4. September 2026

Größen der rumäniendeutschen Literaturszene ehren Prof. h.c. Dr. Peter Motzan zum 80. Geburtstag

Mit vielen reputablen Charakterisierungen des Jubilars drückten die Gratulanten ihre Bewunderung und Ehrerbietung bei dem Symposium zu Peter Motzans 80. Geburtstag am 25. Juli im Haus des Deutschen Ostens in München aus: er wurde als Nestor, Augur, Vermittler der Kulturen, criticus eruditus, messerscharfer Anthologistiker, wortmächtiger, ja wortlustiger Kritiker, „man for all seasons“, aber vor allem als Freund bezeichnet.
Trotz des frühen Beginns der Veranstaltung um 10.00 Uhr war der große Saal gut besucht. Auf Initiative des viel zu früh verstorbenen Lyrikers Hellmut Seiler wurde das Symposium zum runden Geburtstag des angesehenen Literaturkritikers, Herausgebers und Wissenschaftlers Peter Motzan vom Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen organisiert und gefördert und zusammen mit Prof. Dr. Waldemar Fromm, Prof. Dr. Anton Sterbling und Horst Samson von langer Hand geplant. So reihten sich an besagtem Samstag namhafte Größen der rumäniendeutschen Literatur in den Kranz der Laudatoren.

Nach der Begrüßung durch die Leiterin des Kulturwerks Kerstin Arz und der Einführung durch Prof. Dr. Waldemar Fromm bildete der Beitrag von Hans-Werner Schuster, stellvertretender Vorsitzender des Kulturwerks, den Auftakt zu einer Reihe hochkarätiger Vorträge. Schuster hob die Bedeutung von Motzans Wirken für die siebenbürgische Kultur besonders hervor, hatte dieser doch bereits 2011 zusammen mit seinem Kollegen Prof. h.c. Dr. Stefan Sienerth den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis als die höchste Auszeichnung der Siebenbürger Sachsen für herausragende wissenschaftliche und künstlerische Leistungen im Bereich Germanistik erhalten.

Im Anschluss wurde die berührende Gratulation von Ion Pop verlesen, der der Veranstaltung leider nicht persönlich beiwohnen konnte. Der Literaturkritiker, Lyriker und Universitätsprofessor Pop gehörte neben Motzan zum Gründungskreis der 1968 an der Babeş-Bolyai-Universität zu Klausenburg ins Leben gerufenen dreisprachigen (rumänisch, ungarisch, deutsch) literarischen Studentenzeitschrift Echinox und war deren Chef­redakteur.

Der Jubilar dankt in seinem Schlusswort den ...
Der Jubilar dankt in seinem Schlusswort den Laudatoren. Fotos: Kerstin Arz
Es folgte die Würdigung des Jubilars durch seinen langjährigen Weggefährten Prof. h.c. Dr. Stefan Sienerth. Sienerth und Motzan hatten sich bereits Ende der 1960er Jahre im Kreis der Studenten an der Philologiefakultät der Klausenburger Babeş-Bolyai-Universität kennengelernt und stehen seither in stetigem Austausch miteinander, nicht zuletzt als wissenschaftliche Kollegen und Mitarbeiter des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München (IKGS), ehemals Südostdeutsches Kulturwerk e.V. So übernahm Sienerth mit Freude die Aufgabe eines „zum Rühmen Bestellten“ und zitierte damit den Lieblingsdichter Motzans, Rainer Maria Rilke. Er rühmte die Wortgewandtheit, die literarische Versiertheit und das enorme Wissen Motzans nicht nur auftragsgemäß, sondern voller ehrlicher, freundschaftlicher Bewunderung. Sienerth skizzierte den Werdegang von Peter Motzan, der sich bereits früh einen Namen auch unter den rumänischen und ungarischen Kollegen im Literaturbetrieb Rumäniens gemacht hatte. Nach dem politischen Umsturz in Rumänien reiste Peter Motzan 1990 in die Bundesrepublik Deutschland aus und konnte nach einer einjährigen Gastprofessur an der Universität Marburg seiner literarischen Leidenschaft, die gleichzeitig auch sein Hobby war, als wissenschaftlicher Mitarbeiter des damaligen Südostdeutschen Kulturwerks beruflich nachgehen. Hier zeichneten Sienerth und Motzan als Autoren, Herausgeber und Redakteure zahlreicher Bücher sowie der Südostdeutschen Vierteljahresblätter verantwortlich.

Nach seiner Verrentung 2011 ist es um Peter Motzan still geworden, was alle Redner, die auf Sienerth folgten, gleichermaßen bedauerten. Umso wichtiger war daher diese Begegnungsveranstaltung zu Ehren seines 80. Geburtstages, die seine brillante Arbeit in den Fokus stellte. Seinem Wirken wurde auch mit der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Literatur und Kunst MATRIX Rechnung getragen. Darin finden sich Beiträge zahlreicher Zeitgenossen Motzans, die sein Schaffen jeweils aus ihrem ganz eigenen Blickwinkel würdigen. Nach seinem Beitrag überreichte der Verleger Traian Pop zusammen mit dem Lyriker und Journalist Horst Samson die Zeitschrift dem Jubilar, der sie mit ungespielter Überraschung und der ihm eigenen Bescheidenheit entgegennahm.

Horst Samson bettete mit seinem nachfolgenden Vortrag seine Verbindung zu Peter Motzan und deren Entstehung in die Kulturszene im Rumänien der 1970er und 1980er Jahre. Er zeichnete damit ein anschauliches Bild des rumäniendeutschen Literaturbetriebes und verwies auf zahlreiche Kollegen und Weggefährten. Er dankte ihm, indem er anmerkte, dass er, Samson, als Lyriker ohne Motzans Begleitung niemals dahin gekommen wäre, wo er jetzt stünde.
Überreichung der Festschrift MATRIX an Peter ...
Überreichung der Festschrift MATRIX an Peter Motzan (rechts)
Die langjährige Wegbegleiterin und Freundin Motzans seit frühester Jugend, die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Dr. Anneli Ute Gabany verpackte ihre Glückwünsche in ein Gedicht, basierend auf persönlichen, gesellschaftlichen und politischen Fakten. Nachzulesen ist der lyrische Lobgesang, ebenso wie andere Wortbeiträge des Tages in der oben erwähnten Zeitschrift MATRIX.

Den Nachmittag läutete PD Dr. Olivia Spiridon von der Universität Tübingen ein, die ihrem Beitrag einige Worte zu dem kürzlich verstorbenen und im Kreis der rumäniendeutschen Literaten schmerzlich vermissten Hellmut Seiler voranstellte. Insbesondere erwähnte sie die von Seiler herausgegebene Anthologie „Die Bewegung der Antillen unter der Schädeldecke“, die mit zahlreichen Anwesenden in Verbindung steht. Ihr folgte ein spontaner Beitrag von Dr. habil. András F. Balogh, Professor für Deutsche Literatur aus Südosteuropa an der Babeş-Bolyai-Universität, der der Veranstaltung als Gast beiwohnte. Balogh war als junger Student in den Genuss von Motzans Vorlesungen gekommen und schwärmt von ihm als „guter Lehrer“. Mittlerweile ist Balogh selbst in die Fußstapfen von Peter Motzan getreten und lehrt am Departement für Germanistik in Klausenburg. In seiner Laufbahn hat er in zahlreichen Projekten und Veranstaltungen immer wieder mit ihm zusammengearbeitet und schätzt ihn als wertvollen Wegbereiter.

Der Mitinitiator und Mitorganisator des Symposiums Prof. Dr. Anton Sterbling schilderte in seinem Vortrag etliche für ihn prägende Begegnungen mit Peter Motzan. Er begann mit einer heiteren Anekdote über ihre erste Begegnung in Temeswar, bei der in einer Gesellschaft aus einer Albernheit heraus mit linguistischer Ernsthaftigkeit diskutiert wurde, ob es nun der, die oder das Wodka heiße, bei der er aber nur wenige Worte mit dem von ihm bewunderten Motzan wechseln konnte. Weiter schildert er Situationen, in denen er sowohl Lob als auch schonungslosen und lange nachhallenden Tadel von dem Literaturkritiker erhielt. Motzan, als bekennender Fußballfan, behauptet von sich selbst, er habe stets „in der Regionalliga“ gespielt und meint damit seine intensive und extensive Auseinandersetzung mit der Regionalliteratur aus dem südöstlichen Europa. Dazu spekulierte Sterbling, dass in Motzans ambivalentem Verhältnis zu ebendieser Regionalliteratur der Ausgangspunkt und die Begründung für seine treffliche, mitunter auch beißende Kritik liegt.

Dr. Kurt Thomas Ziegler schilderte Begegnungen mit Peter Motzan als Kinder in der Hermannstädter Gesellschaft, in der sich bereits ihre Mütter kannten und sie als Jungen den schulischen Pflichten, aber noch viel lieber den freizeitlichen Vergnügungen nachgingen. Die Wege der beiden kreuzten sich erneut an der Universität in Klausenburg und von da an immer wieder. Nach Zieglers Emigration nach Österreich 1977 verfolgte dieser das Schaffen von Motzan aus der Distanz jedoch mit unverminderter Bewunderung. Besonders beeindruckte Ziegler das, wie er es nennt, „epochale Standardwerk“ „Die Rumäniendeutsche Lyrik nach 1944 – Problemaufriss und historischer Überblick“ aufgrund der reichen Wissensvermittlung und der virtuos gehandhabten Sprache. Auch basierend auf Motzans späterer Tätigkeit in Deutschland, so Ziegler, gebe es jedenfalls keinen Grund sich selbst als Schmalspurgermanistiker zu bezeichnen, wie dieser es gelegentlich tut.
Thomas Seiler begleitete die Veranstaltung ...
Thomas Seiler begleitete die Veranstaltung musikalisch am Flügel.
Wortgewaltig und anregend präsentierte der Autor, Publizist und Übersetzer Georg Aescht seine Sicht auf Peter Motzan und dessen Werk. Unterstrichen durch zahlreiche Zitate von Motzan selbst sowie von dessen Kollegen und Lieblingsautoren zeichnete Aescht ein wohlwollendes und dennoch realistisches und nicht übertrieben schmeichelndes Bild seiner Arbeit im sozialistischen Rumänien mit all seinen Hürden und Repressalien. Zum Ende der Veranstaltung wurde – insbesondere auch auf Wunsch des Jubilars – dem Impulsgeber dieses Symposiums Hellmut Seiler auf besondere Weise gedacht. Seine Beiträge zum 80. Geburtstag seines Vorbilds und Kollegen Motzan hatte er lange vor seinem viel zu frühen Tod verfasst. Einige seiner Texte und Gedichte wurden von seiner Witwe Eva Seiler-Iszlai und Olivia Spiridon verlesen und mit Fotos untermalt.

Musikalisch wurde der Tag virtuos begleitet von Thomas Seiler, dem Sohn des Verstorbenen, der seinem Vater damit einen Herzenswunsch erfüllte und das Publikum mit Stücken von Bach bis Blues am Flügel verzauberte. Das Schlusswort gebührte dem Jubilar selbst, der sich entgegen seiner gewohnten Sprachgewandtheit, beinahe sprachlos und überwältigt zeigte ob der zahlreichen Glückwünsche seiner Kollegen. Das Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen dankt den Referenten des Tages und den Organisatoren sowie auch den zahlreichen Gästen herzlich für diese gelungene Veranstaltung.

Kerstin Arz

Schlagwörter: Literatur, Motzan, Autor, Germanist, Jubilar

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