8. Mai 2006

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Roland Phleps: Die Freude des Arztes an der Kunst

Der Stahlbildner Roland Phleps hat sein jüngstes Schaffen in einem neuen Bildband dokumentiert: "Stahlskulpturen IV. Werkauswahl 2003-2005", Rombach-Verlag, Freiburg im Breisgau/Berlin 2006, 160 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 3-7930-5017-3.
Hermannstadt, einst die sächsische "Haupt- und Hermannstadt" Siebenbürgens, wo Roland Phleps geboren wurde, war eher von Musik denn von bildender Kunst geprägt. Die zu Klassikern moderner siebenbürgischer Kunst gewordenen Maler und Grafiker stammen vorwiegend aus der anderen sächsischen Stadt mit vergleichbarem Führungsanspruch: Kronstadt. Bildhauerei allerdings fand weder hier noch dort geeigneten Nährboden. Dass sich ein Arzt der Skulptur zuwandte und auf diesem Gebiet beachtliche Erfolge erzielte, darf deshalb einmalig genannt werden.

Mit dem Bildband, der den seit 1997 erschienenen drei ebenfalls reich illustrierten Publikationen folgt, dokumentiert Phleps sein jüngstes Schaffen. Auf 20 Textseiten geht er auch auf allgemeine Themen der Kunst ein, die er mit seiner eigenen Arbeit in Beziehung setzt, so in den Kapiteln "Zwei Begriffe: komplex und kompliziert" und "Über die Schönheit in der bildenden Kunst".

Der Arzt und Bildhauer Roland Phleps mit seiner Skulptur
Der Arzt und Bildhauer Roland Phleps mit seiner Skulptur "Kreisbogen-Viereck (Labrys) 2", Stahl, 2005, Höhe 91 cm.
Auf vielen der 127 Bildseiten sind Skulpturen aus mehreren Blickwinkeln abgebildet, was den Betrachter anregt, sie in der Vorstellung zu umschreiten und die bewegten Gestalten und den Rhythmus im Zeitlauf zu erleben, ähnlich wie Musik wahrgenommen wird. Genausowenig wie die Musik haben die Skulpturen von Roland Phleps abbildenden Charakter.

Auf zwei Seiten dieses Bandes IV werden in chronologischer Folge die biographischen Daten des Künstlers vermittelt, von seinem Geburtsjahr 1924 bis zum Jahr 2005, als einige seiner Werke in der Ausstellung "Licht - visuelle Energien" an der Technischen Universität Dresden zu sehen waren. Nach dem Medizinstudium in Tübingen und Göttingen war Phleps in Kliniken und Krankenhäusern Assistenzarzt, bis er 1959 die eigene Arztpraxis als Neurologe und Psychiater in Freiburg eröffnete. 1983 wendet er sich dem bildhauerischen Schaffen zu, zunächst mit experimentellen geometrischen Konstrukten in Aluminiumblech. Ab 1992 entstehen, "nach langen und erfüllten Jahrzehnten im Arztberuf", seine "konkreten" Skulpturen aus gebogenem Edelstahlblech, mit denen er alsbald einen eigenständigen Platz unter den zeitgenössischen deutschen Stahlbildnern einnimmt. Bei der Herstellung der Skulpturen kommen neben der Handarbeit computergestützte Laser-Schneidetechnik, präzise Rundungsmaschinen und moderne Schweißverfahren zum Einsatz.

Seine Arbeiten 2003-2005 gliedert der Künstler in sieben Werkgruppen, die z. B. "Sinuskurven - Vierecke" oder "Gitter" überschrieben sind und von ihm erläutert werden, nicht selten aus geometrisch-konstruktiver Sicht, die für ihn, den Arzt, einen der Wege zur Kunst öffnet. Das Kapitel "Warum ‚konkrete' Kunst?" dient natürlich sowohl allgemeinen Betrachtungen als auch der Erläuterung des eigenen Schaffens.

1999 gründete Phleps eine Stiftung, legte in Freiburg-Zähringen einen Skulpturenpark an und ließ eine Ausstellungshalle bauen. Hier zeigt er seine Arbeiten, lässt aber auch dreimal jährlich eingeladene Künstler ihre Werke ausstellen. Der Leser erfährt ferner, wo die großen "Skulpturen unter freiem Himmel" vor öffentlichen Gebäuden und in Parkanlagen zu sehen sind.

Unter den "Biographischen Daten" sind seine Ausstellungen vermerkt: viermal in Freiburg, viermal in Essen, zweimal in Dresden, schließlich in Düsseldorf, Erfurt und Badenweiler. Die Liste ist durchaus imponierend, weiß man doch, dass Malerei- und Grafikausstellungen einfacher zu veranstalten sind als solche der Bildhauerei.

Dieses Buch verrät wie seine Vorgänger die Freude des Arztes und Stahlbildners am künstlerischen Schaffen und vermittelt einen bleibenden Eindruck von der Ausstrahlung seiner Werke und ihrer Wirkung in der Öffentlichkeit.

Günther Ott (KK)

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 7 vom 30. April 2006, Seite 7)

Schlagwörter: Rezension, Künstler

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