25. September 2014

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Schulmann, Pfarrer und Botaniker Michael Fuss wurde vor 200 Jahren in Hermannstadt geboren

An seinem 200. Geburtstag gedenken wir Michael Fuss als einem der namhaften siebenbürgischen Naturforscher, der 1849 zu den Gründungsmitgliedern des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt gehörte. Als bedeutender Botaniker des 19. Jahrhunderts veröffentlichte er 1866 die erste Exkursionsflora Siebenbürgens. Als hervorragender Lehrer verfasste er zwei Lehrbücher zur Förderung des Naturkundeunterrichts an den siebenbürgischen Gymnasien. Nicht minder beachtenswert sind seine Verdienste auf kirchlichem Gebiet.
Michael Fuss wurde am 5. Oktober 1814 in Hermannstadt als der erste Sohn des Gymnasiallehrers Christian Fuss geboren. Nachdem er 1832 hier das Brukenthal-Gymnasium absolvierte, studierte er in Wien an der k. k. Protestantisch-Theologischen Lehranstalt Theologie und Philosophie, weil der Besuch deutscher Universitäten damals von der österreichischen Regierung sehr erschwert wurde. Neben seiner theologischen Ausbildung erwarb er sich in Wien auch gründliche philologische und vor allem naturwissenschaftliche Kenntnisse. Für den Lehrerberuf bestens vorbereitet, kehrte er 1834 nach Großscheuern zurück, wo sein Vater zu jener Zeit Pfarrer war. Hier übernahm er bald danach das Rektorat an der Volksschule dieser Gemeinde. Schon hier begann er sich intensiv der botanischen Erforschung Siebenbürgens zu widmen.

1837 wurde Fuss als Lehrer an das Brukenthal-Gymnasium berufen, an dem er alte Sprachen und Naturwissenschaften mit viel Erfolg unterrichtete. Zur Förderung seines Unterrichts verfasste er 1840 ein Lehrbuch für Botanik und 1845 eines für den Zoologieunterricht. 1854 wurde er hier zum Konrektor ernannt und beendete 1861 sein verdienstvolles Wirken an dieser Schule, nachdem er als Pfarrer nach Gierelsau gewählt worden war. Fuss wurde 1865 Mitglied des Landeskonsistoriums und 1870 zum Superintendentialvikar gewählt. 1878 erfolgte seine Wahl als Pfarrer nach Großscheuern, wo er am 17. April 1883 unerwartet an einer Lungenentzündung starb. Michael Fuss (1816-1883). Archiv H. Heltmann ...Michael Fuss (1816-1883). Archiv H. Heltmann Fuss hat als Wissenschaftler im Vereinsleben Siebenbürgens eine wichtige Rolle gespielt: zunächst im Verein für Siebenbürgische Landeskunde, in dem er als Ausschussmitglied in der Vereinsleitung tätig war; dann ab 1849 als gründendes und aktives Mitglied in der Leitung des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt, dessen Aufgabe und Ziel die naturwissenschaftliche Erforschung Siebenbürgens war. Für die botanische Erschließung Siebenbürgens hatte der Schäßburger Arzt und Botaniker J. Chr. Gottlob Baumgarten mit seiner dreibändigen „Enumeratio stirpium magno Transsilvaniae principatui indigenarum ...“ (Wien 1816), die Grundlage gelegt. Dieses Werk musste nun vervollständigt werden. Zunächst aber widmete sich Fuss der Herausgabe des vierten unveröffentlicht gebliebenen Bandes der Flora von Baumgarten, mit der ihn 1844 der Landeskunde-Verein beauftragt hatte. Diesem Band, in dem Fuss die Baumgarten bekannten Cryptogamen Pflanzenarten Siebenbürgens veröffentlicht, fügte Fuss auch ein Namensregister für alle vier Bände (lateinisch, deutsch, ungarisch) und eine die ersten drei Bände Baumgartens ergänzende Pflanzenliste (Mantissa) für Siebenbürgen hinzu. Erst bei der Erstellung des IV. Bandes wurde ihm klar, wie wenig man zu jener Zeit über die Cryptogamenflora Siebenbürgens wusste.

Als ersten eigenen Beitrag zur Flora Siebenbürgens veröffentlichte Fuss 1845 im Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde ein „Verzeichnis derjenigen Pflanzen, welche entweder ausschließlich oder doch hauptsächlich in Siebenbürgen wildwachsend angetroffen werden“, in dem er 319 Pflanzenarten aufführt. 1848 erschien von ihm in der gleichen Zeitschrift eine „Alphabetische Zusammenstellung der sächsischen, ungarischen, walachischen und deutschen Trivialnamen in Siebenbürgen wildwachsender oder allgemein kultivierter Pflanzen“. 1850 entdeckte er während einer Besteigung der Zinne bei Kronstadt eine neue Leberblümchenart, die er als Hepatica transsilvanica Fuss beschrieb. 1854 erschien im Programm des Brukenthal-Gymnasiums sein „Bericht über den Stand der Kenntnis der Phane­rogamen-Flora Siebenbürgens mit dem Schlusse des Jahres 1853“. In dieser Arbeit sind alle seit 1816 entdeckten Pflanzenarten angeführt. Schon in dieser Zeit begann sich Fuss auch der wenig bekannten Cryptogamen-Flora verstärkt zu widmen. Durch die rege Sammeltätigkeit einheimischer und ausländischer Botaniker wuchs das Wissen um die Pflanzenwelt Siebenbürgens beständig. Immer notwendiger wurde somit die Herausgabe einer neuen, zeitgemäßen Flora von Siebenbürgen. Diese Neufassung der inzwischen vorliegenden botanischen Forschungsergebnisse verwirklichte Fuss in seiner „Flora Trassilvaniae excursoria“, die als sein Hauptwerk im Sommer 1866 in Hermannstadt erschien. Auf 864 Seiten sind 3408 Blütenpflanzen und 89 Gefäßkryptogamen angeführt. Genaue Standort- und pflanzengeographische Angaben erhöhen den Wert dieser Arbeit, die in lateinischer Sprache abgefasst ist. Als weitere wichtige Arbeit von Fuss muss auch sein „Herbarium Normale Florae Transsilvaniae“ erwähnt werden. Diese Pflanzensammlung sollte alle Pflanzenarten Siebenbürgens enthalten und in Zenturien von je 100 Arten an große Herbarien Europas als Belegherbar der Flora Siebenbürgens verschickt werden. Leider sind von 1862-1872 nur elf Zenturien mit 1100 Pflanzenarten erschienen und abgeschickt worden. Weitere fünf fertige Zenturien gingen bei einem Brand zugrunde. Durch seinen frühen Tod blieb diese Florenwerk unabgeschlossen. In seiner letzten großen Arbeit, „Systematische Aufzählung der in Siebenbürgen angegebenen Cryptogamen“, hat er alle bis 1877 bekannt gewordenen Arten dieser Pflanzengruppe zusammengefasst. Insgesamt hat Fuss 26 Arbeiten veröffentlicht. Beachtenswert ist auch seine botanische Sammeltätig­keit. Allein sein „Herbarium universale“, das er vor allem durch die Tauschbeziehungen mit Botanikern aus der ganzen Welt zusammengestellt hat, umfasst 29000 Spannbogen. Es befindet sich im Naturwissenschaftlichen Museum in Hermannstadt.

Michael Fuss war außer den erwähnten siebenbürgischen Vereinen auch Mitglied der k.k. Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien und Ehrenmitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins Polichia in Dürkheim. Einige Pflanzenarten, die nach ihm benannt wurden (Ustilago fussii Nisl und Allium paniculatum ssp. fussii [Kerner]), erinnern auch heute an seine außergewöhnlichen Leistungen als Botaniker.

Dr. Heinz Heltmann

Schlagwörter: Wissenschaftler, Lehrer, Pfarrer, Jubilar

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