27. August 2010

„Vampire: Monster-Mythos-Medienstar“ von Florian Kührer

„Schon wieder ein Vampir-Buch“, würde so mancher glauben. In seinem Buch „Vampire – Monster, Mythos, Medienstar“ stellt Florian Kührer den Grafen jedoch von einer ganz anderen Seite vor: Das Buch beißt sich buchstäblich durch die Etappen der Blitzkarriere eines Vampirs durch und erklärt, wie ein im Volksglauben entstandenes Wesen heute solchen Erfolg feiern kann. Denn sorgfältig muss zwischen jenem Monster unterschieden werden, das in den Gazetten des Okzidents groß geworden ist, und demjenigen, das durch Kino und Literatur eine große Veränderung erlitten hat.
Der Vampir hat viele Gesichter, vor allem wenn man daran denkt, wie verbreitet seine Existenz ist. Kührer geht in die Entstehungsgeschichte dieser Geschöpfe ein und stößt auf Schauriges. Im Gegensatz zu seinen lebenden Monsterverwandten, wie Hexen und Werwölfen, gehört der Vampir zur Kategorie der „Wiedergänger“ – mobile Untote, die das Grab verlassen, um ihren Aktivitäten nachzugehen. In seinem angeblichen Ursprungsort Rumänien wurde er eher unter den Namen „strigoi“ oder „moroi“ bekannt – Menschen, die unschuldig an ihrem Schicksal sind und schon mit einem Makel geboren wurden, wie einem Schwanz, einem zusätzlichen Wirbel am Steißbein oder einer Glückshaube. Der Vampirismus breitete sich so stark aus, dass man sogar glaubte, einer Vampirkrankheit auf die Sprünge gekommen zu sein. Die US-Amerikaner Milgrom und Dolphin meinten in der Eisenmangel-Porphyrie, einer Stoffwechselerkrankung, Symptome für die Vampirkrankheit zu erkennen, da Patienten sehr blasse Haut aufgrund von Lichtunverträglichkeit sowie Zahnfleischschwund aufwiesen. Immer mehr Mediziner glaubten, das „Vampirtum“ in Krankheiten gefunden zu haben. Im serbischen Medvegya wurde der „Contagions-Medicus“ Glaser damit beauftragt, Menschen und Häuser auf eine ansteckende Vampirkrankheit zu untersuchen, doch ohne große Funde. Die Einwohner hielten dennoch an ihrem Glauben fest, dass „Vambyres oder Bluthseiger“ an ihren Krankheiten schuld seien. Glaser war nicht der einzige, der versucht hat, den Leuten den Vampirglauben auszureden. Auch Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) entwickelte mit Hilfe ihres Leibarztes Gerard van Swieten eine Reihe von antivampirischen Maßnahmen. „Basierend auf einer Studie van Swietens, erließ sie eine Verordnung, in der der Vampirglaube als reine Einbildung bezeichnet und jegliche Handlung, die damit zu tun habe, untersagt wurde, wie Kührer in seinem Buch vermerkt. Doch war das Problem Vampir damit nicht aus der Welt geschafft.

Nicht lange dauerte es, bis sich Schriftsteller von diesem Untoten inspirieren ließen und mit ihren eigenen Ideen bereicherten. So lässt sich auch erklären, wie es zu dem Vampir gekommen ist, der in unserer gegenwärtigen Welt herumschleicht. Bram Stoker leistete wohl den größten Beitrag dazu, den „Vampirismus“ entstehen zu lassen, als er im Jahre 1897 seinen Roman „Dracula“ veröffentlichte, der auf der Legende des rumänischen Fürsten Vlad III. Drăculea, auch als Vlad Ţepeş bekannt, basiert. „Schwarzer Umhang und spitze Eckzähne, so wurde der Karpatengraf seit Bram Stoker geprägt, so ist er nach Rumänien eingewandert und hat sich mit Vlad III. vereinigt.“ Doch haben schon vor ihm zahlreiche Autoren über den Blutdurstigen geschrieben, der nachts sein Unwesen treibt. Florian Kührer blickt zurück in die Geschichte. Nur sind diese weniger bekannt. Oder wussten Sie, dass Johann Wolfgang von Goethe mit seiner Ballade „Braut von Korinth“ 1797den Vampirismus überliefert hat, indem „er die untote Braut ihren lebenden Bräutigam heimsuchen ließ“? Und als Lord Byron zu seiner Zeit am Genfer See den Sommer 1816 mit seinen Freunden John William Polidori, Mary Godwin und Percy Bysshe Shelley verbrachte, schlug er ihnen einen Wettbewerb vor, der eine der besten Schauergeschichte entstehen ließ. Mary Godwin ließ in jenen Tagen nämlich „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ zum Leben erwecken.

Doch nun zurück zur Gegenwart. So, wie man ihn früher kannte, gibt es ihn schon lange nicht mehr – der Vampir von heute muss sich nämlich nicht vor Knoblauch, Kruzifix und Sonnenlicht fürchten, sondern eher vor kreischenden, weiblichen Fans, könnte man meinen. Das Leinwandmonster von heute zeigt sich eher als Traummann für viele Frauen, wie Kührer anhand von folgenden Beispielen darlegt. Im Vergleich zu den „klassischen Vampirfilmen“, wie Walter Murnaus „Nosferatu – Symphonie des Grauens“, ist der heutige Vampir aus der „Twilight“-Saga ein zahmes Wesen, das seine Blutgier unterdrückt, um seiner Geliebten nicht weh zu tun. Ja mehr noch, der „gute Vampir“ Edward Cullen, von Robert Pattinson verkörpert, steht einem Rudel böser Vampire gegenüber, vor denen er seine geliebte Bella beschützen muss. Diese hübschen, „guten Vampiren“, darunter auch Bill Compton aus der Serie „True Blood“ und Stefan Salvatore aus „Vampire Diaries“, scheinen alle Grundbedürfnisse des Menschen zu verkörpern: „Materielle und gesundheitliche Probleme sind ihnen fremd, lieben können sie, als gäbe es kein Morgen, und gleichzeitig bedeutet ein Leben mit ihnen mehr Spannung und Aufregung, als die beste Unterhaltungsshow bieten kann“.

Vampire gibt es! Zumindest der Glaube daran. Und das ist es, was Kührer mit seinem Sachbuch „Vampire: Monster-Mythos-Medienstar“ festhält. Angefangen von seiner Herkunft als „Leichentuchfresser“ bis hin zum Vampir als „Schönheit“ der Verdammnis greift Kührer in jeden Bereich ein, der vom Vampir gestreift wurde – und das sind nicht wenige. Gäbe es DEN Graf Dracula, er würde sich bei diesem Wirrwarr an Geschichte und Geschichten wahrscheinlich im Grab umdrehen.

Andreea Simon


Florian Kührer: „Vampire: Monster-Mythos-Medienstar“, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2010, 288 Seiten, Preis: 17,90 Euro, ISBN 978-3-7666-1396-7

Schlagwörter: Rezension, Dracula

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