5. Oktober 2021

Kultur- und Bildungsarbeit, analog und digital

Das Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen war als Teilförderer, vor allem aber auch personell, mit der Leiterin Iris Oberth, an der von Kultur- und Internetreferat des Verbandes erstklassig konzipierten und in der Summe ihrer Ergebnisse sehr erfolgreichen Begegnungsreise zur digitalen Zusammenarbeit beteiligt.
Im anregenden Austausch mit Vertretern von Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden, der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien sowie weiterer zivilgesellschaftlicher Initiativen wurden aktuelle und angedachte Projekte vorgestellt sowie Möglichkeiten einer künftig noch engeren Kooperation ausgelotet und teils auch bereits konkret geplant. Dank des unermüdlichen Einsatzes der Vertreter der SJD, Natalie Bertleff, Bernd Breit und Patrick Krestel, sowie von Hermann Depner und Günther Melzer wurden die Highlights vor Ort bestens filmisch und für die Sozialen Medien dokumentiert. Die mitgereisten Vertreter von Radio Siebenbürgen, der Vorsitzende Jürgen Schnabel sowie Vorstandsmitglied Angelika Schnabel, führten Interviews und bemühten sich um Kooperationen für ein Radio-Schulprojekt. Im Folgenden sollen einige der Arbeitstreffen, Gesprächspartner und Institutionen vorgestellt werden.

Den Auftakt bildete das Treffen mit Beatrice Ungar, Chefredakteurin der Hermannstädter Zeitung (HZ). Bereits seit 1995 besitzt das Wochenblatt einen Internetauftritt, www.hermannstaedter.ro. Mit diesem Weitblick lag die HZ noch lange vor so mancher der großen deutschsprachigen Zeitung, wie beispielsweise der FAZ. Dieser Service für die sich nun größtenteils im Ausland befindliche Leserschaft wird rege genutzt, mit rund 10 000 Klicks pro Woche. Zudem gibt es tagesaktuelle Informationen auch auf der Facebook-Seite der HZ: www.facebook.com/HermannstadterZeitung/. Betreut werden die digitalen Auftritte von den nur mehr vier Redakteuren der Zeitung. Beachtlich ist auch die konstante Auflage von 2 000 Stück pro Ausgabe, bei 1 500 Abonnements, die es als Print- oder Digitalausgabe gibt. Wichtig ist den Machern dabei, dass die Berichte aus erster Hand sind, dass jeweils eine Redakteurin vor Ort ist bei Ereignissen und Veranstaltungen, über die die Zeitung informiert.
Auch bei Gesprächen über digitale Zusammenarbeit ...
Auch bei Gesprächen über digitale Zusammenarbeit sind persönliche Treffen wie hier im Spiegelsaal des Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt wichtig. Foto: Günther Melzer
Neben der Printausgabe ebenfalls digital gut aufgestellt ist die Karpatenrundschau (KR), die in Kronstadt als Wochenschrift in der Tageszeitung Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) erscheint: adz.ro/karpatenrundschau. Wie Chefredakteurin Elise Wilk im Arbeitsgespräch ausführte, ist es ihr und ihrem jungen Team dabei besonders wichtig, den Fokus der Berichterstattung neben den Kernthemen zur deutschsprachigen Minderheit in Rumänien auch auf weitere gesellschaftlich, politisch und kulturell relevante Themen auszudehnen. Zudem haben die Redaktionen von ADZ und KR auch eine große Leserumfrage gestartet, um herauszufinden: „Für wen schreiben wir eigentlich?“. Unter anderem online, z. B. auf der Facebook-Seite der ADZ (adz.ro/artikel/artikel/grosse-adz-leserumfrage) gehen sie Fragen nach wie: „Gibt es hier und dort Bedarf, etwas zu verändern? Was wünschen sich unsere Leserinnen und Leser heute?“ Das Ergebnis bleibt mit Spannung abzuwarten. Alle drei deutschsprachigen Zeitungen in Siebenbürgen eint ferner, dass sie jeweils über ein umfassendes, historisch bedeutsames Archiv an früheren Ausgaben (auch der Vorgänger-Zeitungen) und Bildern verfügen, das es zu digitalisieren gilt. Mammutprojekte, für die es neben technischer Infrastruktur vor allem Zeit und Arbeitskräfte bedarf. Bei dem Treffen mit den Vertretern des Siebenbürgenforums in Hermannstadt, dem Vorsitzenden Martin Bottesch sowie dem Geschäftsführer Winfried Ziegler, der Kulturreferentin des Landesforums Doris Köber und Aurelia Brecht, ifa-Kulturmanagerin in Hermannstadt, waren vor allem die von einem beträchtlichen Digitalisierungsschub begleitete Arbeit des Forums Thema sowie konkrete Planungen für eine enger vernetzte Zusammenarbeit in diesem Bereich zwischen dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und dem Forum, insbesondere mit Blick auf den Kultursommer 2022 und das Große Sachsentreffen 2024. Ferner wurde auch über die Hoffnung gesprochen, in der deutschen wie in der rumänischen Bevölkerung noch mehr Engagement für siebenbürgisch-sächsische Kulturgüter zu schaffen, und die Bemühungen des Forums in diese Richtung. Ein akutes Thema, dessen sich das Forum tatkräftig und teils auf eigene Kosten annimmt, ist die dringend benötigte Übersetzung der rumänischen Schulbücher ins Deutsche. Mit Dr. Renate Klein hat das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien hierfür auch eine eigene Schulbuchbeauftragte zur Koordination und Überprüfung der Übersetzungen. Das Fehlen deutschsprachiger Lehrmittel treibt, zusammen mit dem Mangel an deutschsprachigen Lehrkräften, auch das Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium und das Deutsche Lyzeum Mühlbach um. Bei dem Besuch in der prächtigen Aula des Brukenthal-Gymnasiums wurde im Gespräch mit Schulleiterin Monika Hay deutlich, dass die Schule ein ungebrochen hohes Renommee insbesondere auch bei der rumänischen Mehrheitsbevölkerung genießt: Im aktuellen Schuljahr verzeichnet das Gymnasium einen Schülerrekord (an mehrheitlich als Muttersprache Rumänisch sprechenden) Schülern von 917 in 32 Klassenverbänden. Unterrichtet wird somit, aufgrund inzwischen räumlicher Beengtheit, in einer Vormittags- und einer Nachmittagsschicht. Dass sämtliche zu meisternde Herausforderungen dem gleichbleibend hohen Niveau der Lehre nichts anhaben können, zeigt das konstant sehr gute Abschneiden der Brukenthal-Schüler beim Abitur sowie bei landesweiten Wettbewerben. Eine weitere, den guten Geist dieser außergewöhnlichen Schule ausmachende Tradition hat sich ebenfalls bewahrt: Das große Engagement seitens der Lehrer- wie auch der Schülerschaft in Aktivitäten außerhalb des Unterrichts, die maßgeblich zur Persönlichkeitsbildung beitragen. Angesprochen auf die schwierige Situation während des Corona-Lockdown konnte Schulleiterin Hay ebenfalls berichten, dass es mit vereinten Kräften auch innerhalb kürzester Zeit gelang, einen gut funktionierenden online und digitalen Unterricht aufzubauen.

Getragen von einem hohem Maß an Idealismus, Einsatz und Kreativität der Leitung wie auch des Lehrkörpers ist das Deutsche Lyzeum Mühlbach, das ebenfalls einen wachsenden Zustrom an Schülerinnen und Schülern verzeichnet. Schulleiterin Verona Onofrei berichtet von dem erfolgreichen Step-by-step-Programm, in dem die Schüler inzwischen bis 16 Uhr in der Schule betreut werden. Außercurriculare Aktivitäten spielen auch am Lyzeum Mühlbach eine große Rolle. Neben einer Tanzgruppe und einer Jungen- sowie Mädchen-Fußballmannschaft erfreut sich vor allem auch die Theater-AG großer Beliebtheit. Unter Leitung von Deutschlehrerin Delia Raulea entstehen tolle Theaterprojekte wie die Kooperation und gemeinsame Aufführung eines modernen Stücks über Vlad Ţepeş und Friedrich den Großen mit einer Partnerschule in Wittstock (Brandenburg). Im Anschluss an den Besuch der Schule folgte ein Rundgang durch die Stadt sowie eine Führung durch die ebenso bedeutende wie schöne Kirche in Mühlbach mit Stadtpfarrer Alfred Dahinten.

Besonders beeindruckt war die Delegation auch von dem Besuch im Teutsch-Haus, dem (mit einem hübschen Café samt Buchladen einladenden) Begegnungs- und Kulturzentrum der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, in Hermannstadt. Mit viel Elan berichtete dessen Leiterin Dr. Gerhild Rudolf über die zahlreichen Veranstaltungen zu Kunst und Kultur, gesellschaftspolitische Themen und Bildung. Auch finden regelmäßig Ausstellungen von Kunstschaffenden statt. Aktuell sind die Arbeiten von Peter Jacobi zu „Brukenthal 300 – Ideen für ein Denkmal. Collagen und Modelle“ zu sehen. Link zum Video Dagmar Seck, Bundeskulturreferentin des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland interviewt Dr. Gerhild Rudolf, Leiterin des Begegnungs- und Kulturzentrums Friedrich Teutsch der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Video: Günther Melzer Neben dem Archiv und der Bibliothek der Landeskirche ist vor allem das Landeskirchliche Museum absolut sehenswert. Auf 500 Quadratmetern bietet es einen chronologischen Rundgang durch die Geschichte der deutschen Minderheit in Siebenbürgen sowie durch die Geschichte der evangelischen Kirche in ganz Rumänien. Bei dem Rundgang mit Museumleiterin Heidrun König gab es viel zu lernen.

Sehr konstruktiv verliefen auch die Treffen mit Ruth István von der Stiftung Kirchenburgen sowie Stefan Bichler, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Die Referentin für Fachtourismus und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stiftung Kirchenburgen stellte einige Projekte vor, hier liegt ein großer Fokus auf der Kinder- und Jugendarbeit. Ein besonderes Projekt startete am Montag, den 13. September: Junge Freiwillige aus dem „European Heritage Volunteers“-Programm – Studierende insbesondere aus den Bereichen Restauration und Architektur sowie Fachkräfte aus dem Handwerk, aus acht verschiedenen Ländern – haben zwei Wochen lang gemeinsam an der Anlage der Kirchenburg in Holzmengen gearbeitet. Der Besuch vor Ort war überaus eindrucksvoll und inspirierend. Stefan Bichler führte in die Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche ein und berichtete über das mannigfaltige seelsorgerische Angebot während der Lockdowns sowie die Lerneffekte daraus.

Ein weiterer Höhepunkt der Reise war der Besuch der Schwarzen Kirche in Kronstadt. Neben der ebenso lebendig-unterhaltsamen wie informativen Führung durch den Leiter des Bereichs Schwarze Kirche der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt, Dr. Frank-Thomas Ziegler, war es vor allem auch die Orgelführung von Organist Dr. Steffen Schlandt, die dies zu einem einmaligen Erlebnis machte. Sehr beeindruckt zeigten sich Delegationsteilnehmer zudem über das hochprofessionelle und mit Weitblick durchdachte Gesamtkonzept zu Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Schwarzen Kirche und der Honterusgemeinde.

Der Aufenthalt in der Stadt unter der Zinne bot nicht zuletzt eine gute Gelegenheit, die neue Vorsitzende des Kronstädter Ortsforums, Olivia Grigoriu, und ein weiteres Vorstandsmitglied, Uwe Leonhardt, kennenzulernen. Neben der digitalen Zusammenarbeit und dem auch hier vorherrschenden Mangel an deutschsprachigen Lehrkräften waren es vor allem die Jugendarbeit und der Jugendaustausch, die die Runde bewegten und unterschiedlichste Kooperationsmöglichkeiten ins Auge fassen ließen. Sehr professionell und trotzdem mit viel Spaß verbunden war das Arbeitstreffen in den an Erfindergeist und charmanten Kuriositäten wohl kaum zu überbietenden Studios von Eduard Schneider (schneider productions), in denen – auch mit tatkräftiger Unterstützung der Jugendtanzgruppe Mühlbach unter Leitung von Anamaria Dahinten – ein Clip gedreht wurde. Link zum Video Diana Barb spielt im Studio von Edi Schneider in Mühlbach, der Geburtsstadt von Carl Filtsch, ein Stück des "Wunderknaben aus Mühlbach", wie er auch seinerzeit genannt wurde. Video: Hermann Depner In aller Kürze sollen noch einige außergewöhnliche und engagierte Projekte vorgestellt werden: Überaus sehenswert ist das Handwerksmuseum „Bei meinen Nachbarn in Großpold“, das auf vorbildliche Weise die Geschichte des Ortes, seiner Bewohner, des Handwerks, der Sitten und Gebräuche lebendig werden lässt. Ebenso laden das idyllisch gelegene Interethnische Museum des Harbachtals von Stefan Vaida in Alzen sowie die große Gastfreundschaft des Pfarrers Uwe Seidner und die Schönheit der Landschaft in die Kirchenburg Wolkendorf ein. Zwei lohnenswerte Geheimtipps sind die durch den Einsatz von Burghüterin Dr. Carmen Schuster restaurierte Kirchenburg Kleinschenk, die – zusammen mit der renovierten Schule – als ebenso lebendiges wie anspruchsvolles Kunst- und Begegnungszentrum fungiert, sowie die Stadtführung und individuellen Reiseerlebnisse mit Cătălin und Diana Mureşan von „Siebenbürgen Reisen“. Eine Fahrt mit der dank der Initiative des Vereins „Freunde der Wusch“ teilweise wieder ertüchtigten Schmalspurbahn ist ebenfalls ein Erlebnis, das man nicht alle Tage hat.

Unser herzlicher Dank gilt allen unseren Ansprechpartnern und Gastgebern vor Ort für den freundlichen Empfang und die konstruktiven Treffen – auf dass sie langfristig viele Früchte tragen.

Dr. Iris Oberth

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Schlagwörter: Reise, Siebenbürgen, Verband, Medien, Webmaster, Bundeskulturreferat, Kulturwerk, Oberth, Hermannstadt, Kronstadt, Siebenbürgenforum, Wusch, ADZ, Karpatenrundschau, HZ, AK Internet, Kooperation, Siebenbuerger.de

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