23. April 2007

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Lebendiges Kunsterbe: Roswitha Etter

Weit über den Familien- und Freundeskreis hinaus bekannt, war die am 27. Februar diesen Jahres im Alter von 88 Jahren in Heilbronn verstorbene Keramik- und Fayenceschöpferin Roswitha Etter, geb. Möckesch, einer jener Menschen, denen nahe gestanden zu haben auf den Lichtseiten des Lebens verbucht werden darf.
Am 22. Mai 1919 im burzenländischen Rothbach als Pfarrerstochter geboren und mit elf Geschwistern aufgewachsen, gehörte die seit 1962 mit ihrem Ehemann Erwin und zwei Kindern in Deutschland lebende Frau zu den warmherzigen, zuverlässigen, klugen Naturen, die privat wie beruflich zurückhaltende und dennoch spürbare Anziehungs- und Ausstrahlungskraft besaßen.

Wer sie während der drei Jahrzehnte ihrer vielbeachteten Ausstellungen mit selbstentworfenen und in eigenem Produktionsverfahren hergestellten Keramik- und Fayence- (Majolika-) Schöpfungen in Dinkelsbühl ansprach, sah sich einer selbstbewussten Persönlichkeit gegenüber, in der aufgeschlossenes Entgegenkommen, eine tief wurzelnde Lebensheiterkeit und professionelle Kompetenz die glücklichste Verbindung eingegangen waren.

Die Absolventin des Evangelischen Mädchenlyzeums in Hermannstadt hatte sich schon vor der Aussiedlung mit der Malerei siebenbürgisch-sächsischer Volkskunstmotive auf Holz beschäftigt. Die Anregungen, die dazu gerade in Hermannstadt vom Sebastian-Hann-Verein bis zu dessen gewaltsamer Auflösung 1946 durch die Bukarester Regierung ausgingen, spielten dabei ebenso eine Rolle wie die Bekanntschaft mit der Bauernmalerei dank der ländlichen Pfarrstellen des Vaters. In Deutschland kam Roswitha Etter dann mit Werkstatt nebst Brennöfen und Formenbauanlagen, die ihr Mann betreute, zu einer bisher einmaligen Entfaltung an siebenbürgischen Überlieferungen orientierter Keramikschöpfung. Trotz aller andersartigen Ortnamententwürfe blieb sie im Wesentlichen den mitgebrachten traditionellen Motiven treu und schuf Krüge, Teller und Dekorstücke von großer künstlerischer Schönheit. Ihre Ausstellungen waren ehemals Glanzpunkte in den Kulturprogrammen der Pfingsttreffen.

Nicht übersehen werden darf der pädagogische Eros dieser Frau: In Kursen, die den Beteiligten unvergessen bleiben, brachte sie im Laufe der Heilbronner Jahrzehnte über 300 Kindern – aber auch Erwachsenen – die Grundbegriffe der Keramik- bzw. Majolikmalerei bei. Mit Verve, mütterlicher Geduld und Akribie lehrte sie eine Kunst, die ihr im Laufe des Lebens mit ihrem Formen- und Farbenreichtum zum Spiegelbild der eigenen Persönlichkeit wurde. Wer diese kannte, wird mit Zuneigung und Hochachtung an sie denken.

Hans Bergel

Schlagwörter: Nachruf, Kunsthandwerk

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