18. März 2009

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Salz und Silber in Siebenbürgen

Salz und Silber haben über Jahrhunderte hinweg Siebenbürgen geprägt. Diese Zusammenhänge zu erforschen hat sich vor mehr als zehn Jahren das gemeinsame Projekt des Deutschen Bergbaumuseums Bochum, des Staatsarchivs Klausenburg und des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim zum Ziel gesetzt. Bei Beginn des Projekts im Jahr 1997 – die ersten Überlegungen reichen gar in das Jahr 1994 und die Ausstellung „Bernstein – Tränen der Götter“ zurück – hat sich wohl kaum jemand vorstellen können, wie vielfältig die Erkenntnisse aus der gemeinsamen Feldforschung, den Ausstellungen und den Buchprojekten sein würden.
Die bisherigen Ergebnisse des Forschungs- und Ausstellungsprojekts sind beeindruckend: Das Projekt „Salz und Silber in Siebenbürgen“ begann 1997 und fand 2000 in einer sehr gut besuchten Ausstellung und einer dreibändigen Publikation seinen Niederschlag. Die Ausstellung im Deutschen Bergbaumuseum wurde anschließend im In- und Ausland gezeigt, unter anderem in der Ferula von Hermannstadt sowie im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm. Daran schloss sich ein weiteres Forschungs- und Ausstellungsprojekt unter dem Titel „Das Gold der Karpaten – Bergbau in Roşia Montană“ an, das im Oktober 2002 in einer großen Ausstellung endete. Zu dieser Ausstellung erschienen drei weitere Bände der Publikationsreihe. Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt der Jahre 2003 und 2004 widmete sich dem von deutschen Kolonisten geprägten Bergbau von Rodenau. Es endete mit einer Ausstellung in den rumänischen Museen von Bistritz und Baia Mare, dazu erschien ein weiterer Band der Publikationsreihe. Das vorletzte Forschungs- und Ausstellungsprojekt widmete sich dem historischen Bergbau von Nagyág (Săcărâmb, Großast). Es setzte im Herbst 2005 ein und wurde Ende 2006 beendet. Die Ergebnisse spiegelten sich in zwei Ausstellungen (im Kreismuseum für Dakische und Römische Kulturgeschichte Deva und im Brukenthal-Museum Hermannstadt) sowie in einer umfangreichen Publikation (Salz und Silber in Siebenbürgen, Band 8) wieder. Denkmal für Joseph Franzenau in Nagyág. ...Denkmal für Joseph Franzenau in Nagyág. Franzenau, eine der markantesten Persön­lich­keiten im siebenbürgischen Bergbau, hat sich auch bleibende Verdienste als Erforscher der Schmetterlinge Siebenbürgens erworben. Durch diese Synthese gelang es, die hohe Bedeutung des Bergbaus als Katalysator der vor allem von Deutschen, aber auch von Ungarn und Rumänen sowie den befassten jüdischen Schichten geprägten Kulturentwicklung Siebenbürgens grundsätzlich und in eindeutiger Weise zu dokumentieren und zu belegen. Beispielhaft sei hier Band 8 der Schriftenreihe kurz vorgestellt: Die in zwei Teilbänden erschienene Veröffentlichung beeindruckt schon durch ihr Gewicht (4,6 kg), die exzellente graphische Qualität (gedruckt auf Kunstdruckpapier), die reiche Bebilderung (mehrere hundert Fotos, zum Teil in Farbe) und – als Entscheidendes – durch den hochinteressanten Inhalt. Der erste Teilband enthält neben Gruß- und Vorworten eingangs einige Luftbilder sowie eine Zeittafel zur Geschichte des Bergbaus in Săcărâmb. Es folgen neun Aufsätze zur Geschichte des Bergbaus in dem Ort und seiner Umgebung. Daran schließt sich die methodische Hinführung zu den Regesten und Urkunden an. Der Abdruck der Urkunden erfolgt ebenfalls in Teilband I. Der zweite Teilband enthält nicht weniger als 52 historische Beschreibungen, Reiseberichte, Gutachten sowie mineralogisch-geologische und montanhistorische Darstellungen.

In dem inzwischen angelaufenen letzten Teil des Forschungsprojekts werden die Bergorte Offenberg (Baia de Arieş/Offenbánya), Altenberg (Baia de Criş/Körösbánya), Pernseifen (Băiţa) und Brad untersucht. Stellvertretend für die beiden anderen Orte sei nachfolgend die Bedeutung des Bergbaus für Offenburg dargestellt: Offenburg erhielt im Jahre 1325 das Privileg der Bergfreiheit, die 1365 von König Ludwig I. bestätigt wurde, sowie eine eigene unmittelbare Gerichtsbarkeit und das Recht zur Prägung von Goldmünzen. Die Stadt war zu jener Zeit auf Grund der reichen Erzanbrüche Königsbesitz. Offenburg gehörte im 15. Jahrhundert neben Altenberg, Großschlatten und Kreischquell (Crişcior), später statt des letzteren Pernseifen zum Bund der vier Bergstädte Siebenbürgens, die sich als Abgabenverband bereits um 1440 zusammengeschlossen hatten. Im 16. Jahrhundert wurde in Offenburg, nachdem die ungarischen Könige ihr Bergareal an höhere Amtsinhaber verpachtet hatten, ein Kammerhof mit Schmelzhütten und Scheidanstalt eingerichtet. Trotz der Anstrengungen einiger siebenbürgischer Fürsten (z.B. von Johann Zápolyas), den Bergbau in Offenburg zu fördern, kam der Bergbau unter seinen Nachfolgern zum Erliegen. Doch nahm das Montanwesen im 18. Jahrhundert unter den Habsburgern einen erneuten Aufschwung. Nach der Errichtung der Bergwerksdirektion in Großschlatten im Jahre 1764 erhielt Offenburg im Jahre 1771 ein eigenes Bergamt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in Offenburg der „Tiefste Glückauf- und Wetterstollen“ angeschlagen. Am Ende dieses Jahrhunderts wurden die Bergwerke, die u. a. das berühmte Schrifttellur (Sylvanit) sowie Gold, Fahlerze und silberhaltigen Bleiglanz förderten, nur noch schwach betrieben. Im 20. Jahrhundert lebte der Bergbau noch einmal auf, heute sind alle montanistischen Aktivitäten eingestellt.

Das laufende Projekt besteht aus mehreren Bausteinen: Untersuchung, Auswertung und Edition der vorhandenen archivalischen, montanhistorisch ergiebigen Quellen in den Außenstellen des Rumänischen Nationalarchivs in Klausenburg (Montan-Thesauriat als dem zentralen siebenbürgischen Archiv für das Montanwesen, Archiv des Oberbergamtes und der Klausenburger Bergwerksdirektion) als auch in Deva; Bestandsaufnahme der Geschichte der Bergorte in der zeitgenössischen wissenschaftlichen, vorwiegend geologisch-mineralogischen Literatur; Bestandsaufnahme der historischen Montanspuren „vor Ort“; Ausstellung über den historischen Bergbau in den drei Bergorten, die in Zusammenarbeit mit dem Kreismuseum Deva für Dakische und Römische Kulturgeschichte im Nationalmuseum der Vereinigung Rumäniens in Karlsburg (Alba Iulia) und in weiteren Museen stattfinden soll.

Als Ausstellungskatalog wird dabei eine umfangreiche Publikation dienen, welche folgende Themenbereiche umfassen soll: Geologie und Lagerstätten, Geschichte und Entwicklung der Bergorte, heutige Gestalt der Bergorte, Denkmäler/Sachzeugen des Montanwesens in den Bergorten, archivalische Quellen, Bergorte und ihr Montanwesen in der Literatur. In einem Teilband wird zum ersten Mal das bekannte Werk von Samuel Köleséri, „Auraria Romano-Dacica“ (zweite Auflage Pressburg, 1780), aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Dieses Buch wird als Band 9 der Publikationsreihe „Salz und Silber in Siebenbürgen“ herausgegeben.

Mit den Arbeiten an diesem letzten Projekt wurde Mitte 2008 begonnen. Die Ausstellung soll in der zweiten Jahreshälfte 2009 eröffnet werden; zeitgleich soll der Ausstellungskatalog aufgelegt werden. Als Band 10 ist ein Gesamtregister für alle bisher erschienenen Bände geplant und zwar für montanistische und soziale Institutionen, Beamte, Gewerke, Grubenreviere und die Namen der wichtigsten Stollen.

Schriftenreihe Salz und Silber in Siebenbürgen

Die bislang acht Bände umfassende Schriftenreihe „Salz und Silber in Siebenbürgen“ behandelt den Metallerz- und Salzbergbau in Siebenbürgen und seine Auswirkungen auf die Kulturentwicklung der Region um Hermannstadt, Klausenburg und Kronstadt.

Die ersten drei Bände (Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbaumuseum, [DBM], Nr. 85) sind zugleich der Ausstellungskatalog der gleichnamigen Sonderausstellung des DBM vom 27. August bis 31. Dezember 2000 und setzen sich aus einem Aufsatzband zur Entwicklung des Bergbaus (einschließlich des Katalogs der ausgestellten Exponate) sowie aus zwei Urkundenbänden zusammen mit bislang unedierte Urkunden des Montanthesaurariats in Klausenburg/Cluj-Napoca, des Oberbergamtes und der Klausenburger Bergwerksdirektion.

Der vierte Band dieser Reihe (DBM 112) bezieht sich auf die Montangeschichte des wohl prominentesten siebenbürgischen Bergortes (Roşia Montană/Verespatak/Goldbach) und schildert ausführlich die Grundlagen und Ergebnisse dieser Entwicklung.

Der fünfte Band (DBM 111) publiziert Urkunden zum Bergbau von Roşia Montană, der sechste Band (DBM 101) gibt die ausdrucksstarken fotografischen Dokumente der drei Lichtbildner Arthur Oskar Bach, Albert Schotsch und Bazil Roman wieder, die in den 1920er und 1930er Jahren den urtümlichen Bergbau von Roşia Montană zum Thema ihrer Kunst erfasst haben. Die international bekannte Fotografie-Historikerin Dr. Sigrid Schneider/Essen hat diesen Band bearbeitet und ordnet das Œuvre der drei Fotografen sowie die einzigartigen Dokumente in die Geschichte der Fotografie ein.

Im Mittelpunkt des siebten Bandes (DBM 127) steht die Entwicklung des Bergortes Rodenau/Rodna in den Ost-Karpaten, der das älteste bislang bekannt gewordene deutsche Bergrecht in Südosteuropa aufweisen kann. Unter den Habsburgern entwickelte sich der Bergbau von Neuem und wird noch heute vom rumänischen Bergbauunternehmen REMIN betrieben. Die reichen Erzfunde von Rodenau führten im Mittelalter auch zur Blüte des benachbarten Bistritz/Bistriţa. Diese Abhängigkeit belegt die Publikation anhand bislang weitgehend unbekannter Archialien und Dokumente, eine Bestandsaufnahme der montanistischen Denkmäler in den beiden Städten ist beigefügt.

Der achte Band ist in dem nebenstehenden Beitrag vorgestellt.

Alle Bände sind lieferbar und können beim Deutschen Bergbaumuseum in Bochum bezogen werden: Am Bergbaumuseum 28, 44791 Bochum, Telefon: (02 34) 58 77-0, Fax: (02 34)-58 77-1 11, Internet: www.bergbaumuseum-shop.de.

Deutsches Bergbaumuseum

Das von Prof. Dr. Rainer Slotta – einem der Mitherausgeber der Schriftenreihe „Salz und Silber in Siebenbürgen“ – geleitete Deutsche Bergbaumuseum in Bochum (DBM, www.bergbaumuseum.de) ist mit seinen rund 400 000 Besuchern pro Jahr eines der meistbesuchten Museen der Bundesrepublik. Es ist das bedeutendste Bergbaumuseum der Welt und zugleich ein renommiertes Forschungsinstitut für Montangeschichte. Übertägige Ausstellungen und ein originalgetreues Anschauungsbergwerk im Untergrund des Museumsgeländes eröffnen den Besuchern Einblicke in die Welt des Bergbaus. Das Fördergerüst bietet einen phantastischen Blick über Bochum und das Ruhrgebiet. Forschungsschwerpunkte der Wissenschaftler sind „Geschichte und Technik des Montanwesens“ sowie „Dokumentation, Schutz und Erhaltung von Kulturgut vor allem des Montanwesens“. Die Forschung erstreckt sich dementsprechend nicht nur auf den Bergbau, sondern auch auf das Hüttenwesen. Förderverein des Museums ist die „Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau“ (VFKK).

Uwe Konst

Schlagwörter: Bergbau, Siebenbürgisches Museum

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