13. Oktober 2018

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Sektion Schulgeschichte des AKSL tagte in München

Am 8. September 2018 fand im Haus des Deutschen Ostens in München die Jahrestagung der Sektion Schulgeschichte des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) statt. Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen unterstützte das Projekt.
Bei der Veranstaltung, die von Dr. Erwin Jikeli, Leiter der Sektion Pädagogik und Schulgeschichte, vorbereitet und moderiert wurde, trugen fünf Referenten ihre Arbeiten vor. Eröffnet wurde die Tagung mit einem Grußwort von Dr. Konrad Gündisch seitens des Vorstandes des AKSL.

In dem ersten Vortrag analysierte Dr. Erwin Jikeli (Duisburg) die Verbindung zwischen Kirche und Schule, für die in der Verfassung vom 30. November 1862 unter dem Titel „Die uralte gesetzliche Verbindung zwischen Kirche und Schule im Umfang der Evangelischen Landeskirche A.B. in Siebenbürgen wird auch weiter erhalten“ eine neue Grundlage geschaffen wurde. Als Fazit stellte er fest, dass die evangelische Kirche in Siebenbürgen an ihre Lehrer und Pfarrer höhere Anforderungen stellte als der ungarische Staat. Die neue Kirchenordnung blieb in weiten Teilen, mit einigen vom gesellschaftlichen und politischen Wandel geforderten Anpassungen, bis 1997 gültig. Sie prägte maßgebend die Verbindung von Kirche und Schule bis zur kommunistischen Schulreform von 1948. Mit der Verfassung der evangelischen Landeskirche war ein Band der Einheit im sächsischen Volk geknüpft, das sich als stärker erweisen sollte als die wechselnden politischen Ereignisse, deren Unberechenbarkeit die Nation nur zu oft zu ihrem Leidwesen erfahren hatte.

Hansgeorg von Killyen (Freiburg) betrachtete in seinem Referat „Stephan Kelp (1812-1882), ein bekannter siebenbürgischer Schul- und Kirchenmann des 19. Jahrhunderts“ das Leben und Wirken des Bistritzers Stephan Kelp, das in einigen Facetten seines Daseins typisch war für das 19. Jahrhundert. Einleitend umriss der Referent den kirchlichen und historischen Rahmen, die politischen Konstellationen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in der Zeit bis 1880, als Siebenbürgen Teil der ungarischen Monarchie geworden war. Aus einer Bistritzer Handwerkerfamilie stammend – sein Vater war ein bekannter Kupferschmied – konnte Stephan Kelp nach seinem Abitur in Preßburg, dem heutigen Bratislava und der damaligen Hauptstadt des ungarischen Königreiches, studieren. Danach kehrte er nach Siebenbürgen zurück und wurde Hilfslehrer bei einer begüterten Familie des Nösnerlandes. Weitere Etappen seines beruflichen Lebens waren seine Anstellung als Lehrer in Lechnitz und anschließend am renommierten Knabengymnasium in Bistritz. Dort ernannte ihn die Kommunität nach einigen Jahren zum Rektor. Danach wurde er Pfarrer in Heidendorf, einer stattlichen Gemeinde des Nösnerlandes. Schließlich wurde er Dechant des Kirchenbezirks, eine Funktion, die er bis an sein Lebensende innehatte. Das Referat schilderte mehrere wichtige Ereignisse aus der Geschichte von Bistritz und einiger Gemeinden der Umgebung, wie Choleraepidemien und Bauernaufstände, aber auch Feste und Feiern der Schulen und Kirchengemeinden, welche Stephan Kelp in seinen Erinnerungen aufgezeichnet hat.

„Über Berufs- und Fortbildungsmaßnahmen für Siebenbürger Sachsen, die der ,Verein für das Deutschtum im Ausland‘ nach 1918 gefördert hat“, referierte Gudrun Schuster (Hardegsen). Nach einer Übersicht über seine Geschichte von der Gründung 1881 als „Allgemeiner Deutscher Schulverein“, seinen Umbenennungen von 1908 an bis zu seinem heutigen Namen „Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. (VDA)“ verwies die Referentin auf den jeweiligen historischen Hintergrund und die daraus resultierenden Akzentverschiebungen innerhalb der Zielsetzungen des Vereins bis zu seiner programmatischen Ausrichtung heute. Sie wies auf Verbindungen siebenbürgisch-sächsischer Organisationen zum „VDA“ hin, die Stipendien für Jugendliche breiter sozialer Schichten für Fortbildungskurse an Volkshochschulen im Deutschen Reich vermittelten. Am Beispiel der Volkshochschule Rendsburg in Schleswig-Holstein dokumentierte Schuster deren pädagogisch-programmatische Ausrichtung und Zielsetzung der Ausbildung in den Endzwanziger Jahren. Die vom Rendsburger Stadtarchiv erhaltenen Unterlagen zeigten, dass es Ziel war, die Schülergemeinschaft der teilnehmenden „Binnen- und Auslandsdeutschen“ exemplarisch für die „deutsche Volksgemeinschaft“ nach den territorialen Veränderungen infolge der Versailler Verträge über Grenzen hinweg zu festigen. Diese Absicht kam den Deutschen aus dem nach 1918 entstandenen Großrumänien entgegen, für die die Gesetzesreformen des Landes folgenreiche Einschnitte gebracht hatten.

Zu den Projekten des heutigen „Vereins für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e.V. (VDA)“ gehören die weltweite Vermittlung deutscher Kultur, die Unterstützung von Schulen und Publikationen, die Förderung des Schüleraustauschs. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien erhielt den Status eines seiner Ortsvereine und 1997 den mit 20 000 Euro dotierten Kulturpreis. Beim 130-jährigen Jubiläum hielt Altbischof Prof. Dr. Christoph Klein eine „vielbeachtete Festrede“ in Berlin.

Unter dem Titel „Eine deutsche Schule im rumänischen Erdölgebiet“ schilderte Jutta Caplat die kurze Geschichte der deutschen Schule von Câmpina bis 1945. Vor Ende des Zweiten Weltkrieges lebten rund 600 Deutsche in der Stadt. Die meisten Männer arbeiteten bei der „Astra Română“. Die Familien waren untereinander befreundet und unternahmen vieles gemeinsam. Anfangs besuchten die Kinder die rumänische Schule, bald errichteten aber die dort lebenden Sachsen eine evangelische Kirche und ihre eigene Schule, wo sie auch viele Feste feierten. „Das war das Paradies meiner Kindheit“, berichtete Jutta Caplat wehmütig. 1940 wurden in Câmpina deutsche Soldaten zur Sicherung der Erdölproduktion stationiert. Die Kinder lernten von ihnen neue Lieder und sangen sie mit ahnungsloser Begeisterung. Am 10. November 1940 erschütterte ein Erdbeben mit schrecklichen Folgen die Stadt; 1941 feierten alle Einwohner zusammen mit den deutschen Soldaten und deren rumänischen Verbündeten den Krönungstag ihres Königs Karl I. Dann nahm der Krieg seinen unheilvollen Verlauf. Die Alliierten bombardierten Câmpina. In der Folge mussten die deutschen Schüler nach Bukarest fahren, um dort ihre Prüfungen abzulegen. Die Amerikaner bombardierten Bukarest, und als die Kinder vom Mittagessen aus der Kantine zurückkamen, lag das Schulgebäude in Trümmern! Die nächsten Tage verbrachten die Schüler im Luftschutzkeller, bis sie über kaputte und überfüllte Straßen bei ihren Eltern ankamen. Da das Erdölgebiet für die Alliierten weiterhin ein Angriffsziel blieb, wurden Frauen und Kinder ins etwas ruhigere Siebenbürgen evakuiert. Nach dem 23. August 1944 zog sich das deutsche Militär vor der Roten Armee zurück. Das war das Ende der deutschen Schule in Câmpina.

Den Abschluss der Tagung bildete der Vortrag von Dr. Heinke Fabritius. Die in Gundelsheim ansässige Kulturreferentin der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien stellte sich und ihre Arbeit vor. Ihr Beitrag „Kulturreferat und Projektförderung“ beschrieb laufende und zukünftige, auch grenzüberschreitende Projekte zur wirksamen Vermittlung von Kultur und Geschichte Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen. Sie möchte bewirken, dass historische sowie volks- und landeskundliche Informationen von der Öffentlichkeit im In- und Ausland mehr wahrgenommen werden. Im weiteren Verlauf ihres Vortrages präsentierte Dr. Fabritius Ideen und Anregungen für neue Konzepte der Sektion Schulgeschichte. Dr. Erwin Jikeli rief die Teilnehmer des Seminars in seinem Schlusswort zu weiterer Mitarbeit auf. Um die Dokumentation der Schulgeschichte Siebenbürgens erfolgreich fortführen und auch für zukünftige Tagungen der Sektion eine entsprechende Zahl von Referenten benennen zu können, werden alle Interessierten gebeten, Kontakt aufzunehmen mit Dr. Erwin Jikeli, Telefon: (0203) 496222, E-Mail: erwinjikeli[ät]gmx.de.

Dr. Erwin Jikeli, Renate Kaiser

Schlagwörter: AKSL, Sektion Schulgeschichte, Tagung, München, HDO, Konrad Gündisch

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