20. Januar 2020

Stamitz-Preis für Professor Heinz Acker

Professor Heinz Acker wurde im festlichen Rahmen der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim mit dem Johann-Wenzel-Stamitz-Preis 2020 der KünstlerGilde e.V. geehrt. In einer launigen Laudatio warf Dr. Dietmar Gräf, der Zweite Bundesvorsitzende der KünstlerGilde und Juryvorsitzende des Stamitz-Preises, Schlaglichter auf Vita und Wirken des Preisträgers.
Geboren ist Heinz Acker 1942, also mitten im Krieg, in Hermannstadt. Er wächst bei seinen Großeltern auf, denn sein Vater ist in Stalingrad gefallen und seine Mutter wurde nach Russland zur Aufbauarbeit deportiert. Sein musikalisches Interesse wird von keinem Geringeren als Franz Xaver Dressler geweckt, weil die Großeltern Heinz und seinen Bruder Dieter in Ermangelung eines Kindermädchens einfach in die Proben des Bachchors mitnehmen.

Nach dem Bakkalaureat am Brukenthal-Lyzeum folgt das Musikstudium in Klausenburg mit den Schwerpunkten Dirigieren, Komposition und Pädagogik und gleich danach eine Anstellung in der neu geschaffenen Musikschule von Hermannstadt. Acker gründet ein Jugendorchester, erhält erste Aufträge als Dirigent der Staatsphilharmonie und als „rechte Hand“ von Dressler. Er bewährt sich auch als Musikkritiker für die deutsche Presse. Als sein Bruder, der Musiker Dieter Acker, 1969 von einer Auslandstournee nicht mehr nach Rumänien zurückkehrt, beginnt für den Preisträger und seine Familie eine schwere Zeit, die zur Ausreise 1977 führt.

In der Bruchsaler Musik- und Kunstschule gelingt Acker ein zweiter Start. Er gründet wieder ein Sinfonieorchester, das bald mit vielen Erstplatzierungen zu einem der besten Jugendsinfonierorchester Deutschlands avanciert. 1996 bringt der Dirigent gemeinsam mit seinen begeisterten Jungmusikern den ersten Preis auf Bundesebene beim Orchesterwettbewerb heim. Sein Orchester wird zum „Exportartikel“ der Stadt Bruchsal, ja sogar von Deutschland. Es folgen viele Konzertreisen mit völkerverbindendem Auftrag, beispielsweise nach Italien, Großbritannien, Tschechien, Israel, Jordanien, Syrien, nach Moskau und Sankt Petersburg und sogar nach Kirgistan, in die USA – aber auch in seine alte Heimat, nach Siebenbürgen.
Preisträger Professor Heinz Acker (Mitte) mit Dr. ...
Preisträger Professor Heinz Acker (Mitte) mit Dr. Dietmar Gräf, 2. Bundesvorsitzender der Künstlergilde Esslingen, und Hansjürgen Gartner (rechts) in Mannheim. Foto: Margrit Csiky
Seine nächste Station führt ihn als Professor für Musiktheorie an die Hochschule Mannheim-Heidelberg. In dieser Zeit legt er seine „Modulationslehre“ vor, ein Buch, das heute in Fachkreisen als bleibendes Standardwerk gilt. Erst in späten Jahren beginnt er auch zu komponieren. Aus seiner Feder stammen unter vielen anderen Werken die „Heidelberg-Variationen“, das großangelegte Werk „Carmina selecta – oder südöstlicher Divan“ – eine Suite über deutsches Liedgut aus dem Südosten Europas oder der Hymnus „Sonnengesang des Heiligen Franziskus von Assisi“. Für seine alte Heimatstadt komponiert Acker eine „Pfingstkantate“, für Kronstadt die „Kronstädter Messe“. Er bearbeitet und veröffentlicht die siebenbürgisch-sächsischen Lieder von Georg Meyndt, Michael Barner u.a., so dass sie von Chören mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad gesungen werden können.

Als weitere Facette des Acker‘schen Wirkens nannte Gräf auch den Pianisten und Kammermusiker, den Buchautor und Musik-Referenten und schließlich auch das „Fremdgehen in den Bereich der Belletristik“, nämlich das Verfassen einer Autobiographie als Familien- und Zeitgeschichte mit dem Titel: „Zwei Leben und ...“. Im ersten Teil beschreibt er die Geschichte seiner Familie in Siebenbürgen über mehrere Generationen, den Schwerpunkt des zweiten Teils bilden die zahlreichen Konzertreisen mit seinem Jugendorchester.

Die Musikbeiträge aus der Feder des Preisträgers machten aus der Feierstunde ein Festkonzert. Zu Beginn sang die Sopranistin Julika Birke das bekannte Lied „Et såß e klīn wäld Vijelchen“ (Es saß ein klein wild Vögelein), in einer kunstvollen Acker‘schen Bearbeitung, der sie auch am Klavier begleitete. Es folgte „Mir schwante am Neckarstrand“ aus den Stilfreveleien über „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren“, „Weißt du es noch?“ (Text Martin Buber) „Weinen und Lachen“ (aus den Kalendersprüchen) und „Landgasthof“ (Text Franz Hodjak). Das Publikum dankte mit begeistertem Applaus und mit einer besonderen Anerkennung für die Cellistin Joo Yun Choi, die kurzfristig eingesprungen war.

Professor Heinz Acker, der Träger der Schönborn-Medaille der Stadt Bruchsal, der Staufer-Medaille des Landes Baden-Württemberg und des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreises nahm mit herzlichem Dank auch den Johann-Wenzel-Stamitz-Preis entgegen. Er wurde damit in die lange Reihe der Preisträger eingereiht, zu denen auch die Siebenbürger Dieter Acker, Hans Peter Türk, Hans Eckart Schlandt, die rumänische Komponistin Violeta Dinescu sowie der Laudator Dr. Dietmar Gräf gehören.

Auch die Programmauswahl an diesem Abend war ein Beweis dafür, dass Heinz Acker seine alte Heimat nie vergessen hat und in seinem ganzen Wirken immer wieder auf Motive aus Südosteuropa zurückgreift. Er war immer bestrebt, dieses Kulturgut zu erhalten.

Der Stamitz-Preis der KünstlerGilde e.V. mit Sitz in Esslingen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Selbsthilfeorganisation von Heimatvertriebenen ins Leben gerufen, um Künstler materiell und ideell zu unterstützen, so Hansjürgen Gartner, der offizielle Vertreter der Künstlergilde, nach einer kurzen Begrüßung durch den Präsidenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, Professor Rudolf Meister.

Er werde als Anerkennung für das Gesamtschaffen einer Persönlichkeit verliehen, deren musikalisches Werk „deutsche Kultur und Geschichte in Mittel-, Ost- und Südosteuropa reflektiert, beziehungsweise zur Verständigung zwischen Deutschen und den östlichen Nachbarn beiträgt“, zitierte Gartner aus den Vergaberichtlinien und ergänzte, dass es ihn besonders freue, den Stamitz-Preis an der ehemaligen Wirkungsstätte des berühmten Komponisten, des Gründers der Mannheimer Schule überreichen zu dürfen, der 1717 in Böhmen zur Welt kam.

Margrit Csiky

Schlagwörter: Auszeichnung, KünstlerGilde, Esslingen, Heinz Acker, Musiker, Komponist, Dirigent, Hermannstadt, Mannheim, Porträt

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