1. September 2018

Ein Carl-Filtsch-Denkmal in Mühlbach

Im Rahmen der Tage des Munizipiums Mühlbach wurde am 17. August die schon seit längerer Zeit erwünschte Büste des berühmten musikalischen Genies (auch siebenbürgisches Wunderkind genannt) Carl Filtsch, das das Licht der Welt in Mühlbach am 28. Mai 1830 erblickte, eingeweiht. Mit seiner kometenhaften Pianistenkarriere und seinen eigenen Kompositionen eroberte er ganz Europa. Er gab Konzerte in Wien, London, Paris und München, aber auch im Thalia-Saal in Hermannstadt feierte Carl Filtsch triumphale Erfolge.
Der begnadete Pianist und jugendliche Komponist Carl Filtsch war Schüler und Protegé Chopins, begeisterte Franz Liszt und durfte schon mit 13 Jahren am Hof der Königin Viktoria als erster Interpret Chopins auftreten. Sein Leben endete, bevor es richtig begonnen hatte, als er zwei Wochen vor seinem 15. Geburtstag in Venedig an Tuberkulose starb.

Bis zu den 1990er Jahren waren nur acht Stücke von Carl Filtsch bekannt. 2005 tauchten weitere Partituren auf. Seit dem Frühherbst 1995 finden in Hermannstadt Carl-Filtsch-Wettbewerbe statt, deren Austragungsort zuerst das Musikvereinsgebäude war und seit 2005 der Thalia-Saal geworden ist.

Die Anregung für die Errichtung einer Büste zu Ehren dieses außerordentlichen musikalischen Genies in unmittelbarer Nähe der evangelischen Stadtpfarrkirche, an der Filtschs Vater von 1828 bis 1860 diente, kam von einer bekannten Mühlbacher Familie, die in Form einer großzügigen Spende für das Bildhauerhonorar aufkam.

Die Ansprachen anlässlich der feierlichen Enthüllung der Büste hielten Stadtpfarrer Alfred Dahinten und Bürgermeister Dorin Nistor. Beide legten in diesem Jahr am Geburtstag von Carl Filtsch einen Blumenkranz auf das Grab seines Vaters Joseph auf dem Mühlbacher Friedhof; die sterblichen Überreste seines Sohnes wurden fern seiner Heimat, zuerst auf dem Friedhof S. Cristoforo und später auf dem Friedhof San Michele, der auf der gleichnamigen Insel liegt, beigesetzt.
Büste von Carl Filtsch in Mühlbach. ...
Büste von Carl Filtsch in Mühlbach.
Die Bronzebüste ist das Werk des Bildhauers Radu Ciobanu aus Sathmar (Satu Mare), der vorwiegend Büsten, aber auch Standbilder bedeutender rumänischer Persönlichkeiten geschaffen hat. Eines seiner bekanntesten Werke ist das monumentale, preisgekrönte Skulpturenensemble mit den wichtigsten Gestalten, die in den Werken von Ion Luca Caragiale vorkommen, welches 2012 vor dem Rathaus in Ploieşti gezeigt wurde.

Die auf einem mit marmorierten Steinplatten verkleideten Sockel angebrachte Büste wurde auf der Grünfläche an der Nordseite der Umringungsmauer der evangelischen Stadtpfarrkirche, unmittelbar an der Hauptstraße (ehemalige Sikulorumgasse), aufgestellt. Hier sollen in Zukunft auch Bildwerke anderer Mühlbacher Persönlichkeiten gezeigt werden. Die erste, schon vor einigen Jahren hier zur Schau gestellte Büste stellt den am 31. Mai 1900 in Mühlbach geborenen Pionier der rumänischen Hydroenergetik, Dorin Pavel, dar.

Nach der feierlichen Enthüllung der Carl-Filtsch-Büste, unter der auf einer Messingplatte Name und Lebensdaten (1830-1845) stehen, folgte ein Klavierkonzert des talentierten, aus Sächsisch-Regen stammenden Konzertpianisten Csíky Boldizsar jr. (Klausenburg), der an den vom Mühlbacher Pianisten und Musikpädagogen Walter Krafft initiierten Kompositions- und Klavierwettbewerben Carl Filtsch in Hermannstadt regelmäßig teilnimmt. In der voll besetzten Hallenkirche mit ihrem wunderschönen, von Stoß’schen Einflüssen geprägten Flügelaltar spielte der Klausenburger Pianist Werke von Chopin, Franz Liszt, Johannes Brahms und natürlich Carl Filtsch. Aus den eigenen Kompositionen des jungen siebenbürgischen Musikers entschied sich Csíki für das Impromtu in Ges-Dur, in b-moll und für das Adagio „Adieu!“ in c-moll.

Volker Wollmann

Schlagwörter: Carl Filtsch, Büste, Mühlbach, Einweihung

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