3. November 2011

Filmpremiere in Mediasch: Hermann Oberth – „Ein Siebenbürger auf dem Weg zu den Sternen“

Der Dokumentarfilm „Ein Siebenbürger auf dem Weg zu den Sternen“ hatte kürzlich in der Kokelstadt Premiere. Die beiden aus Bukarest kommenden Produzenten Nick Langa – mit Mediascher Wurzeln – und Ştefan Elefteriu widmen ihren Streifen den ersten Lebensjahrzehnten Hermann Oberths, dem aus Siebenbürgen stammenden Pionier der Weltraumfahrt. Es ist die Zeit von seiner Geburt bis 1938, die überwiegend in Siebenbürgen erlebten Jahre, in denen er seine bahnbrechenden Ideen entwickelte.
Den Rahmen für die Premiere gab das vierte Treffen der Mediascher Sachsen in ihrer Heimatstadt ab, zu der das örtliche Demokratische Forum, die Stadtverwaltung, die Evangelische Kirchengemeinde und die Heimatgemeinschaft (HG) Mediasch eingeladen hatten.

Während das Licht im Saal langsam erlischt und die Wirklichkeit um die Zuschauer herum versinkt, schiebt sich von links ein riesiger roter Jupiter auf die dunkle Leinwand, um gleich mit einer stetigen Drehbewegung in dem Milliarden Sterne umfassenden All zu verschwinden. Kurz leuchtet der Filmtitel auf, gefolgt vom Motto: „Wir sind nicht mehr geneigt, die Grenzen der irdischen Atmosphäre als Grenzen unserer Existenz zu akzeptieren.“ 1932 für einen Beitrag im rumänischen Rundfunk formuliert, wird hier Oberths grundlegende Überzeugung zum Ausdruck gebracht, die ihn schon seit frühen Jugendtagen geleitet hatte.

Ein kurzer Exkurs in die Geschichte des Traums vom Fliegen, in dem der Name des Hermannstädter Ingenieurs Conrad Haas nicht fehlen darf, leitet dreißig spannende Filmminuten ein, die den Zuschauer in einem fulminantem Wirbel von Bildern und Worten hundert Jahre zurück nach Siebenbürgen versetzen. Die fortschrittliche Atmosphäre in Oberths Elternhaus evozierend, wird auch die Prophezeiung Friedrich Krassers aus dem Jahre 1869 nicht vergessen, dass der Mensch in einhundert Jahren den Mond betreten werde. Sie sollte sich – nicht zuletzt durch die Verdienste des eigenen Enkels – beinahe auf den Tag genau erfüllen! Hans Barths akribischen Lebensbeschreibungen des genialen Erfinders folgend, begleitet das Drehbuch ihn durch Hermannstadt und Schäßburg, nach Matura und Kriegsdienst zum Studium nach Budapest, München und Göttingen und über Heidelberg, Klausenburg und Schäßburg schließlich an das Stephan-Ludwig-Roth-Gymnasium in Mediasch. Indem sie historische Fotografien geschickt mit Filmaufnahmen von heute verbinden und Überblend- und Animationstechnik wohl ­dosiert einsetzen, lassen uns die Filmemacher Höhen und Tiefen von Oberths frühen Forscherjahren miterleben.
Die beiden Macher der Oberth-Films: Ştefan ...
Die beiden Macher der Oberth-Films: Ştefan Elefteriu (links) und Nick Langa.
Dazu gehört die Promotionsprüfung in Klausenburg mit dem bahnbrechenden Werk „Die Rakete zu den Planetenräumen“. Die Professoren in Heidelberg wiesen es als „für die Astronomen zu technisch, für die Physiker und Maschinenbauer zu phantastisch und für die Mediziner abseits jeder Realität“ zurück, während ein Professor wie Augustin Maior in Klausenburg Oberths Vision offenbar richtig einschätzte. Bilder aus dem Stummfilm „Die Frau im Mond“ blitzen auf, für den Oberth als technischer Berater wirkte; erwähnt wird auch Adolf Haltrichs parodistische Replik – die „Mediascher Raketenfahrt zum Mond“. Weniger bekannt ist die Audienz beim rumänischen König Carol II., welcher Oberth uneingeschränkte Unterstützung seitens der Mediascher Fliegerschule verschaffte. Auf deren Gelände startete er 1935 eine kleine flüssigkeitsgetriebene Versuchsrakete. Damit endet auch der Streifen: Eine alte Fotografie der Berge am nördlichen Kokelufer liefert die Szenerie, vor der sich eine weiß glänzende Rakete in den Himmel erhebt, den Weg vorwegnehmend, den Oberth mit seinen Erfindungen geebnet hat. Die kleine Animation soll daran erinnern, dass Mediasch einer der ersten Orte weltweit ist, in dem Flüssigraketen gezündet wurden. Bei der Produktion wurden die beiden Dokumentarfilmer von der Heimatgemeinschaft Mediasch e.V. unterstützt. Als Zeichen des Respekts vor der sächsischen Gemeinschaft, welcher Oberth entstammt, wurde bei der Premiere eine Version mit deutschem Text und rumänischen Untertiteln gezeigt, die später käuflich zu erwerben sein wird.

Mit diesem Film schließen Ştefan Elefteriu und Nick Langa ihren Zyklus „Siebenbürgische Geschichten“ („Povestiri transilvane“) ab. In vier Dokumentarfilmen wollen sie etwas über den rumänischen Beitrag zur kulturellen Vielfalt Europas berichten. Sie handeln von Badea ­Cârţan, den wissensdurstigen Bauern aus Kerz (Cârţişoara): „Lumina cunoaşterii“), von der traditionellen Schafweidewirtschaft, als „Transhumanţa“ bekannt („Urmând steaua ciobanului“), vom lustigen Friedhof in Săpânţa („Moartea ca o glumă“) und schließlich von Hermann Oberth, dem Siebenbürger Sachsen, der den Weg für die Reise zu den Sternen frei machte. Bewusst wollen diese Filme dem leider allzu oft vermarkteten „Dracula-Image“ ein geistiges Siebenbürgen entgegensetzen.

Dem Produzenten Ştefan Elefteriu, einem erfahrenen Dokumentarfilmer aus Kunst und Wissenschaft, einem prämierten Künstler des Trickfilms und Komponisten, und dem Drehbuchautor Nick Langa ist mit dem Streifen über Hermann Oberth nicht nur ein bemerkenswerter Film gelungen, sondern auch eine Reverenz gegenüber den Siebenbürger Sachsen, aus deren Mitte der Raumfahrtpionier stammt. Mit diesem Film soll es jedoch nach dem Willen der Produzenten und auch jenem der Heimatgemeinschaft Mediasch nicht getan sein. Geplant ist, der Persönlichkeit und dem Gesamtwerk des Raketenforschers einen abendfüllenden Film zu widmen und darin das Gedankengut des genialen Erfinders mit den Mitteln des klassischen und des modernen Films zu veranschaulichen. Es wird eine Aufgabe der nahen Zukunft sein, entsprechende Unterstützung und Mittel dafür zu finden. Wünschen wir den beiden Produzenten Glück hierbei und hoffen bald auf einen Film über „den ganzen Hermann Oberth“.

Hansotto Drotloff

Schlagwörter: Oberth

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