2. April 2020

Chefankläger der Nürnberger Prozesse wurde 100

Ben Ferencz, der letzte noch lebende Chefankläger der Nürnberger Prozesse von 1947, wurde am 11. März 100 Jahre alt. Der 1920 in Siebenbürgen geborene Sohn orthodoxer Juden wuchs nach der Auswanderung der Familie in die USA in New York in bescheidenen Verhältnissen auf.
Als Jurastudent an der renommierten Harvard-Universität assistierte er einem Professor bei der Erstellung eines Buchs zum Thema Kriegsverbrechen. Während seines Einsatzes als US-Soldat im Zweiten Weltkrieg wurde er deshalb beauftragt, Beweismaterial für die Kriegsverbrechen der Deutschen zu sammeln. Am 20. November 1945 begann der erste Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher; zwölf weitere sollten folgen. Ben Ferencz leitete ein Team, das Beweise gegen die Angeklagten suchte. Mit 27 wurde er Chefankläger der Einsatzgruppen-Prozesse von 1947-1948 gegen 24 SS-Führer wegen tausendfacher Morde in der Sowjetunion. In keinem anderen Nürnberger Prozess wurden so viele Todesurteile gesprochen.

Die Strafverfolgung der deutschen Kriegsverbrechen wurde zu seinem Lebensthema. Ben Ferencz brachte Mitglieder der Einsatzgruppen vor Gericht, die über eine halbe Million Juden, Sinti und Roma ermordet hatten. Seine Erlebnisse fasste er in dem Buch „Lohn des Grauens“ zusammen. Der Professor für internationales Recht und Autor mehrerer Bücher über Kriegsverbrechen gilt als einer der Begründer des Internationalen Strafgerichtshofs und führte erstmals den Begriff Genozid ein. Noch heute hält er Reden, schickt Leserbriefe an Zeitungen und erklärt seine Vision von einer friedlichen Welt.

NM

Lesen Sie dazu die Rezension "Film über außergewöhnlichen Rechtsgelehrten aus Siebenbürgen", Siebenbürgische Zeitung Online vom 10.November 2015.

Schlagwörter: Jurist, Siebenbürgen, Nationalsozialismus

Bewerten:

15 Bewertungen: +

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich.