22. Juli 2017

George Guţu wird Ehrenmitglied der Goethe-Gesellschaft

Als der Münchner „Fachdienst Germanistik“ vor einiger Zeit „die erstaunliche Tätigkeit der rumänischen Germanistik“ würdigte, war für den Kenner sofort ein Name gegenwärtig: George Guţu. Kaum ein anderer Germanist nicht allein Rumäniens, sondern ganz Südosteuropas hat nach der politischen Wende 1989/90 in seinem Land für Wederbelebung und Entwicklung einer ideologiefreien deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft so viel getan wie dieser am 16. März 1944 in der Donaustadt Galaţi geborene Prof. em. Doktor und ehemalige Leiter des Lehrstuhls an der Universität Bukarest.
George Guţus Wirkungsbereich erstreckte sich weit über den Universitätsbetrieb hinaus. Hier alles aufzuzählen, was dieser Mann leistete, kann nicht Aufgabe einiger Zeilen sein, etliches jedoch sei erwähnt. Der Anlas: Im Juni d. J. ernannte die Leitung der renommierten internationalen Goethe-Gesellschaft George Guţu zum Ehrenmitglied. Dass die weltweit angesehene Gesellschaft bei der Aufnahme ihrer Mitglieder und Ehrenmitglieder wählerisch verfährt, ist bekannt. Sie wurde 1885 in Weimar unter der Schirmherrschaft des Großherzogs Karl Alexander (l8l8-190l) gegründet, verfügt heute über zahlreiche ausländische Tochtergesellschaften und gibt das seit 1880 erscheinende „Goethe-Jahrbuch“ und die seit 1885 aufgelegten „Schriften der Goethe-Gesellschaft“ heraus.

In der am 10, Juni d. J. in Weimar gehaltenen Laudatio auf George Guţu sagte die Germanistin Prof. Dr. Nikolina Burneva u.a.: Guţu verfüge über „eine breit aufgefächerte fachliche Kompetenz“, was umso beachtlicher sei, als er in seiner Heimat „niemals unmittelbaren Zugang zur deutschen Sprache und Literatur hatte“.
George Guţu: Blick auf den Gardasee in ...
George Guţu: Blick auf den Gardasee in Italien, Festungsturm Malcinese, Herbst 2000. Foto: Hans Bergel
Als Student der Leipziger Universität – die er 1969 als Diplom-Germanist mit Auszeichnung verließ – lernte Guţu während eines Verlagspraktikums den Lyriker, Prosaisten und Herausgeber Wulf Kirsten (* 1934) kennen, der ihn auf die deutsche Literatur in Rumänien, besonders in Siebenbürgen, auf deren Autoren und Wissenschaftler aufmerksam machte. Nicht zuletzt dieser Hinweis wurde später zur Plattform für eine Reihe beruflicher und menschlicher Verbindungen, die George Guţu für seine Projekte interessierte, als er 1993 zum ordentlichen Professor berufen, 1998 zum Lehrstuhlleiter der Germanistik an der Universität Bukarest ernannt worden war.

Zu den wichtigsten Auslandpartnern wurden ihm dabei vor allem die damals in München tätigen Literaturhistoriker, bzw. -wissenschaftler Hon.-Prof. Dr. Peter Motzan und Hon.-Prof. Dr. Stefan Sienerth.

Zukunftsweisende Ideen, unbändiger Fleiß, ausgezeichnete Kenntnisse, Verlässlichkeit und Organisationstalent begründeten national wie international George Guţus Ruf. Mit Energie nutzte er die freiheitlichen Bedingungen nach 1989/90 für einen in Rumänien nicht für möglich gehaltenen Aufbruch germanistischer Aktivität. Nicht nur die von ihm mit kleinstem Mitarbeiterstab vorbereiteten und geleiteten großen internationalen Germanistik-Kongresse, zu denen sich Gäste sogar aus Japan, Korea, den USA einfanden, stehen auf der Liste seiner Verdienste. Er schuf das „Exzellenz- und Forschungszentrum ‚Paul Celan‘“, schrieb zwei wegeweisende Celan-Monografien und gründete germanistische Fachperiodika. Er gab Buchreihen heraus, übersetzte umfangreiche „Werke von Hermann Hesse, Hans Bergel, Rose Ausländer“ (Nikolina Burneva) und nahm Gastprofessuren in Italien, Deutschland, Bulgarien, Portugal wahr. Er gründete die ehemals verbotene „Gesellschaft der Germanisten Rumäniens“, redigierte in Alleingang deren voluminöse Zeitschrift, zudem das „transcarpathica. germanistisches Jahrbuch Rumänien“ und verfasste eine zweibändige Textanthologie zur deutschen Literaturgeschichte. Der Bedeutung seiner Arbeiten über Celan zumindest ebenbürtig ist seine Arbeit an der Ausgabe der „Ausgewählten Werke“ Goethes in 18 Bänden in einer neuen rumänischen Fassung, die ihn zurzeit in Anspruch nimmt. Last, but not least: George Guţu war eines der Gründungsmitglieder des „Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München“.

Soviel als summarischer Hinweis auf die zusätzlich zur Lehrtätigkeit an der Universität erbrachte außerordentliche Lebensleistung dieses Mannes, mit dem mich enge und bewährte Freundschaft verbindet. Zu seinem 60. Geburtstag, 2004, fasste ich meinen Respekt in einen Satz, an den hier zu erinnern mir angebracht erscheint: „Die Mischung aus südöstlichem Gleichmut, lateinischem Esprit und preußischer Genauigkeit machen ihn zu einer Persönlichkeit, deren Charisma auch im privaten Umgang ihre ebenso überzeugende wie sympathische Wirkung ausübt“ („Südostdeutsche Vierteljahresblätter“, 2/2004, S. 151/152, München). Den Glückwünschen zur hohen Auszeichnung seien diese Zeilen hinzugefügt.

Hans Bergel

Schlagwörter: Literaturwissenschaft , Germanist, Ehrung, Gutu, Bergel

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