6. Februar 2012

Vorbildliche Dokumentation siebenbürgisch-sächsischer Existenz

Wieder macht die rumänische nichtstaatliche Organisation Mioritics (Webseite: www.mioritics.ro) mit zwei lobenswerten Leistungen mit Bezug zum sächsischen Kulturerbe in Siebenbürgen auf sich aufmerksam.
Es ist dies zum einen die zweite Ausgabe des Bildbandes „Verborgene Schätze in Siebenbürgen – die sächsischen Kirchenburgen“, erschienen im September 2011 in ­Bukarest (128 Seiten, Format 28x21 cm, zweisprachig englisch und deutsch, ISBN: 978-606-8320-02-1). Diese mit 32 Seiten ergänzte Ausgabe präsentiert sich nicht so monumental wie die erste Ausgabe von 2008 (33x23 cm, gebunden), bringt aber dieselben hervorragenden Bilder.

Sie zeigen beeindruckende Zeugnisse siebenbürgisch-sächsischer Leistungen im Laufe ihrer mehrere Jahrhunderte währenden Existenz im Karpatenbogen. Der Band ist textlich knapp ausgestattet: Eine Einführung gibt Aufschluss über die Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen, Zweck und Entwicklung der Kirchenburgen sowie die Gründe der Aussiedlung.

Danach werden auf je zwei Seiten pro Ortschaft stimmungsvolle Bilder mit repräsentativen Bauten – überwiegend Kirchenburgen – von 55 Ortschaften aus der Umgebung der Städte Hermanstadt, Kronstadt, Mediasch und Schäßburg gebracht. Neben großformatigen Bilder der Kirchenburgen finden sich auch kleinere „Momentaufnahmen“ des Alltags. Die Namen der Ortschaften werden rumänisch und deutsch angegeben. Die Aufmachung des Bandes – von der Qualität des Papiers über die der Bilder und des Druckes – ist von hohem Niveau. Dieser Bildband vermittelt dem Betrachter einen Eindruck von der außerordentlichen Leistung und Rolle der Siebenbürger Sachsen in diesem Teil Europas und weckt Neugier auf diese einmalige Landschaft.

"Johann Schaas: Mein Dorf, meine Kirche und meine Geschichten"

Die zweite Publikation, der ca. 55 Minuten dauernde Film „Johann Schaas: Mein Dorf, meine Kirche und meine Geschichten“, bietet auf DVD in vorbildlicher Weise erzählte Geschichte.

In der sächsischen Mundart des Ortes sowie in einem überraschend reinem Hochdeutsch und einigen rumänischen Sätzen erzählt einer der letzten Sachsen aus Reichesdorf die Geschichte seines Volkes, seines Heimatortes, „seiner“ Kirche. Die frei gesprochene Darbietung vermittelt – illustriert mit Aufnahmen – ein lebendiges Bild vom Leben in dieser ehemals rein sächsischen Ortschaft. Man erfährt manch Interessantes über den Bau der Kirche, über den Weinbau in dieser Gegend, die Eigenarten der Reichesdorfer, die Nachbarschaften, Sitten und Bräuche in dieser einst so stolzen Gemeinde. Der Film endet mit Schaas’ Fabel zur Auswanderung der Siebenbürger Sachsen.

Der Film ist in sechs wählbaren Sprachen (Rumänisch, Ungarisch, Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch) untertitelt. In der deutschen Fassung sind die Passagen, die in sächsischer Mundart und rumänischer Sprache erzählt werden, deutsch untertitelt. Diese Filmdiskette, abspielbar auf jedem DVD-Player, ist nicht nur für Reichesdorfer gedacht! Dieser Film macht den Anfang einer geplanten Reihe, in der Sitten, Bräuche, Rezepte und Geschichten eines im Verschwinden begriffenen Lebens dokumentiert werden sollen. Über 300 Stunden Aufnahmen sind schon im Kasten. In Rumänien sind das Buch und der Film in den Cărtureşti-Buchhandlungen und in der Schiller-Buchhandlung in Hermannstadt erhältlich.

Auf der 16. Tagung des HOG-Verbandes vom 14. bis 16. Oktober 2011 erklärte Horst Göbbel, dass viele Siebenbürger Sachsen ihr Verhältnis zu „den Rumänen“ bezüglich des Kulturerbes in Siebenbürgen überdenken müssten. Dazu gehören auch die Mioritics, die sich für den Erhalt unseres kulturellen Erbes in Siebenbürgen einbringen.

MK

Interessenten können das Buch zum Preis von 15 Euro und die Filmdiskette für 13 Euro zzgl. Versand über Manfred Kravatzky, Gartenstraße 16, 79353 Bahlingen a.K., Telefon: (0 76 63) 45 62, E-Mail: mckrav [ät] t-online.de beziehen.

Schlagwörter: DVD, Bildband, Dokumentationen

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Neueste Kommentare

  • 07.02.2012, 22:23 Uhr von schully: Meistererzähler, o.k. Aber "... einer der letzten Sachsen aus Reichesdorf erzählt die Geschichte ... [weiter]
  • 07.02.2012, 15:11 Uhr von Gabbi: wir hatten das Glueck, Herrn Schaas im Juli in voller Aktion zu erleben. Ein Meistererzaehler,der ... [weiter]

Artikel wurde 2 mal kommentiert.

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