „Schlager-Taxi“. So mussten wir etwas länger auf eine Pause warten, um die Kostümprämierung durchführen zu können. Obwohl nur die Besten prämiert wurden, war bis zum Schluss diese Gruppe so groß, dass sie kaum aufs Foto passte.

Danach überraschten uns die zwölf Charlestontänzer der Jugendtanzgruppe mit Charme und wippenden Hüften. Sie brachten uns Tanzschritte und Kleidung von vor 100 Jahren in Erinnerung. Fesch waren die Mädels in ihren schwarzen, kurzen Kleidern mit Fransen, den langen schwarzen Handschuhen und dem Federkopfschmuck, während die schwarzen Hosen ihrer Begleitung von schwarzen Hosenträgern gehalten wurden, die auf dem weißen Hemd mit passender Fliege gut zur Geltung kamen.

An diesem Abend gab es nur die beste Laune, zu der das „Schlager-Taxi“ sehr viel beitrug. Danke allen Helfern, Tänzern und Gästen. Bis nächstes Jahr: mit noch mehr Mut zu Kostümen. Es war ein herrliches Bild!

Vortrag über sächsische Standestracht

Gleich am Montag, den 10. Februar, in der Stadtbücherei Geretsried war keine Rede mehr von diesen Kostümen, sondern von der Entwicklung einer sächsischen Standestracht, vorgetragen von Dr. Irmgard Sedler. Es wurde ein Vortrag der besonderen Art, bei dem auch der Chor in sächsischer Mundart sang. Ging man auch mit bestimmten Vorstellungen hinein, kam man angenehm überrascht wieder heraus. Es wurden keine alltäglichen, aktuellen Trachten besprochen, sondern Frau Sedler sprach über die Entstehung und Weiterentwicklung der Ost- und West-Kleidung, die sich in den Städten immer mehr einschlich. Sie sprach über eine Zeitspanne, von der man eigentlich nicht viel wusste und über die man sich nie so richtig Gedanken gemacht hatte. Frau Sedler: „Ich bin nicht hier, um die genaue Anziehungsweise, welche Schürze zu welcher Tracht, welche Farbe die Strümpfe zum passenden Kleid haben muss, zu besprechen. Ich bin hier, um ihnen die Geschichte, die Entstehung und Entwicklung der Trachten zu erläutern.“

Während die Tracht der Patrizierfrauen in Hermannstadt, Kronstadt und Schäßburg aus kostbarer Seide bestand und im 16. und 17. Jahrhundert ihre Blütezeit erreichte, sich dann aber doch die Mode aus Wien zum Vorbild nahm, trennte man sich im Alltag immer mehr von der Tracht. Anders auf den Dörfern. Da blieb sie bis zum Zweiten Weltkrieg erhalten. Alltagstracht war ein handgewebter, ungefärbter Flachs, der „Ketzel“, aus dem 1910 der Busenkittel entstand. Die Sonntagstracht war auch hier aus besserem Stoff. Frau Sedler: „Die Schuhe gehören immer zur Tracht dazu.“ Auch sie machten eine große Verwandlung durch, bis sich um das 19. Jahrhundert bei den Frauen die Stiefelette und bei den Männern, im 18. Jahrhundert, die schwarzen Stiefel durchsetzen. Die ersten Trachten hatten orientalisch-türkischen Einfluss. Später, im 16. Jahrhundert, brachte eine Frau aus Nürnberg ein neues Muster in die heimische Frauentracht, bei den Männern finden wir das spanische Vorbild. Selbst Paris finden wir wieder: So gab es 1840 noch einen Perückenmacher in Hermannstadt. Großen Einfluss hatten später (1734) die Landler, als sie aus dem Salzburger Land nach Hermannstadt kamen. Ich möchte nicht den ganzen Vortrag wiedergeben, aber wir können gespannt auf eine Fortsetzung der Trachtengeschichte sein. Einen recht schönen Dank für diesen Vortrag, dem Chor und der Jugend für ihre Hilfe.

Wer hätte je gedacht, dass unser so beliebter Dolman durch seine Schnüre türkisch ist und einmal das Leibgewand des Sultans war. Ich nicht.

Wiltrud Wagner

Schlagwörter: Geretsried, Faschingsball, Vortrag, Trachten, Sedler, Geschichte

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