28. Dezember 2025
Dritter Musikalisch-literarischer Salon in Düsseldorf: Franz Liszt und Carl Filtsch
Zum dritten Mal fand der musikalisch-literarische Salon zur Carl-Filtsch-Reihe in Düsseldorf statt. Das Kulturreferat der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen lud am 26. November ins Gerhart-Hauptmann-Haus ein. Diese Veranstaltung basiert auf einem Konzept der Schriftstellerin Dagmar Dusil (Bamberg/Hermannstadt), die das Werk des siebenbürgischen Wunderkindes Carl Filtsch (1830-1845) würdigen und in Ehren halten möchte. Neben seinen eindrucksvollen Kompositionen, die hierbei zu Gehör gebracht werden, beleuchtet Dusil in eigenen literarischen Texten das Leben und Wirken des Komponisten und wählt die entsprechenden Musikstücke aus. Der musikalisch-literarische Salon findet unter der Federführung der Schriftstellerin seit 2022 im Rahmen des seit fast 30 Jahren jährlich stattfindenden Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festivals in Hermannstadt statt – seit 2023 nun auch in Deutschland (Bamberg/Düsseldorf/München) und Österreich (Wels/Wien).

Der junge rumänische Pianist Andrei Preda präsentierte am Konzertflügel mit beeindruckender Souveränität Werke beider Komponisten. Preda wurde in Roman in der Moldau geboren und lebt heute in München, wo er ein Masterstudium absolviert, parallel dazu ein Aufbaustudium in Hannover. Neben dem ersten Preis (2014) beim Internationalen Carl-Filtsch-Kompositionswettbewerb erzielte der junge Künstler weitere erste Preise im In- und Ausland, unter anderem beim Internationalen Klavierwettbewerb „Frédéric Chopin“ in Bacău, bei „Lira de Aur“ in Suceava (2019), beim Internationalen Klavierwettbewerb in München sowie beim Donauwettbewerb in Wien. Zudem wurde er 2017 mit dem Spezialpreis beim Wettbewerb „Forte Piano“ in Iași ausgezeichnet.
Zwischen den musikalischen Darbietungen las Dagmar Dusil aus ihren gut recherchierten und ausdrucksstarken Texten über das Leben beider Genies. Es gelang ihr meisterhaft, durchgehend literarische Brücken zu den von Andrei Preda dargebotenen Klavierstücken zu schlagen.
Mit Liszts Rigoletto Paraphrase gelang dem Pianisten ein virtuoser Auftakt, der das Publikum auf weitere technisch anspruchsvolle und von Dramatik geprägte Werke von Franz Liszt einstimmte. Der folgende Choral von Filtsch – seine erst dritte Komposition – ließ mit seiner sakralen Innerlichkeit und dennoch abgeklärten und ausgeglichenen Form das große Talent des Wunderkinds erahnen, das am 28. Mai 1830, mitten in der Blütezeit der Akazien, des Holunders und der Rosen geboren wurde.
Franz Liszt, der in seinen ersten Lebensjahren ein sehr kränkliches Kind war, wurde vom Vater, seinem ersten Klavierlehrer, früh gefördert. Mit neun Jahren hatte er seinen ersten Auftritt in der Wohnung des Grafen Michael Esterházy, worüber die Pressburger Zeitung berichtete, der junge Künstler verfüge „über außerordentliche Fertigkeiten“ und einen „schnellen Überblick im Lösen der schwersten Stücke“. Liszt wurde in Wien sowohl von Antonio Salieri als auch von Carl Czerny unentgeltlich unterrichtetet. Er eroberte Europa. Man sah in ihm einen zweiten Mozart; in Paris gipfelte die Begeisterung für seine Kunst in einer „Lisztomanie“, wie es Heinrich Heine ausdrückte. Mit der Etüde Nr. 10 der Transzendentalen Etüden – Appasionata ließ Andrei Preda die Zuhörer daran teilhaben, von welcher expressiven und leidenschaftlichen Art und technisch hohem Anspruch Liszts Werke schon sehr früh zeugten; zudem auch die rhythmische Energie, voller Virtuosität durch die Polonaise Nr. 2 in E-Dur.
Liszt hegte den Wunsch, Priester zu werden – wohl auch als Reaktion auf den Druck, ein Wunderkind zu sein –, doch sein Vater machte ihm unmissverständlich deutlich, er gehöre „der Kunst, nicht der Kirche!“. Auch Carl Filtschs Vater setzte sich für eine hochkarätige Ausbildung seines Sohnes ein; er sollte in Wien gefördert werden. Als Carl Filtsch 1838 Franz Liszt in Wien begegnete, hatte dieser den Erwartungen seines Vaters, den er schon mit 15 Jahren verlor, längst entsprochen und war zum Pianisten Europas avanciert. Zu Filtschs frühen Kompositionen, in denen bereits die Früchte des Wiener Klavier- und Kompositionsunterrichts erkennbar sind, gehört das Nocturne – Op. 1 Nr.2, das Preda wundervoll interpretierte, vom eingeleiteten Allegro molto über das milde Adagio, welches sich durch massive Akkordfüllungen zum Fortissimo steigert, um schließlich mit einem Pianissimo auszuschwingen.
Mit großer Bewunderung, aber auch erschrocken über dessen leidenschaftliches und turbulentes, bisweilen geradezu dämonisches Klavierspiel schaute Carl zu ihm empor. Doch schnell freundete er sich mit Liszt an, sie spielten vierhändig und Liszt erkannte in ihm ein außergewöhnliches schöpferisches Talent. Anerkennend nannte er den Achtjährigen „Kollege“.
Es folgte der Mephisto Walzer von Franz Liszt, ein virtuoses Stück, das in eine nahezu diabolische Atmosphäre hineinführte.
Wie Liszt eroberte auch der elfjährige Carl Filtsch mit seinem ersten öffentlichen Konzert im Sturm das Wiener Publikum. Der Wiener Kritiker M. Saphir bezeugte dem „kleinen Phantasirer“: „Nicht nur der hohe Grad von Vollkommenheit, den er jetzt schon erlangt hat, nicht nur der kühne Geist, der sichtlich sein Spiel anregt und emporflügelt, nicht nur die Kunstfertigkeit in Ton, Vortrag, Ausdruck, Kraft und Schattierung, die er jetzt schon besitzt, nein mehr als alles das macht ihn für die Zukunft interessant. (…) Das ist sein glänzendes Zertifikat als Virtuose (…) ein musikalischer Schöpfer zu werden.“
Die miniatureske Komposition der lyrischen Mazurka von Filtsch, die anschließend von Preda dargeboten wurde, zeugte von der Meisterhaftigkeit des jungen Komponisten.
Erneut spannte Dagmar Dusil den Bogen zu Franz Liszt und schilderte dessen Weg zum „Popstar“ seiner Zeit, mit neuen Techniken des Klavierspiels und einer extravaganten Erscheinung. Er komponierte seine Etüden. Die Mazeppa, die vierte der insgesamt zwölf Transcendental Études und die auf ein Gedicht von Victor Hugo zurückgeht, wurde eines der herausforderndsten Stücke für Klavier. Preda meisterte die Mazeppa (Nr. 4) in d-Moll bravourös.
Im letzten Abschnitt verband die Autorin beide Komponisten ein letztes Mal miteinander. Beide verließen ihre Heimat in der Habsburgermonarchie im jungen Alter. Für Liszt, der als Ungar zunächst nur Deutsch sprach, wie für Filtsch, den Siebenbürger Sachsen, mögen Heimatlosigkeit und die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat ein Nährboden für ihre meisterhafte Kunst gewesen sein. Beide starben fern ihrer Heimat; Carl Filtsch schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren in Venedig.
Mit Liszts gefühlsgeladenem Liebestraum Nr. 3 As-Dur entführte Preda das Publikum ein letztes Mal in die beglückende Welt der Musik, die Emotionen auslöst und Energie und Kraft verleiht und Menschen verbindet – wie es auch Dagmar Dusil betonte.
Angerührt von der emotionalen Klaviermusik und den Erzählungen, mit denen Dagmar Dusil das Publikum in die Welt der beiden Wunderkinder entführte, verweilten die Gäste anschließend noch im Foyer des Gerhard-Hauptmann-Hauses, wo die für die Veranstaltung federführende Landeskulturreferentin der Landesgruppe NRW des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Heike Mai-Lehni und der Bundes- und Landesvorsitzende Rainer Lehni, zu einem köstlichen siebenbürgischen Büfett eingeladen hatten. Ein Dank geht auch an das Gerhart-Hauptmann-Haus, mit dem dieser Abend in Kooperation durchgeführt wurde und dessen Direktor Prof. Dr. Winfried Halder bei der Begrüßung lobende Worte zur Zusammenarbeit mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen fand.
Der kulturelle Abend wurde vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Für die Idee, das Konzept sowie die Organisation und Umsetzung dieser außergewöhnlichen Veranstaltung sei allen Verantwortlichen herzlich gedankt.
Agathe Wolff
Schlagwörter: Carl Filtsch, Düsseldorf, Musik
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