20. März 2014

Ein Rundgang durch Deutsch-Kreuz

Deutsch-Kreuz, ein Ort unweit von Reps und Heimat bekannter Siebenbürger Sachsen wie Michael Schmidt, ein Förderer der siebenbürgisch-sächsischen Kultur. Aber auch Heimat von Bettina Mai (27). Im Alter von fünf Jahren verließ sie gemeinsam mit ihren Eltern Deutsch-Kreuz und ging nach Deutschland. Zurzeit absolviert sie ein Studium in Europäischer Ethnologie und Rumänisch im Nebenfach. Die Faszination für die Kultur und Geschichte der Siebenbürger Sachsen begleitet sie fortan und findet ihren Niederschlag in einer anschaulichen und informativen Broschüre, die sie über ihr Heimatdorf Deutsch-Kreuz geschrieben hat.
Der Autorin gelingt es, durch die gut recherchierte Geschichte und die zauberhaften Fotos von Anselm Roth Deutsch-Kreuz vor dem inneren Auge des Lesers Wirklichkeit werden zu lassen. Man taucht in ein Dorf ein, dessen Geschichte sicherlich nicht ein Novum darstellt, doch gerade durch deren Einfachheit wird sie lebendig und vergleichbar. Bettina Mai schlägt einen spannenden Bogen von der Geschichte des Dorfes zu den Lebensweisen der Siebenbürger Sachsen. Mit Details und Einzelheiten zum Dorf half ihr Sofia Folberth aus, „Fichentante“, wie die Deutschkreuzer sie nennen.

Ausführlich berichtet Bettina Mai über die Nachbarschaften und deren Aufgaben. Die Statuten der Deutsch-Kreuzer Nachbarschaft stammen aus dem Jahr 1615 und fanden, mit kleineren Änderungen, Anwendung bis zum großen Exodus 1990. Diese Nachbarschaften achteten nicht nur auf die Einhaltung des Regelwerks, der Moral und Sitte, sondern kümmerten sich auch um die Dorfbewohner, die durch Krankheit und Alter selbst dazu nicht mehr in der Lage waren. Durch die detailreiche Schilderung des Nachbarschaftsprinzips ist der Sinn für die Gemeinschaftlichkeit der Siebenbürger Sachsen spürbar.

Neben der Ortsgeschichte von Deutsch-Kreuz beleuchtet Bettina Mai auch architektonische Bauwerke, darunter das Pfarrhaus. Gerade die Vorgänge rund um das Pfarrhaus von Deutsch-Kreuz dürften nicht unbekannt sein. Nachdem in den 1990er Jahren der letzte Pfarrer nach Deutschland ausgereist war, stand das Gebäude die meiste Zeit leer. 2011 kaufte es die Michael-Schmidt-Stiftung mit dem Ziel, das Haus zu renovieren und zu einem Gäste- und Begegnungshaus umzubauen. 2012 stürzte das Pfarrhaus teilweise ein und konnte durch die große Einsturzgefahr nicht mehr weiter umgebaut werden. Einige warfen nun der Stiftung vor, den Einsturz absichtlich herbeigeführt zu haben. Die Stiftung verpflichtete sich, das Pfarrhaus originalgetreu, unter Verwendung möglichst vieler Originalbaustoffe und in traditioneller Bauweise wieder zu errichten. Laut Aussage der Stiftung soll noch in diesem Jahr die Wiedereröffnung des Pfarrhauses als Begegnungsstätte stattfinden.

1930 lebten noch 642 Siebenbürger Sachsen in Deutsch-Kreuz. Heute gibt es in etwa 645 Einwohner, nur fünf davon sind Deutsche. Ihnen und allen vorangegangenen Familien setzt Bettina Mai mit ihrer Broschüre ein kleines Denkmal gegen das Vergessen.

SH




Bettina Mai, Anselm Roth: „Deutsch-Kreuz, Criț, Szászkeresztúr“, Verlag Schiller Verlag und Michael-Schmidt-Stiftung, Hermannstadt-Bonn 2013, 28 Seiten, ISBN 978-3-944529-27-1, erhältlich zum Preis von 5 Euro, zuzüglich Versandkosten, bei der Michael-Schmidt-Stiftung, München, E-Mail: michael-schmidt-stiftung [ät] t-online.de, Telefon: (089) 705004, und im deutschen Buchhandel.

Schlagwörter: Deutsch-Kreuz, Rezension

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