12. August 2012

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Vom Sockel geholt/Ein Besuch am Grab von Johann Michael Ackner

Am 12. August jährt sich der 150. Todestag des bekannten Gelehrten, Gymnasiallehrers und Pfarrers Johann Michael Ackner (1782-1862), einem auch international anerkannten Wegbereiter der modernen Archäologie und der Naturwissenschaften in Siebenbürgen. Ein Besuch auf dem Friedhof in Hammersdorf im Juni dieses Jahres endete mit einer unerfreulichen Entdeckung: die Büste von seinem Grabmal ist verschwunden – und das bereits seit Jahren.
Die Stille am „Ort der Ruhe“ in Hammersdorf wäre an diesem Freitagmorgen eine vollkommene, würde sie nicht immer mal wieder von kartoffeljätenden Bauern in den Nachbargärten unterbrochen. Trotz des frühen Vormittags macht sich bereits eine drückende Hitze über den teils zubetonierten Gräbern des Dorffriedhofs breit. Jetzt stehe ich vor dem Grab Johann Michael Ackners, über das eine Föhre schützend ihre Zweige ausbreitet. Es war nicht schwer zu finden, überragt es doch die anderen Gräber um einiges. Leider sind die Inschriften des von Efeu umwucherten Grabmals weitgehend zugewachsen. Was mich freilich mehr grämt, ist, dass die Büste darauf verschwunden ist.

Das gelungenste Porträt von Johann M. Ackner in ...Das gelungenste Porträt von Johann M. Ackner in geistlichem Ornat erschien als lithographische Beilage in Benigni’s Volkskalender von 1858. Den Atelierrequisiten nach zu urteilen, geht es auf eine Aufnahme des Hermannstädter Fotopioniers Hermann Büchner von Anfang der 1850er Jahre zurück (Sammlung des Verfassers). Zunächst mal eine grundsätzliche Frage. Handelt es sich bei dem Grabdenkmal aus schwarzem Marmor überhaupt um einen Grabstein? Hellmut Klima, der auch kunsthistorisch beschlagene Heimatforscher, notierte zu dem 1974 in Lokalaugenschein genommenen Grab von Ackner: „Auf dem evang. Friedhof in Hammersdorf steht vor dem Grab ein Gedenkstein, auf dem eine Büste aufgestellt ist.“ Dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Grabstein (der offensichtlich nicht mehr erhalten ist), sondern um ein aufwändiges Grabdenkmal handelt, legt auch die Inschrift nahe: „MICHAEL J. ACKNER KAISERL. RATH UND EV. PFARRER A. C. IN HAMMERSDORF GEBOREN ZU SCHÄSSBURG DEN 25. JÄNNER 1782 GEST. ZU HERMANNSTADT DEN 12. AUGUST 1862 – DEM ANDENKEN DES VERKLÄRTEN GATTEN & VATERS GEWEIHT VON SEINER GATTIN, SEINEN SÖHNEN & TÖCHTERN 1863. J. COSTANDE fe[cit]“ (restliche Buchstaben beschädigt).

Dazu gleich eine Richtigstellung: Johann Michael Ackner, der in der Nacht vom 12. zum 13. August 1862 einem siebenwöchigen schweren Unterleibsleiden erlag, starb in Hammersdorf, wie aus den alten Familienbögen des Stadtpfarramtes Hermannstadt hervorgeht (freundliche Mitteilung des bekannten Genealogen Richard Ackner, einem Ururenkel des berühmten Vorfahren; Richard und Hermann – von dem die nebenstehende Aufnahme stammt –, sind übrigens die Söhne des Hermannstädter Stadtpredigers Hans Ackner, der mit seiner Familie seit Ende 1944 auf dem Gebiet der späteren DDR lebte).Ein stimmungsvoller Ort der Ruhe: der ...Ein stimmungsvoller Ort der Ruhe: der Hammersdorfer Friedhof mit dem Grabmal Ackners; hinten die Kirchenburg. Foto: der Verfasser Doch Ackners Grabmal, das auf der Liste der schützenswerten Geschichtsdenkmäler (Lista monumentelor istorice) des Kreises Hermannstadt steht, ist auch in anderer Hinsicht ungewöhnlich, und zwar wegen seiner mittlerweile verschwundenen Porträtbüste. Zweifellos wurde sie zusammen mit dem klassizistischen „Unterbau“ vom gleichen Ioan Costande (geb. um 1814 in Rahău b. Mühlbach, gest. 1879 Hermannstadt) gefertigt, auch wenn ein gewisses Missverhältnis zwischen der Büste und dem wuchtigen Sockel nicht zu übersehen ist. Soweit mir bekannt ist, blieb das Grabmal das einzige seiner Art im Schaffen Costandes, der sonst nur als Zeichner und Lithograph mit einigen Porträts hervortrat (A. Iancu, General Lüders, Horia und Crişan, Gh. Bariţiu) und damit „der einzig bekannte rumänische Lithograph“ (J. Bielz) seiner Zeit war. Costande, in Wien neben seinem Kunststudium auch bautechnisch und handwerklich geschult und seit 1838 Zeichenlehrer an der Theresianischen Normalschule in Hermannstadt, schaffte es sogar mal mit einer wohlgelungenen Zeichnung des orthodoxen Bischofs Basilius/Vasile Moga anlässlich dessen Ablebens (1845) in die renommierte Leipziger Illustrirte Zeitung – wohl durch Vermittlung seines Hermannstädter Berufskollegen Theodor Glatz, der damals ebenfalls ‚Siebenbürgisches‘ für dieses Blatt zeichnete.

Als diese Aufnahme Mitte der 1980er Jahre ...Als diese Aufnahme Mitte der 1980er Jahre entstand, befand sich die Porträtbüste Ackners noch auf dem Grabmal. Foto: Hermann Ackner Wie mir Herr Schuster, der Hammersdorfer Kirchendiener, erzählte, wurde Ackners Grabbüste in den letzten Jahren gleich zweimal gestohlen. Beim ersten Mal noch vor 1989, doch wurde damals der Kopf bald wieder auf dem Friedhofsmüll gefunden, das zweite Mal vor etwa zehn Jahren – diesmal freilich blieb die Plastik verschwunden. War der Ackner-Kopf doch noch Buntmetalldieben zum Opfer gefallen? Schuster zufolge sei die Plastik aus Stein gewesen, aber mit Goldbronze gestrichen worden. Dem widerspricht die „offizielle“ Version, derzufolge die Plastik aus Bronze sei. Wie auch immer: Alles, was heute – auch in Deutschland – nach Kupfer & Co. aussieht, ist vor den Beutezügen der Metalldiebe nicht mehr sicher, wie auch der dreiste Raub des Bronzereliefs des Honterusstandbildes in Kronstadt zeigt. Da sollten die Hermannstädter sich glücklich schätzen, dass noch in den 1970er Jahren ausgerechnet ein paar Schuljungen den gloriosen Einfall hatten, die Schillerbüste in der Ecknische des Christlichen Hospizes Ecke Wiesengasse/Schillerplatz mit schwarzer Ölfarbe aufzuhübschen; was zwar potthässlich aussah, dem Dichterkopf des Wiener Bildhauers Theodor Khuen aber wahrscheinlich ein Ende im Schmelzofen ersparte (vgl. hierzu auch Manfred Wittstocks Artikel in der Hermannstädter Zeitung von 6. Mai 2005).

Keine Sorgen muss man sich hingegen um die bronzene große Glocke vom Hammersdorfer Kirchturm machen. Laut Widmungsinschrift wurde sie 1835 in Hermannstadt gegossen und im gleichen Jahr von Johann Michael Ackner geweiht. Die beiden Weltkriege hat sie unversehrt überstanden und den „Weltuntergang“ von 2012 wird sie mit Sicherheit auch noch überleben.

Konrad Klein

Schlagwörter: Porträt, Pfarrer, Hammersdorf, Naturwissenschaften

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