Kommentare zum Artikel

16. Oktober 2008

Kulturspiegel

Dieter Schlesak: Filmreifer Bestseller

Ein Buch, das dem Autor in siebenbürgischen Kreisen nicht nur Lob eingebracht hat, sondern (seltsamerweise) auch Kritik, die sich manchmal sogar zur Behauptung steigerte, Dr. h.c. Dieter Schlesak wäre ein „Nestbeschmutzer“, tritt seinen internationalen Siegeszug an. Hier wird ein Bereich unserer Vergangenheit betreten, in den sich bisher rumäniendeutsche Schrift­steller und Historiker oft nur zögerlich hineingewagt hatten. mehr...

Kommentare

Artikel wurde 31 mal kommentiert.

  • Karl

    1Karl schrieb am 16.10.2008, 08:46 Uhr:
    Ja, es ist immer begrüßenswert und sehr notwendig, wenn neue Fakten aus der Geschichte der Sb. Sachsen publiziert werden.
    Sicher enthältdiese Geschichte der Sb. Sachsen nicht nur Glanztaten, sondern auch Schandtaten, die bisher noch nicht der allgemeinen internationalen Öffentlichkeit bekannt waren.
    Die meisten Deutschen wissen auch heute nicht einmal, wer die Sb. Sachsen sind, geschweige denn weitere Details.

    Dieter Schlesak lebt in letzter Zeit von seinen oft marktschreierisch auf oberflächlich Lesende konzipierten Romanen, die keine Sachbücher sind.
    Wahrscheinlich ist ihm sein bisheriger Ruhm nicht genug.
    Dabei geht er von der Devise aus "Der Zweck heiligt die Mittel".

    Weil er kein wissenschaftlicher Autor ist, erlaubt er sich natürlich, frei zu sein in seinen Äußerungen und Interpretationen von realen Fakten.

    Oft tut er bei einem Erstkontakt sehr bieder um interessante Informationen zu erhalten, publiziert dann aber Daten, ohne um Erlaubnis gefragt zu haben.

    [...Die hier veröffentlichte Passage wurde wegen übler Nachrede vom Administrator entfernt...]

    Im Gegensatz dazu ist das Werk von Claus Stephani von einer hohen Integrität und Kontinuität.


  • bankban

    2bankban schrieb am 16.10.2008, 09:38 Uhr:
    Zum Artikel: "Prof. Dr. Zoltán Tibori Szabó" ist kein Professor, sondern promovierter Journalist und obwohl er durchaus an der Universität in Klausenburg unterrichtet, verdient er sein Geld hauptsächlich als Journalist der Klausenburger Tageszeitung Szabadság sowie als Korrespondent von Népszabadság (Budapest).
    Darüberhinaus: Die Behauptung, hier würde "ein Bereich unserer Vergangenheit betreten, in den sich bisher rumäniendeutsche Schrift­steller und Historiker oft nur zögerlich hineingewagt hatten" ist m.E. nicht zutreffend, bedenken wir die Publikationen von Roth, Böhm, Popa und darüber hinaus auch von Milata, Trasca, Ciobanu.
    Ein weiterer Punkt: ich möchte mal festhalten, wie schön ich es finde, dass Zoltán Hajdú nach seiner Beschäftigung mit der Schlattner-Bergel-Problematik, nach seiner Übersetzung von Schlattners Erstling, nun auch dieses Buch übersetzt und somit ein weiteres siebenbürgisch-sächsisches Thema der ungarischen Öffentlichkeit nahegebracht hat. Ein Lob hat er daher verdient.
    Zum Kommentar von Karl: Sie unterstellen ziemlich viel, was die Beweggründe des Autors Schlesak angeht... Was können Sie davon beweisen? Bankban
  • Bäffelkeah

    3 • Bäffelkeah schrieb am 16.10.2008, 09:56 Uhr:
    @bankban
    Karl schreibt mal wieder als selbsternannter Experte, in diesem Fall als Literaturkritiker. Sicher ist alles, was er behauptet, um den Schriftsteller Schlesak zu diskreditieren, fundiert und dokumentiert, oder etwa nicht, Herr Karl? Liefern Sie bitte schnell die Belege für Ihre für mein Empfinden niederträchtige Personen-Schmähung. Schäbig ist das!
  • The history of Igor

    4The history of Igor schrieb am 16.10.2008, 10:51 Uhr:
    Karl, wie kommen Sie denn bitte auf diese Behauptungen vis-a-vis Schlesak? Schikanieren? Plagiat? Ruhm- und geldgierig?

    Ich kenne da einen ganz anderen Dieter Schlesak, naemlich einen Schlesak der sich fuer andere Menschen interessiert, und auch sehr gekonnt und verstaendlich die Geschichten anderer Menschen nahebringen kann.

    Karl:

    "Weil er kein wissenschaftlicher Autor ist, erlaubt er sich natürlich, frei zu sein in seinen Äußerungen und Interpretationen von realen Fakten."

    Das nennt man kuenstlerische Freiheit. Dennoch haelt sich Schlesak sehr genau an faktische Gegebenheiten.

    Ich nehme an, Sie konnen all Ihre Aussagen mit Fakten belegen; sonst koennte man fast annehmen, dass Sie hier faktenlose Behauptungen aufstellen.
  • Karl

    5Karl schrieb am 16.10.2008, 11:12 Uhr:
    Genau: ich kann alles belegen.

    Bäffelkeä regt sich unnötig-unkontrolliert auf- eben wie eine Büffelkuh-- ohne vorher zu überlegen.

    Es ist eben wie immer hier: viel Aufregung um die Realität- jeder hat eben - hier zb Schlesak- von einer anderen Seite kennengelernt und meint es besser zu wissen als andere.

    Ich bin selbst gerne bereit, auch dazuzulernen, oder Fehler meinerseits zu korrigieren: also: bitte um Belege,daß dem nicht so ist, wie ich es geschrieben habe..

    Natürlich interessiert sich Schlesak sehr für andere Menschen- daraus erwachsen ja dann seine Texte.
    Ich will ihn nicht diskreditieren, dazu kenne ich ihn zu wenig. Die Informationen, die ich hier öffentlich gemacht habe, habe ich von Personen, die mit Schlesak zu tun hatten, und ihn besser kennen als ich. Ich selbst kenne Schlesak nur aus Diskussionen mit ihm, wobei ich ihm viel erzählt habe, und er es dann, ohne mich zu fragen, veröffentlicht hat.
    Weiterhin weiss ich, daß er, weil die HOG Schässburg seine Texte nicht so wie er wollte, im Heimatbuch publizieren wollte, sehr auf die Schässburger geärgert ist...
    --- und sicher kann ich Schlesak auch nicht diskreditieren--- dazu verfügt er über zu gute langjährige Kontakte in der Literaturszene in Deutschland- in der ich gar nicht drin bin.

    [Beitrag am 16.10.2008, 11:14 von Karl geändert]
  • Joachim

    6Joachim schrieb am 16.10.2008, 11:20 Uhr:
    Karl die Fliegenklatsche !
    Schlägt auf alles, was gerade noch zappelt.
    Mit freundlichem Gruß
    Joachim
  • Bäffelkeah

    7 • Bäffelkeah schrieb am 16.10.2008, 11:43 Uhr:
    Herr Karl, sind Sie eigentlich noch zu retten? Erst ziehen Sie über Schlesak her, dann verlangen Sie vom Forumteilnehmer, Ihre Schmähungen mit Belegen zu widerlegen. Aber das ist doch auf Ihrem "Mist" gewachsen. Es fällt mir schwer, Sie noch ernst zu nehmen. Dieses Verhalten ist dreist!
    Was würden Sie zu folgendem Fallbeispiel sagen? Jemand in diesem Forum verunglimpft Sie massiv. Sie verlangen Beweise bzw. Belege für seine Behauptungen. Diese Person entgegnet darauf: "Beweise mir doch das Gegenteil!"
  • Karl

    8Karl schrieb am 16.10.2008, 11:57 Uhr:
    Sicher benötigt Schlesak keine 2klassige Kindermädchen wie sie.

    Wenn meine schon seit Ewigkeiten bekannten Diskussionsgegner aus diesem Forum, hier wieder einmal unkontrolliert schreiben, zeigt das nur, daß sie keine ARgumente haben.

    Darauf gehe ich nicht mehr ein.
  • Administrator

    9Administrator schrieb am 16.10.2008, 12:10 Uhr:
    Hinweis: Ein Teil des ersten Kommentars von Karl wurde wegen übler Nachrede gelöscht, zudem wurde er wegen Missachtung der Forenregeln verwarnt.
  • Don Carlos

    10Don Carlos schrieb am 17.10.2008, 15:31 Uhr:
    „Wenn es einen Gott im Himmel gibt, Hans, “sagte ein KZ-Wärter aus dem Banat zu seinem Landsmann“, „dann werden wir diesen Krieg nicht gewinnen!“. Der Wärter verhielt sich jederzeit human und half den verfolgten Juden immer, wo und wie er konnte zu überleben.
    Nach dem Zusammenbruch 1945 verhalfen die geretteten Juden dann ihm und einigen Familien seiner Wahl zur Ausreise in die USA.
    Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt saß 1944 als junger Wehrmachtsoffizier im Saal des Volksgerichtshofs, zusehend, wie deutsche Widerstandkämpfer vor seinen Augen niedergeschrieen, verleumdet und abgeurteilt wurden, um später exekutiert zu werden. Schmidt, der heute zu seiner damaligen Haltung steht, nahm das offensichtliche Unrecht hin und fuhr fort, als Teil der Wehrmacht und im Einklang mit preußischer Pflichtethik Befehle auszuführen, die ihrem Wesen nach „verbrecherische Befehle“ aus dem Führerhauptquartier waren.

    Capesius, ein anderes Rad im Getriebe, legte sein Gewissen beiseite, und tat das, was man in Auschwitz von ihm erwartete:
    Er schickte Menschen in den Tod!

    Ob er einige von ihnen hätte retten können oder wollen?

    Danach fragt Schlesaks Buch! - Und nicht anders als in „Vlad. Die Dracula-Korrektur“ wieder „mit der Freiheit des Dichters“, nachdem er die Prozessakten des spät entdeckten und angeklagten Capesius gründlich studiert hat.

    Ein Dichter und Schriftsteller soll brisante Themen ansprechen, sie in die Diskussion einbringen. Er soll aufrütteln, aufklären und deuten, eben weil er per se eine moralische Instanz ist – und irgendwo auch ein Gewissen seiner Nation.

    „Ich habe Capesius persönlich kennen gelernt“, sagte mir ein aufrechter Siebenbürger Sachse vor einigen Monaten und fügte – auf Schlesaks Buch angesprochen - noch hinzu: "Capesius hat sich mir als anständiger Mensch präsentiert. Das war jedenfalls mein Eindruck!“

    Doch war er wirklich integer? Was besagen die Fakten? Und war er es auch damals in Auschwitz, wo er ein Teil einer verbrecherischen Ausrottungsmaschinerie war?
    Hat Capesius seinerzeit individuelle Schuld auf sich geladen?
    Oder war es ihm nur nicht möglich, sich der „Banalität des Bösen“ zu entziehen?
    Capesius war zufällig Siebenbürger Sachse wie der Retter von Tausenden von verfolgten Juden, Unternehmer Schindler "Deutscher" war.
    Beide waren eben nicht Prototypen ihrer Gemeinschaft oder ihres Volkes. Beide waren Einzelmenschen – und jeder handelte individuell und nur dem eigenen Gewissen folgend.
    Wie viele Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen wurden unfreiwillig und ungestraft den SS-Mannschaften zugeordnet? Mussten sie alle schuldig werden – oder gab es auch ein Entrinnen wie später unter der kommunistischen Diktatur, als nicht alle mitmachen und mitlaufen mussten?
    Solch moralische Aspekte herauszuarbeiten und literarisch darzustellen, gehört zum Aufgabenbereich des zeitkritischen Schriftstellers, der auch Tabus berühren und die Finger auf Wunden legen darf.

    Die Grenzen der schriftstellerischen Freiheit enden erst dort, wo Generalisierungen einsetzen und wo das eigenverantwortliche Handeln von Einzelmenschen auf ihre ethnische Einheit ausgedehnt wird. Ein „Alle-über-einen-Kamm Scheren“ darf es nicht geben, ebensowenig wie die von Nazis und Kommunisten praktizierte Sippenhaft und Kollektivschuldzuweisung.

    Noch bevor jetzt mit Anschuldigungen an die Adresse eines mutigen Autors begonnen wird, sollten möglichst viele Interessierte das die Gemüter erregende Buch Dieter Schlesaks lesen, und dies noch vor der Verfilmung. Nach differenzierter Analyse und Aufarbeitung wird sich dann auch herausstellen, was literarische Fiktion ist und was der historischen Wahrheit entspricht, der wir uns allesamt nicht entziehen können. Don Carlos.
  • Günther

    11Günther schrieb am 18.10.2008, 10:10 Uhr:
    Hallo, ich habe Schlesaks Lesung in Dinkelsbühl 2006 auf Video aufgezeichnet.

    Damit sich jeder selbst ein Bild von Schlesak machen kann, habe ich das Video (75 Minuten) nun online veröffentlicht.

    In der Lesung, die im Juni 2006 stattfand, erzählt er unter anderem auch über die Beweggründe die ihn den dokumentarischen Roman "Capesius, der Auschwitzapotheker" haben schreiben lassen (der dann im Oktober des selben Jahres erschien).

    Auch trug er in der damaligen Lesung einige seiner in deutscher Sprache geschriebenen Gedichte in Siebenbürgisch-Sächsisch vor, es sei "erstaunlich, wie nahe mir dabei meine eigenen Gedichte gekommen sind".

    Hier geht es zum Video: vimeo.com/1992081

  • Elsi

    12Elsi schrieb am 18.10.2008, 20:40 Uhr:
    Sehr beeindruckend - Danke für das Reinstellen der Videoaufzeichnung!
  • lori

    13lori schrieb am 18.10.2008, 21:46 Uhr:
    Hallo Don Carlos,

    zu Capesius, Roman, mögliche Verfilmung, kann ich nicht viel sagen, weil ich mit der Materie nicht befasst habe!
    Ich beziehe mich lediglich auf den 5. Abschnitt Deines Schreibens- schade, dass es hier nicht die Möglichkeit des Zitierens gibt.
    In der besagten Zeile stellst Du die Schriftsteller geradezu auf ein Podium. Aufrütteln, erklären, provozieren schön und gut, aber eine moralische Instanz? Das ist weit überzogen. Moralische Instanzen hat man während der Kindheit(Eltern, Grosseltern, Pfarrer, vielleicht den einen oder anderen Lehrer), aber als Erwachsener wenn man sie hat...bleibt man ein Kind. Keinen Menschen auf dieser Welt würde ich als moralische Instanz betrachten und schon gar nicht einen Schriftsteller. Dieser Tage spielt sich die Kirche wieder mal als Moralapostel auf, wegen der Finanzkrise. Dabei ist der Vatikan-100%-ig kann man das nicht beweisen- der grösste Stillhalter an den internationalen Börsen. Stillhaltergeschäfte sind nicht unbedingt tugendhaft, einige fordern sie zu verbieten.Ich glaube, Du hast weit über das Ziel hinaus geschossen!

    servus
  • bankban

    14bankban schrieb am 19.10.2008, 13:03 Uhr:
    Nicht in der Vehemenz, aber dem Inhalt nach schließe ich mich der Kritik meines Vorredners an. Der Klarheit halber zitiere ich die Stelle im Kommentar von Don Carlos, mit der ich auch nicht einverstanden bin: "Ein Dichter und Schriftsteller soll brisante Themen ansprechen, sie in die Diskussion einbringen. Er soll aufrütteln, aufklären und deuten, eben weil er per se eine moralische Instanz ist – und irgendwo auch ein Gewissen seiner Nation."
    "Per se" ist nämlich kein Mensch der Welt eine moralische Instanz.- Und schon gar nicht die Schriftsteller als solche. Oder war etwa Margul-Sperber eine moralische Instanz? Der mit seinen Lobhudeleien auf den Kommunismus? War etwa Gottfried Benn einer, obwohl er antisemitische und NS-nahe Töne von sich gab? Nein, sie können nicht als moralische Instanzen bezeichnet werden. Aber Schriftsteller, Dichter waren sie dennoch. Nur ist eben DIESE Aussage von Don Carlos falsifiziert, also widerlegt. Was den Rest anbelangt, gebe ich ihm aber Recht, obwohl ich schon glaube, dass das Buch von Schlesak, das ich vor kurzem gelesen, seine Frage beantwortet. Die nämlich, ob Capesius eine moralisch integre Person war. In meiner Erinnerung suggeriert nämlich Schlesak in seinem Buch durchaus eine Verbindung zwischen dem Zahngold der Häftlinge, die Capesius beiseite schaffte und der raschen Gründung der Apotheke 1950. Dazu hätte C. das Geld als Mitarbeiter einer anderen Apotheke zwischen 1948-1950 niemals anderswie kommen können. Also kann das mit seiner moralischen Integrität nicht so weit her sein. Das habe ich im Übrigen auch aus den Zitaten von ehemaligen Häftlingen herausgelesen...
    Bankban
  • seberg

    15seberg schrieb am 19.10.2008, 14:32 Uhr:
    Zitat Don Carlos: „Nach differenzierter Analyse und Aufarbeitung wird sich dann auch herausstellen, was literarische Fiktion ist und was der historischen Wahrheit entspricht, der wir uns allesamt nicht entziehen können“

    Ich finde es immer wieder erstaunlich und es bleibt mir unverständlich, Don Carlos, dass Sie literarische Fiktion und historische Wahrheit gegeneinander stellen – als wären sie Gegner! Sind nicht beide, Geschichtswissenschaft und Literatur, zwei verschiedene Versuche, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen?
    Die Sehnsucht nach endgültiger Klarheit über die „eine“ historische Wahrheit, „der wir uns allesamt nicht entziehen können“ finde ich verständlich, aber ohne „erfundene“ Geschichte(n), also ohne sog. „literarische Fiktion“ ist sie wohl nicht zu haben. Für einen gläubigen Menschen, der Sie doch sind, erst recht nicht, glaube (!) ich.

    Schlesak weiß wohl, warum er die Fiktion in seinen Büchern so betont und verteidigt. Wie schön, dass er die Deutung der Wahrheit (auch die über die moralische Integrität eine KZ-Apothekers, wo man doch geneigt ist, sofort aufzuschreien und mit dem Finger auf ihn zu zeigen) uns, den Lesern überlässt und sie uns nicht fertig vorsetzt! Gerade darin besteht doch der Anspruch des Künstlers (nicht des Menschen, bankban!), eine moralische Instanz zu sein.
  • lori

    16lori schrieb am 19.10.2008, 15:47 Uhr:
    Hallo Allerseits,

    Kollege Bankban, man könnte deine "Liste" noch weiter fortsetzen: Eminescu, Petöfy, waren Nationalisten bis auf die Knochen, die nicht mal vor einer Namensänderung(bitte kommt nicht mit dem Argument, dass Künstler, das oft tun)zurückschreckten.

    Kollege seberg,
    Beziehe mich auf Abschnitt 2: Nein, nein und nochmals nein! Geschichts(wissenschaft) ist Wissenschaft und kein Versuch; sie sollte der Wahrheit entsprechen, und wenn sie diesem Anspruch nicht gerecht wird, ist es keine Wissenschaft.
    Ich weiss immer noch nicht, ob im 15Jahrhundert in Schässburg die Pest grassierte oder nicht?("Vlad- Komplex" wer hat nun Recht, Kroner oder Schlesak? Das ist eine Frage die m.E. ein Historiker besser wissen müsste als ein Literat!Die auch leicht zu beantworten sein müsste.)
    Ausserdem machst Du eine Unterscheidung, der mir absolut nicht gefällt, zwischen Künstler(ergo auch Schriftsteller?!) und Mensch!Das erinnert mich an die rum. orthodoxen Pfarrer die folgende Doktrin vertreten: "Oamenii så facå ce zic eu, nu ceea ce fac eu"!(Die Leute sollen das tun was ich ihnen sage, nicht das, was ich tue) Und der Pfarrer ass am Karfreitag Fleisch!
    So, und jetzt kannst Du mir in deiner ureigenen Art "Schwarz- weiss- Denken" vorwerfen: bitteschön!

    Schönen Sonntag noch!

    servus
  • The history of Igor

    17The history of Igor schrieb am 19.10.2008, 16:01 Uhr:
    Was ist denn bitte Wissenschaft anderes als ein Versuch (!) etwas zu beschreiben oder erklaeren? Nichts von dem was die Naturwissenschaften und die Geisteswissenschaften machen ist *die* Realitaet sondern eine Repraesentation dessen; also *eine* Realitaet.

    Zur moralischen Instanz: Ich denke Schriftsteller und andere Denker sollten sehr wohl etwas zu moralischen und ethischen Fragen beizutragen haben, ja eine zentrale Rolle spielen. Zum Glueck haben sie was dazu zu sagen, sonst muessten wir uns auf Geschaeftsmaenner und Politiker verlassen.

    [Beitrag am 19.10.2008, 16:06 von The history of Igor geändert]
  • bankban

    18bankban schrieb am 19.10.2008, 18:56 Uhr:
    @ lori: Geschichtsschreibung ist m.E. eine Mischung aus Wissenschaft und Kunst. Das ist übrigens auch die heute weitgehend anerkannte (postmoderne) Ansicht im Gefolge von Hayden White & Co. Nur in Rumänien und manchen anderen osteuropäischen Ländern vertreten noch Hardliner a la Berindei und Pop die Meinung, es gäbe die Fakten und die Fakten und deren Aufzählung sei Wissenschaft.
    Nein, gute Geschichtsschreibung (denken wir an Klemperers Buch über Friedrich II.) geht über Aufzählung hinaus und deutet das Geschehene. Schlesaks Buch - obwohl keine Wissenschaft - hat gerade diesen Vorzug, dass es auf Fakten aufgebaut ein Roman ist.
    Außerdem: Sie trennen den Künstler vom Menschen um dem ersteren die Rolle der moralischen Instanz zuerkennen zu können. Gerade das geht aber nicht. Ansonsten könnte ich sagen: Matthäus war ein guter Fussballer, was geht mich der Rest an? Dass er nämlich sonst nichts in der Birne hat...Nein, gerade wenn wir von Integrität sprechen, gehört der ganze Mensch dazu. Thomas Mann, Bert Brecht waren privat vielleicht keine Heiligen und das wirft dann eben schon einen Schatten auf sie und ihr Werk. Dieses Werk gehört dennoch zum Besten der deutschen Literatur des 20. Jh. Bankban
  • lori

    19lori schrieb am 19.10.2008, 20:06 Uhr:
    Kollege Igor,

    1+1=2, das ist kein Versuch- mal von philosophischen Betrachtungsweisen abgesehen- das ist die Wahrheit! Mir ist bewusst, dass wir in vielen Bereichen des Seins die Wahrheit nicht kennen, aber in einigen schon.Wenn nicht, wäre die Welt eine Scheibe!Und das Schriftsteller "moralischer" sein sollen als Politiker oder Geschäftsleute ist ja Populismus à la Politiker, den wir immer wieder kritisieren.

    Kollege bankban:Geschichte, grundsätzlich d´acord mit deiner Aussage(eher keine Wissenschaft aber wenn sie seberg Geschichtswissenschaft nannte...) Ab "Außerdem" scheint ein Missverständnis vorzuliegen: ich meine man sollte eben NICHT Person von Beruf(ung) trennen. Des weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass wir uns in der Regel hier in den Foren duzen.

    Gruss
    Lori
  • seberg

    20seberg schrieb am 19.10.2008, 22:37 Uhr:
    An bankban: Ja, in Brechts und Thomas Manns Leben hat es gehörig unmoralisch „gemenschelt“ – und doch sind beide als Künstler hohe moralische Instanzen. Th.Mann: „Nur der Speißbürger glaubt, dass Sünde und Moralität entgegengesetzte Begriffe seien; sie sind eins; ohne die Erkenntnis der Sünde, ohne Hingabe an das Schädliche und Verzehrende ist alle Moralität nur läppische Tugendhaftigkeit“.
    Und an . . . na an wen wohl?: Bretter vorm Kopf hindern am Denken und Diskutieren!
  • bankban

    21bankban schrieb am 20.10.2008, 07:09 Uhr:
    @ seber: finde das Mann-Zitat sehr gut und stimme ihm voll zu. (Würde mich bloss interessieren, wie Hans Bergel es auf sein Verhältnis zu Schlattner anwenden würde...))) Meinst du, übrigens, mit "Bretter vorm Kopf hindern..." den ung. Philosophen György Bretter ... ? :_)))
    Bankban
  • Karl

    22Karl schrieb am 20.10.2008, 10:03 Uhr:

    9 • Administrator schrieb am 16.10.2008, 12:10 Uhr:

    Hinweis: Ein Teil des ersten Kommentars von Karl wurde wegen übler Nachrede gelöscht, zudem wurde er wegen Missachtung der Forenregeln verwarnt.

    Liebe Admins,
    Die Zensur meines Textes Ihrerseits finde ich übertrieben.

    Gerne können Sie mir die angedrohte Schreibberechtigung für dieses Forum sofort entziehen.

    Vielen Dank im voraus.
  • Bäffelkeah

    23 • Bäffelkeah schrieb am 20.10.2008, 11:02 Uhr:
    Karl, leider ist an Ihrer Formulierung von der "angedrohten Schreibberechtigung für dieses Forum" etwas dran - ein gelungener Freudscher Versprecher.
  • The history of Igor

    24The history of Igor schrieb am 20.10.2008, 15:41 Uhr:
    @Lori, ich will ja nicht auf solche Kleinigkeiten und Details eingehen, aber 1+1=2 ist nicht die Wirklichkeit sondern eine (sehr gut funktionierende) Abstrahierung. Dass sie ein jeder akzeptiert ist nur ein Beleg dafuer, dass sie sehr gut (vielleicht sogar perfekt) funktioniert.

    Im Uebrigen laesst sich die Geschichte nicht durch 1+1=2 erklaeren. Dazu ist sie viel zu kompliziert. Wir haben ja schon oefter darueber gesprochen ob es diesen Aha-Moment gibt, welches alles entbloesst und die Wahrheit kalt ins Gesicht scheinen laesst. Ich bin da - wie Du weisst - aeusserst skeptisch.

    Ausserdem ist *meine* Realitaet viel komplizierter als 1+1=2. Selten hilft mir 1+1=2 weiter.

    Gruss.
  • Don Carlos

    25Don Carlos schrieb am 20.10.2008, 18:34 Uhr:
    Zurück zu den Sachen, zurück zu den Fakten, hin zur Gewissheit! Schlesaks Buch über die Verstrickungen des Individuums Dr. Victor Capesius wurde als "dokumentarischer Roman" konzipiert, als Collage, weitgehend als Dokumentation, wo die "literarische Fiktion" keine besondere Rolle spielt.
    Der Dichter nimmt sich selbst zurück, er beschneidet seine kreative Freiheit, um andere sprechen zu lassen. Zeitzeugen reden, während der Schriftsteller nur als "Cicerone" wirkt,die Route bestimmt, um dann und wann einzugreifen - mehr oder weniger direkt bzw. indirekt wertend.
    Bereits das Sujet wertet. Auch das Arrangieren des Collagematerials ist Wertung. Es bedarf nicht des moralphilosophischen Referats dahinter.
    Der Quellenwert wird über die "historische Authentizität" entscheiden. So finden geschichtliche Wahrheiten und Moralität zusammen.
    Ein wahrhaftiger Schriftsteller ist immer dann automatisch eine "moralische Autorität", wenn er diesen Kredit nicht - etwa als Lobhudler oder Opportunist- selbst verwirkt hat.

    Würden wir das moralische Werten aufegeben, wäre jede Geschichtsbetrachtung und jede wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Geschichte unnütz und ergeudete Zeit.

    Geschichte mahnt - und die gründliche Beschäftigung mit historischen Themen zwingt uns dazu, Realitäten ins Auge zu sehen, die wir nur schwer ertragen können.
    Angst wird durch Konfrontation bewältigt. Und auch die Taten der Geschichte erträgt man am besten, wenn man sich ihnen voll stellt, auch wenn es unbequem ist und wenig lustvoll. Selbstkasteien, mea-culpa-Bewußtsein, modernes Flagellantentum - das alles lag auch mir nie in meiner Jugend, ganz nach dem Motto: Was nicht geschehen darf, kann nicht geschehen sein, nicht im Schoß des Volkes der Dichter und Denker, an dessen Wesen die Welt genesen sollte - und doch! In zwei Diktaturen, in der braunen und in der roten, ist viel geschehen, das wir nicht ignorieren können wie ein Vogel Strauß. Schlesak, der Unbequeme, geht in medias res und ruft Dinge wach, Wesenheiten, Phänomene, denen wir uns stellen müssen: Einzelversagen oder Kollektivschuld? Wo endet die persönliche Freiheit - wo muss der Widerstand einsetzen und der Tyrannenmord?
    Und weshalb werden ganze Heerscharen von Menschen über einen Eid und Befehl zu Mördern?
    Thomas Mann, Bert Brecht, ja selbst der desillusionierte Gottfried Benn - sie alle hielten an dem Humanum fest! Denn was ist der Mensch, wenn er zur Bestie wird? Ein Wolf?

    [Beitrag am 20.10.2008, 18:46 von Don Carlos geändert]
  • lori

    26lori schrieb am 20.10.2008, 19:34 Uhr:
    Hallo Kollege Igor,

    Das Beispiel war plastisch um "meine" Realität zu erklären. Denn was passiert wenn man "versucht der Wahrheit" näher zu kommen, oder wenn man alles immer wieder"differenziert"(ein gewissses Mass ist nicht verkehrt) betrachtet? Das erzeugt zB. abnormale politisch- geistige Ergüsse, dass es Leute gibt, die sich nicht durchringen können die DDR als Unrechtstaat zu bezeichnen.Oder um "politisches Gleichgewicht" herzustellen, dass deutsche Revisionisten von einem Präventionskrieg sprechen!
    Gruss
    Lori
  • Elsi

    27Elsi schrieb am 20.10.2008, 21:10 Uhr:
    Moment mal, lori, das verstehe ich nicht: Igor sagt: "Ausserdem ist *meine* Realitaet viel komplizierter als 1+1=2.", worauf du antwortest: "Das Beispiel war plastisch um "meine" Realität zu erklären." Aha! Und welches ist deine Realität? Du bist schon auch für Differenzierung, aber eher so für...mittelmäßig differenzieren! Zu viel davon erzeugt 'abnormale politisch-geistige Ergüsse' und das bringt dann die Menschen dermaßen durcheinander, dass keiner mehr weiß, wo der Hammer hängt!
    Ach so! Deshalb also verstehe ich dich nicht! Du hast wohl zu sehr differenziert...;-D !

  • seberg

    28seberg schrieb am 21.10.2008, 10:51 Uhr:
    Tja Elsi, du siehst: auch Kabarett ist nicht immer leicht zu verstehen!
    Aber was ist, wenn Lori es ernst meint?
  • Don Carlos

    29Don Carlos schrieb am 23.10.2008, 18:25 Uhr:
    Schlesaks "Capesius, der Auschwitzapotheker" ist ein zu ernstes Thema, um es in eine triviale Diskussion abgleiten zu lassen und so anzuwürgen. Wie konkret ist das Filmprojekt? Wann wird es kommen?
    Bekanntlich wird das Buch über Capesius auch auf der Bühne aufgeführt, mitten in Siebenbürgen!? Mehrere Rezensionen in der Fachliteratur und im Radio gehen ins Detail. Was sagen die "Historiker" zu den Fakten? War der als Nazi angeklagte Capesius tatsächlich Opfer einer "kommunistischen Verschwörung"?
    Die ungarischen und polnischen Übersetzungen des Buches werden neue Fragen aufwerfen, genauso wie das erstaunlich hohe Interesse der Rumänen an der Materie.
    Die Gerüchte-Küche kocht und brodelt - wer hilft weiter beim Aufklären? Noch vor der Wertung?

    [Beitrag am 23.10.2008, 18:28 von Don Carlos geändert]
  • Elsi

    30Elsi schrieb am 24.10.2008, 00:33 Uhr:
    seberg schrieb: "Tja Elsi, du siehst: auch Kabarett ist nicht immer leicht zu verstehen!
    Aber was ist, wenn Lori es ernst meint?"

    Dann, würde ich sagen, haben wir so was wie ein Paradox: obwohl pathologisch, so doch schrecklich tragisch unheilbar...;-)
  • lori

    31lori schrieb am 26.10.2008, 18:06 Uhr:
    Hallo Allerseits,

    Günter Grass schreibt in "Beim Häuten der Zwiebel" auf Seite 352 Folgendes ich zitiere:"Nur die Finazbehörden wollen nicht anerkennen, dass des Autors Existenz blosse Behauptung also Fiktion und nicht steuerpflichtig ist." Das gehört zur Kategorie Humor, aber passt gut zum Thema "moralische Instanz" bzw. Trennung von Mensch und Beruf(ung)!

    Wenn der Autor in seinem "Vlad- Roman" den Fürsten auf einem UFO in Schässburg landen lässt ist es völlig OK! Eine Fiktion.Wenn ein "Verteidiger" des Autors (oder gar der Autor selbst?)eine Korrektur eines Historikers(sozusagen Korrektur der Korrektur)vornimmt, ist das in einem gewissen Masse akzeptabel! Völlig inakzeptabel ist es jedoch, wenn im selben Atemzug(ein Punkt der "Korrektur -Liste" in der SBZ) die Verlegung Vlads nach Schässburg zu der dichterischen Freiheit, gezählt wird. Die Rezension bzw. die Korrektur dieser, hat mehr Verwirrung als Klarheit geschafft. Soviel zum Thema, mit Hilfe der Fiktion versuchen der Wahrheit näher zu kommen, wie es immer wieder dieselben Herrschaften fordern. So gesehen lieber ein zwei Bretter vor dem Kopf, als eine ganze Vogelschar im selbigen.

    Gruss
    Lori

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