16. Juni 2006

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In Dinkelsbühl: Ausstellungen als Publikumsmagnet

Das kulturelle Rahmenprogramm des diesjährigen Heimattages war vielfältig wie selten zuvor. Neben den Preisverleihungen am Pfingstsonntag, neben Buchpräsentation und Fotoausstellung, Keramik und Goldschmiedekunst, Dichterlesung und Diavortrag lockten insbesondere drei Ausstellungen mit thematisch sehr unterschiedlichen Schwerpunkten erfreulich viele Besucher an. Breit war das Spektrum, das von der Dokumentationsausstellung „Die Schulen der Siebenbürger Sachsen“ über eine Präsentation sächsischer Archive in Deutschland und Siebenbürgen bis hin zur Kunstausstellung „Trude Schullerus“ reichte.
Bei den drei Ausstellungseröffnungen am Pfingstsamstag drängte sich ein neugieriges Publikum in den jeweiligen Ausstellungsräumen. Den Anfang machte die Dokumentationsausstellung „Die Schulen der Siebenbürger Sachsen“, zu der Dr. Bernd Fabritius, stellvertretender Bundesvorsitzender, im Evangelischen Gemeindehaus Sankt Paul u. a. Konsulent Dr. Fritz Frank, Ehrenobmann der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Dr. Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Siebenbürger Sachsen in Rumänien, ferner seitens der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland den Bundesvorsitzenden Dipl.-Ing. Arch. Volker Dürr mit Gattin und Tochter sowie Peter Pastior, Vorsitzender des Sozialwerks, begrüßte. Fabritius stellte den aus Scholten stammenden Ausstellungsmacher Michael Schneider, Leiter des Schulmuseums Nürnberg, vor und wies auf die Möglichkeit hin, den begleitend gezeigten Dokumentarfilm „Schulzeit in Siebenbürgen. Ausgewählte Erinnerungen“ am Infostand als DVD oder VHS käuflich zu erwerben (noch erhältlich gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro in der Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft, Telefon: 0 89 / 23 66 09 10).


" Familienzusammenführung" der besonderen Art: Gudrun Schuster, ehemalige Lehrerin am Honterusgymnasium, "entdeckt" auf der Fotografie in dem Volksschullehrer Michael Guist ihren Großonkel und daneben zwei Tanten und einen Onkel. Foto: Christian Schoger

Wie Schneider in seiner Einführung erläuterte, behandelt die Ausstellung schwerpunktmäßig die Blütezeit des Schulwesens der Siebenbürger Sachsen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, ebenfalls den Niedergang in der Diktatur und „Die Schule im Gepäck“ im zeitlichen Kontext der Integration der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Schneider, der sich zum Alter der siebenbürgisch-sächsischen Schulen, ihrer Qualität und Bedeutung eingehend äußerte, lenkte das Interesse der Ausstellungsbesucher auf die gesondert vorgestellten Lehrerpersönlichkeiten, wie Georg Daniel Teutsch (1817-1893), respektive seinen Werdegang vom Gymnasiallehrer zum Bischof, oder Michael Guist (1874-1951), der als Volksschullehrer und Rektor in Wolkendorf und Neustadt über ein halbes Jahrhundert lang gewirkt und in dieser Zeit fünf Diensteide abgelegt hat. Angesichts der vielfältigen, zudem anschaulich dargestellten Aspekte des Schulwesens dürfte beinahe jeder interessierte Besucher der Ausstellung einen persönlichen Anknüpfungspunkt gefunden haben. Die als Wanderausstellung konzipierte, gehaltvoll-informative Schau umfasst 38 Bild- und 18 Texttafeln sowie eine Vitrine und kann zu geeigneten Anlässen (z. B. Kulturveranstaltungen oder besondere Festivitäten von Kreisgruppen oder Heimatortsgemeinschaften) ausgeliehen werden bei Michael Schneider, Telefon: (09 11) 5 30 25 74, E-Mail: mischnei@ewf.uni-erlangen.de
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“Glänzende Augen vor verstaubten Regalen“


Die unter diesen Titel gestellte, im Konzertsaal (Im Spitalhof) gezeigte Dokumentationsausstellung des Siebenbürgen-Instituts Gundelsheim stellte die bedeutsamsten sächsischen Archive in Deutschland und Siebenbürgen exemplarisch vor. Die Ausstellung thematisierte, auf 15 Bild- und Texttafeln konzentriert, ausgehend von unserem in Gundelsheim gelagerten „National-Archiv“ und seinen reichen Beständen, auch das Evangelische Zentralarchiv im Friedrich-Teutsch-Haus in Hermannstadt sowie die Gemeindearchive in Kronstadt und in Zeiden. Darüber hinaus barg eine Vitrine eindrucksvolle Schätze, Kostbarkeiten aus den historischen Archivbeständen wie eine Urkunde des Bistritzer Rates aus dem 15. Jahrhundert, auf die Dr. Harald Roth in seiner Einführung aufmerksam machte. Der Wissenschaftliche Leiter des Siebenbürgen-Instituts Gundelsheim unterstrich die Tragweite der Aufgabe, Archive zugänglich und bekannt zu machen, im Interesse der Forschung und der öffentlichkeitswirksamen Vermittlung geschichtlicher Kenntnisse. Der Historiker schilderte den Weg des an der Schwelle zur Frühen Neuzeit begründeten sächsischen Nationsarchivs in Hermannstadt über die Jahrhunderte, bis es 1937 in den Besitz der Evangelischen Kirche überging, nach dem Krieg, per Enteignung durch die kommunistischen Machthaber, zum Staatsarchiv wurde. Seit 1990 sind die reichen Schätze des Archivs in der Armbrustergasse wieder allgemein zugänglich. 2006 wurde das Gebäude der Landeskirche rückerstattet, wobei, so Roth, das Eigentumsrecht an den Beständen noch geklärt werden müsse.

Das Archiv des Siebenbürgen-Instituts in Gundelsheim bewahrt auf bald zwei Regalkilometern umfangreiche Bestände aus vier Jahrhunderten, systematisch erschlossen und sortiert, mit speziellen Abteilungen, wie Fotografien, Siegel, Banknoten, Aktien, Briefmarken, Mundartaufzeichnungen auf Tonträgern, Plakate oder historische Landkarten etc. Hier werden einerseits historische Zeugnisse, Schriftgut der Zeit vor 1945 gesammelt, andererseits sämtliche Archive der Institutionen, Verbände, Vereine der Siebenbürger Sachsen nach 1945 im westlichen Europa aufgestellt und erschlossen. Überdies werden hier systematische Sammlungen zu sächsischen Persönlichkeiten und Orten geführt und Nachlässe aufgenommen. „Es geht wenig verloren“, bemerkte Roth und rief dazu auf, dass ein jeder seinen Beitrag zur kontinuierlichen Vervollständigung der Sammlungen leisten könne und solle. Nicht zuletzt kam der Historiker noch auf das internationale Großprojekt der Honterusgemeinde Kronstadt zur Erschließung des reichhaltigsten evangelischen Gemeindearchivs Siebenbürgens sowie auf das beispielgebende Gemeindearchiv in Zeiden zu sprechen. Die anschaulich aufbereitete Archivalienausstellung bot den Besuchern eine Fülle weitergehender Informationen.

Werkschau Trude Schullerus (1889-1981)


Rund 40 Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken von Trude Schullerus, eine Auswahl aus den bedeutendsten Schaffensperioden der siebenbürgischen Malerin, waren aus Anlass ihres 25. Todestages im Ausstellungsgewölbe, Im Spitalhof, zu sehen. Zur Eröffnung der Ausstellung des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim in Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland begrüßte Karin Servatius-Speck am Pfingstsamstag ein zahlreiches Publikum. „Das Siebenbürgische Museum Gundelsheim tritt funktionsfähig an die Öffentlichkeit“, erklärte die Stellvertretende Bundesvorsitzende hinsichtlich der Realisierung dieser Kunstausstellung. Servatius-Speck dankte besonders dem vor Ort anwesenden Prof. Dr. Andreas Möckel (Würzburg), Neffe der Malerin, der für diese Ausstellung 21 Werke aus seiner Privatsammlung als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat.

Trude Schullerus:
Trude Schullerus: "Bildnis eines Jungen", 1933, Öl auf Leinwand. Der Leihgeber Prof. Dr. Andreas Möckel neben seinem Portrait, das Trude Schullerus von ihrem sechsjährigen Neffen anfertigte. Foto: Christian Schoger

Als eine „Klassikerin der siebenbürgischen Kunst“ bezeichnete Marius Tataru, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Siebenbürgischen Museum Gundelsheim, die vor einem Vierteljahrhundert im Alter von 91 Jahren verstorbene Malerin. Trude Schullerus sei eine Einzelgängerin unter den wichtigen siebenbürgischen Malern des 20. Jahrhunderts gewesen, denn kaum einer „bewegte sich wie sie mit solch unbeschwerter Selbstverständlichkeit (...) auf dem grundsätzlich traditionellen wie auch traditionsreichen Gebiet der heimatmotivierten Kunst“. In ihren Bildern ließe sich „eine wahre Flut von typisch ‚siebenbürgischen’ Motiven, darunter Szenen aus dem Dorfleben, Kirchenburgen, Stadtansichten“, finden. Bei genauerem Hinsehen könne man, so Tataru, jedoch wahrnehmen, dass es sich, des Inhalts nach, um „heimatthematisierende Bilder“, weit entfernt „vom romantisch-pathetisierenden Getue heimattümelnder Darstellungen“, handle. Ihren nach 1932 kristallisierten Stil habe Trude Schullerus, unbeeinflusst von der Moderne und Avantgarde, nie aufgegeben, wie auch diese Ausstellung zeige. „Es ist eine Bilderwelt, von der man keine Überraschungen erwartet, die man gelassen betrachtet, weil sie Beständigkeit vermittelt.“, beschloss Marius Tataru seine Einführung, die eine fundierte Grundlage bot für die in Dinkelsbühl gezeigte, sehenswerte Werkschau.

Christian Schoger

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 10 vom 20. Juni 2006, Seite 11)

Schlagwörter: Heimattag, Dinkelsbühl, Ausstellungen

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