12. Mai 2021

GoEast-Filmfestival 2021 in Wiesbaden

Die Astronautin Jessica Meir wird im Dokumentarfilm der rumänischen Regisseurin Alina Manolache zitiert mit der Aussage, dass sie – die Astronauten – wohl die einzigen Menschen sind, die nicht von Corona betroffen sind, da sie im Weltall schweben! Im Film der Spezialreihe zu Gagarins Erdumrundung „2020: A Covid Space Odyssey“ des GoEast-Filmfestivals 2021 in Wiesbaden zeigen Vladimir Potop und Alina Manolache in 15 Minuten einen Weltraum-Spaziergang während einer sieben Monate langen Expedition der Astronautin Jessica Meir. Corona hat die Weltall-Spaziergängerin doch noch angetroffen nach ihrer Rückkehr – so wie viele Menschen noch immer weltweit betroffen sind.
Plakat des GoEast-Festivals in Wiesbaden. Foto: ...
Plakat des GoEast-Festivals in Wiesbaden. Foto: ©goEast
Ums Überleben kämpfte auch das diesjährige 21. Filmfestival mit Tradition in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Aber 92 Filme aus 38 Ländern waren über „Go East On Demand“ zu erleben, darunter auch historische Symposion-Beiträge, Diskussionen und die Gespräche zu den Filmen. Vereinzelte Plätze gab es mit Karten im Museum Wiesbaden. Der rumänische Beitrag war in diesem Jahr der Film „Vater unser“ (2020) – ein dokumentarisches Familienselbstporträt der Filmemacher Andrei und Paula, die mit diesem interessanten Dokumentarfilm schon an mehreren Filmfestivals teilgenommen und Preise und Anerkennung erhalten haben. In Wiesbaden lief er als Deutschland-Premiere und lieferte nicht nur ein aktuelles Porträt der Gesellschaftsgegenwart Rumäniens und der neuen Generation im Postkommunismus, sondern gab auch einen geschichtlichen Überblick sowie Einblicke in das orthodoxe Klosterleben.

Von den 17 Wettbewerbsfilmen unter der Jurypräsidentin Saodat Ismailova aus Usbekistan waren zahlreiche Filme in der Regie von Frauen, u. a. aus Lettland, Tschechien, Usbekistan, Russland, Rumänien, zu finden.

Der sieben Minuten lange Film „The Spheres City“ (2021) – ein dialogfreier Utopia-Beitrag, eine Odyssee zukünftiger Stadtszenarien aus Kindersicht – von Ioana Mischie wurde beim Festival mit einem Open Frame Award bedacht. „Wir erkennen die langfristigen Ambitionen dieses sinnvollen Projekts an, das sich in den folgenden Jahren weiterentwickeln und wachsen wird, indem es Kindern auf so kreative Weise eine Stimme gibt und sie als unsere wahre Hoffnung für unsere globale Zukunft umarmt und feiert“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Der in Berlin lebende, aus Rumänien stammende Regisseur Radu Jude, Gewinner des Goldenen Bären bei der diesjährigen Berlinale mit seinem Film „Unglücksvögeln oder verrückter Porno“, hatte das Sonderprogramm der „Anti-Oscar-Nacht“ für Wiesbaden zusammengestellt, das ebenfalls online abrufbar war. Als interessante Beiträge liefen Klassiker wie „Austerlitz“ von Stan Neumann (2015) oder „Ein unvergesslicher Sommer“ von Lucian Pintilie (1994) mit Marcel Iureş und Olga Tudorache – ein Geschichtsstreifen über die Zeit in Rumänien während des Ersten Weltkriegs.

Der Dokumentarfilm „This rain will never stop“ (Deutschland, Lettland, Katar, Ukraine 2020, Regie: Alina Gorlova) gewann die Goldene Lilie des Festivals. Weitere Preise erhielten die Georgierin Juja Dobrachkous für ihr Werk „Bebia, à mon seul désir“ (Georgien, Vereinigtes Königreich 2021) sowie Vera Lacková aus Tschechien für kulturelle Vielfalt im Film „How I became a partisan“ (Tschechien, Slowakei 2020).

Wiesbaden hat wieder bewiesen, dass zurzeit nicht nur Mainstream-Filme ankommen. Vielleicht denkt man ja bald auch anders über Filmereignisse – im Geist der East-West-Begegnung der Filmschaffenden. Es wäre zu wünschen, dass auch niedrig dotierte Filme mit realen oder utopischen Visionen und Ansichten in Europa ankommen.

Katharina Kilzer

Schlagwörter: Film, Festival, Wiesbaden, Osteuropa

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