5. Oktober 2020

Leserecho: Georg Daniel Teutsch links liegengelassen

Es ist vieles richtig und teilweise auch allgemein bekannt, was in den Ausführungen von Dr. K. Gündisch zu lesen ist. Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass der Mittelalter-Historiker im Rahmen der Erinnerungskultur mehrere Epochen anreißt bzw. einzelne Persönlichkeiten sich vornimmt. Dabei geht es durchgängig um sogenanntes rassistisches Gedankengut. Den Schlüsselbegriff dafür liefert bereits die Einführung: Bei der historischen Bewertung von Ereignissen, Dokumenten etc. bedürfe es immer auch der Kontextualisierung. Dagegen ist ja nichts einzuwenden, im Gegenteil, es sei denn, man lehnt den Historismus (und L. Ranke) ab.

Wenn man schon einen „Säulenheiligen“ herausgreifen will, dann eignet sich hierfür viel eher der Aufklärer Voltaire, bei dem sich Rassismus der wirklich übelsten Sorte findet, aber nicht ein „Vordenker für unsere heutige Gesellschaft“ wie I. Kant. Ja, „man muss darüber offen reden können“, wie Gündisch fordert. Und dann? „Kant lesen. Kant, Kant, Kant“, wie der sicher unverdächtige Publizist M. Brumlik empfiehlt.

Und um den Reichskanzler Bismarck auch noch anzupatzen, wird der umstrittene Afrikanologe J. Zimmerer bemüht.

Richtig ist, dass in Deutschland seit geraumer Zeit eine Erregungskultur herrscht, derzufolge ein überschießender Moralismus und normopathische Zwänge (H.-J. Maaz: Das falsche Leben) jede abweichende, gemäßigte Meinung im Keim zu ersticken versuchen.

Lieber Herr Gündisch! Es vermittelt sich der Eindruck, mit Verlaub, dass Sie auch bei der Beurteilung herausragender und verdienstvoller Persönlichkeiten der Siebenbürger Sachsen in ein Fahrwasser abgedriftet sind, welches etwas befremdlich anmuten muss. Wie sonst ließe sich erklären, bei den denkmalwürdigen Sachsen einen Georg Daniel Teutsch links liegengelassen zu haben, immerhin den „Gründervater der Siebenbürger Sachsen“ (Ulrich A. Wien), den für die Identitätsstiftung unseres Volkes einflussreichsten Historiker und Theologen. Den Bischof, der den Grundstein für die auf ihre Art einmalige sächsische Volkskirche in schwierigen, und für nachkommende, noch bedrängtere Zeiten seines Volkes gelegt hat.

Zur Kritik am Raumfahrtpionier Hermann Oberth sei lediglich darauf hingewiesen, dass dazu Hans Barth in aller Klarheit und Eindeutigkeit gegen vorgebrachte Anwürfe alles, wirklich alles, vor mehr als 18 Jahren (siehe Hermann Oberth: "Nie an Angriffswaffen gearbeitet") gesagt hat. Da sollte man eigentlich kein neues Fass mehr aufmachen.

Walter Schuller, Traun


Leserecho: Freude über anspruchsvolles Thema

Zu Denkmalsturz und Erinnerungskultur: Historiker Konrad Gündisch im Gespräch und zum Artikel Feminismus am Ende? Gegensätzliche Standpunkte von Inge Bell und Birgit Kelle

Zum Gespräch zwischen Dr. Konrad Gündisch und Christian Schoger: Herzlichen Dank dafür! Es freut mich immer sehr, wenn ich in unserer Zeitung Anspruchsvolles zu Themen, die uns allen am Herzen liegen sollten, entdecke, denn: Die Menschheit muss das alles auf den Tisch legen und Frieden schließen, damit wir uns die Zukunft sichern, auf unserem Erdball. (Binsenweisheit? – Von wegen!)

Und wenn ich schon dabei bin noch etwas zum Artikel „Feminismus am Ende?“. Inge Bell möchte ich danken – Birgit Kelle hingegen wünsche ich schärfere Sinne, mehr Bauchgefühl, einen besseren Überblick. Mehr Tiefgang.

Liane Voigt, Böblingen


Schlagwörter: Interview, Denkmal, Erinnerungskultur, Teutsch, Oberth, Konrad Gündisch, Leserecho, Schuller

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  • 05.10.2020, 09:53 Uhr von konradguen: Über die positiven wie negativen Reaktionen auf mein Interview mit Christian Schoger freue ich ... [weiter]

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