1. Januar 2019

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Siebenbürger Sachsen bauten eigene Siedlung: 60 Jahre Sachsenheim in Elixhausen

Die Gemeinde Elixhausen im Bundesland Salzburg feierte Ende Oktober im Rahmen eines Festaktes 60 Jahre Sachsenheim. Exakt am 30. Mai 1958 wurde eine ganze Siedlung der aus ihrer Heimat geflüchteten Siebenbürger Sachsen fertiggestellt. Die Häuser bauten sich die Siedler mit einfachsten Mitteln selber.
Als am 9. September 1944 in Siebenbürgen der Wehrmachtsbefehl, binnen drei Tagen Haus und Hof und damit die Heimat zu verlassen erging, machte sich ein Treck von 6 km Länge, bestehend aus rund 500 Fuhrwerken, die von Pferden, Ochsen und Kühen gezogen wurden, auf den Weg Richtung Westen. Im Raum St. Pölten kam es zur Auflösung des Trecks, wobei durch die heranrückende Front eine zweite Flucht noch weiter Richtung Westen 1945 begann.

Ende einer Flucht in Salzburg: Die Siebenbürger, die meisten aus der Gemeinde Botsch, strandeten anfangs in Anthering in Notunterkünften in Schulen, Nebengebäuden von Bauernhöfen und in Erdhütten. Nach Ende des Krieges war aus den Geflüchteten Heimatvertriebene, Staatenlose geworden. Bürgermeister a. D. DI Bruno Wuppinger, der anlässlich der Jubiläumsveranstaltung die Festrede hielt, erinnerte sich in seiner Rede: „Im Jahr 1954, als ich gerade 11 Jahre alt war und in Elixhausen in die Volksschule ging, hatte ich meine erste Begegnung mit den geflüchteten Siebenbürgern, da im Mesnerbauernhaus ganze sieben Familien eingezogen waren.“

Heimat in Elixhausen gefunden

Die vorwiegend noch in Anthering lebenden Flüchtlinge waren auf der Suche nach einem Baugrund. Nach einer zehnjährigen Zeit der Hoffnungslosigkeit wurde 1956 der Traum wahr, ein Baugrund zur Errichtung einer eigenen Siedlung war gefunden. Die Grundsteinlegung der Siedlung Sachsenheim erfolgte am 27. Mai 1956. Neben dem Bau der eigenen Häuser wurde auch eine Wasserleitung und eine Kanalisation in Angriff genommen, und dies alles händisch mit Krampen und Schaufel bewerkstelligt. Bruno Wuppinger dazu: „Es verlangte eine Höchstleitung und ganzen Einsatz, den wir Elixhausner auch tagtäglich hautnah miterleben konnten.“ Trachtenumzug in Elixhausen anlässlich des ...Trachtenumzug in Elixhausen anlässlich des Festaktes zum 60-jährigen Bestehen von Sachsenheim. Foto: Richard Lutsch Zusammenhalt, Nachbarschaftshilfe und Pflege der eigenen Kultur und Geschichte: Die Siedler schafften den Aufbau ihrer Häuser, der Siedlung Sachsenheim, und damit der neuen Heimat durch enorme Eigenleistung und Nachbarschaftshilfe. Sie errichteten überdies noch eine evangelische Kirche, ein Vereinshaus „Nachbarschaft Sachsenheim“, das heute als Veranstaltungssaal der Gemeinde eine unverzichtbare Einrichtung ist, und gründeten eine eigene Musikkapelle. Der Obmann des Vereins „Nachbarschaft Sachsenheim“, Gerhard Alzner, hielt in seiner Ansprache fest, dass „dieses Vereinshaus die Möglichkeit eröffnete, das eigene Kulturgut und Brauchtum als Brückenschlag zur alten Heimat noch intensiver zu pflegen und es später für die ganze Gemeinde ein Ort der Begegnung wurde“.

Obmann Gerhard Alzner stellte das Siebenbürger Kochbuch des Vereines Nachbarschaft mit dem Titel „So kochten wir in Siebenbürgen – damit es nicht verloren geht“ vor. Das 164-seitige Buch enthält unter anderem über 120 Siebenbürger Kochrezepte, Fotos vom Siedlungs-, Kirchen- und Nachbarschaftshausbau, einen kurzen Rückblick in die Vergangenheit der Siebenbürger Sachsen, die Flucht im September 1944 und das Sesshaftwerden in Sachsenheim, sowie Fotos einiger Rezepte. Die Kochrezepte stammen von siebenbürgischen Frauen aus Sachsenheim. Es sind überlieferte Rezepte von ihren Müttern und Großmüttern aus den Siebenbürger Ortschaften Botsch, Brenndorf, Lechnitz und Mediasch. Die erste Auflage war bei Festende bereits vergriffen. Der Nachdruck der zweiten Auflage ist ab Ende November 2018 verfügbar.

Siebenbürger als unverzichtbare Gemeindebürger: Bürgermeister MMag. Michael Prantner stellte in seiner Rede die Nachwirkungen des historischen Baus der Siedlung für die Gemeinde als Ganzes heraus: „Die Siebenbürger im Ortsteil Sachsenheim zeichnen sich durch große Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, eine hohe Geselligkeit und das Bewahren ihrer Tradition, Kultur und Geschichte aus. Dies ist beeindruckend und vorbildhaft. Aus ehemals als Fremde gekommenen Menschen sind Gemeindebürger geworden, die einen unverzichtbaren Bestandteil der Gemeinde darstellen und durch ihr Engagement in der Gemeinde, Kirche und bei Vereinen zur kulturellen Vielfalt des Ortes und zum Gelingen einer dörflichen Gemeinschaft einen erheblichen Beitrag leisten. Wir können als Gemeinde stolz sein, dass die Siebenbürger bei uns ihre neue Heimat angenommen und gefunden haben.“

Bürgermeister Michael Prantner

Schlagwörter: Salzburg, Siedlung, Elixhausen, Jubiläum

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