28. Oktober 2019

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Die Tracht als Identifikationsmerkmal der Siebenbürger Sachsen

Die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen hat in Kooperation mit dem Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften das Seminar „Die Tracht der Siebenbürger Sachsen in Vergangenheit und Gegenwart“ vom 11. bis 13. Oktober im Jugendgästehaus Dortmund durchgeführt. Sehr interessierte Teilnehmer trafen auf exzellente Referenten, so dass die Tagung als rundum gelungen und erfolgreich bezeichnet werden kann. Die Veranstaltung wurde gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie von der Kulturreferentin für Siebenbürgen mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Nach der Begrüßung durch die Organisatorin und Landeskulturreferentin Heike Mai-Lehni zeigte Rainer Lehni Filme zum Thema „Die siebenbürgisch-sächsische Tracht in alten Filmaufnahmen“. Herrliche Trachtenbilder in den noch intakten bäuerlichen sächsischen Gemeinschaften konnte man in drei Filmen aus den 1920er und 1930er Jahren bewundern. Wer aber kennt den Heimatfilm „Am Brunnen vor dem Tore“ von 1953, dessen Handlung sich in Dinkelsbühl abspielt? Ein Ausschnitt daraus wurde gezeigt, und zwar jener, in dem siebenbürgisch-sächsische Trachtenträger im Festzug der Dinkelsbühler ­Kinderzeche zu sehen sind. Einen Kontrast zu den Trachten der Vorkriegszeit bildete dann eine Diafotomontage über das Kronenfest in Zeiden aus dem Jahr 1978, als schon viel Wissen über die Tracht verlorengegangen war.

„Sächsische Trachten im Wandel – Identität und Mode im Spannungsbogen von Ost und West“ war der Titel des sehr informativen Hauptvortrags von Dr. Irmgard Sedler. Die Volkskundlerin und beste Kennerin der historischen Entwicklung der Tracht in Siebenbürgen spannte den Bogen von 1500 bis ins 21. Jahrhundert. In die Trachtenlandschaft Siebenbürgens drang im Lauf der Jahrhunderte eine Mischung aus orientalischer und abendländischer Mode, die Einflüsse reichten von Spanien bis ins Osmanische Reich. In der Mitte des 18. Jahrhunderts stand die Patriziertracht auf dem Höhepunkt ihrer Blüte. Die ländliche Kirchentracht, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich aus dieser Patriziertracht heraus und erreichte ihren Höhepunkt im 19. und 20. Jahrhundert. Ein großes Lob sprach Dr. Irmgard Sedler den Tanzgruppen aus, die es verstanden haben, die siebenbürgisch-sächsische Tracht bei den Jugendlichen auf einem sehr hohen Niveau zu etablieren.Die Teilnehmer des Trachtenseminars vor dem ...Die Teilnehmer des Trachtenseminars vor dem Jugendgästehaus Dortmund. Foto: Kathi Drotleff Ines Wenzel, Vorsitzende der Kreisgruppe Heilbronn und den meisten als Organisatorin des Trachtenzugs in Dinkelsbühl bekannt, sprach über die Möglichkeiten, siebenbürgisch-sächsische Trachten in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Bestes Beispiel sei die Teilnahme am Trachtenzug des Münchner Oktoberfestes, wo es strenge Regeln einzuhalten gilt. Am Beispiel der SJD oder der Regionalgruppe Burzenland zeigte Ines Wenzel, wie bei einem Trachtenzug diese Vielfalt der Trachten präsentiert werden kann. Bemerkenswert ist auch die Ines Wenzels persönliche Entwicklung, die sich in drei Jahrzehnten ehrenamtlichen Wirkens ein enormes Fachwissen angeeignet hat.

Ein wichtiges Anliegen von Dr. Ingrid Schiel, Geschäftsführerin des Siebenbürgen-Instituts in Gundelsheim, ist die Bewahrung und Dokumentation der siebenbürgisch-sächsischen Tracht. Gemeinsam mit Ines Wenzel hat sie einen Fragebogen entworfen, der auf der Internetseite des HOG-Verbandes www.hog-verband.de heruntergeladen werden kann. Ziel ist es, die Trachten in Bild und Schrift zu dokumentieren und für die Zukunft zu erhalten. Wie vielfältig und umfangreich dieses Thema ist, zeigt allein das Beispiel Stolzenburg, wo es 265 verschiedene Tragweisen der Tracht gibt. Am Beispiel einer Tracht aus Mettersdorf im Nösnerland wurde begonnen, eine Tracht zu erfassen. Jedes Kleidungsstück muss dabei akribisch vom Fuß bis zum Kopf dokumentiert werden.Die Tracht wird in ihren Einzelstücken ...Die Tracht wird in ihren Einzelstücken dokumentiert. Foto: Rainer Lehni Der letzte Vortrag galt dem Thema Trachtenpflege. Die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Bayern, Rowitha Kepp, referierte über das Zustandekommen des Lernvideos „Siebenbürgisch-Sächsische Trachten – Pflegen, Verpacken und Aufbewahren“. Dieses sehenswerte Video ist frei auf YouTube abrufbar.

Ein ganz besonderer Workshop folgte am Sonntagvormittag zum Abschluss des Seminars. Renate Stirner, Emma Moder, Kathi Drotleff und Christine Thellmann zeigten verschiedene alte Handarbeitstechniken, wobei jeder Teilnehmer seine eigenen Fertigkeiten ausprobieren konnte. Es war so spannend mitzumachen, dass das Ende der Tagung viel zu schnell kam.

Den Teilnehmern dieser erfolgreichen Tagung war klar, dass wir in Deutschland mit dem Tragen unserer Tracht unsere Gemeinschaft wie auch deren Vielfalt zeigen wollen. Diese Tracht hat zwar ihren früheren Zweck als Kirchentracht verloren, sie ist und bleibt aber ein wichtiges Identifikationsmerkmal der Siebenbürger Sachsen. Dieses Ziel behalten der Verband der Siebenbürger Sachsen und die Heimatortsgemeinschaften im Blick.

Rainer Lehni

Schlagwörter: Trachten, Siebenbürgen, Seminar, Pflege, Tradition, Kulturgut, Dortmund, Bericht

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