5. November 2011

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Weinbauer im Heimatdorf Bogeschdorf

Seiden und Bogeschdorf waren einst klangvolle Namen des siebenbürgischen Weinlandes. Weinberge findet man in dieser traditionsreichen Gegend nur noch wenige. In Seiden begann vor einem Jahrzehnt die Wiederbelebung der einst von Siebenbürger Sachsen dominierten Weinbautradition. Dort produziert heute das aus dem ehemaligen Staatsgut hervorgegangene Unternehmen Jidvei auf 2000 Hektar überwiegend Weißweine für den Massenmarkt. Gut 30 Kilometer entfernt versucht Helmuth Gaber, die Bogeschdorfer Weintradition wiederzubeleben. In kleinerem Maßstab, aber mit höherem Anspruch.
Gaber umweht der Hauch eines Aristokraten, als er am 14. Oktober die ersten 4,5 Hektar des neu gepflanzten Weinberges der Öffentlichkeit präsentiert. Mit eng gebundener Krawatte, kariertem Hemd, der Lederweste unter dem Jackett und den sportlichen Wildlederschuhen fällt er aus der eher rustikalen Szenerie. Der 48-Jährige ist in Bogeschdorf geboren und 1974 im Alter von elf Jahren nach Deutschland gekommen. Gemeinsam mit Vater Heinrich kehrte er 2006 in die Heimat zurück, um den ehemaligen Familienbesitz wieder zu erwerben. Fünf Jahre später sind 178 Hektar Land auf dem heimatlichen Hattert sein Eigen. Es stellte sich die Frage, was tun mit dem Grund. „Bogeschdorf ist ein Weindorf, Bogeschdorf hat eine jahrhundertelange Tradition, da haben wir natürlich angedockt“, meint Gaber. Gemeinsam mit seinem Partner Reinhard Horstmann gründete er die Firma SC Valea Verde SRL, um das Weinbauprojekt, das sich mittlerweile als Investitionsidee herauskristallisiert hatte, umzusetzen.

Mittlerweile beschäftigt die Firma elf Mitarbeiter. Betriebsleiter vor Ort ist der gebürtige Bogeschdorfer Harald Sălcianu. In der Verantwortung des jungen Lebensmitteltechnikers liegt die geplante Ausweitung der Pflanzung. Bis 2017 soll die Weinfläche auf rund 40 Hektar anwachsen. Für 2012 plant Gaber die Wiederbepflanzung von 8,7 Hektar auf dem Südhang. Aktuell kultiviert das Unternehmen die Königliche Mädchentraube (bzw. Königsast) und Grauburgunder. „Es wird weitergehen mit Chardonnay und mit Rheinriesling“, informierte Gaber. Bereits gepflanzt ist ein Testfeld mit Rheinriesling, Bacchus, Kerner und Regent. Auf bis zu 40 Hektar will Helmuth Gaber seinen ...Auf bis zu 40 Hektar will Helmuth Gaber seinen Weinberg ausdehnen. Foto: Holger Wermke Die Kelterung des ersten Weins plant er für 2015. Nicht Gaber-Wein, nicht Bogeschdorfer, „Terra Regis“ soll der Wein heißen. Der Rückgriff auf das historische sächsische Siedlungsgebiet geschieht bewusst. Die lateinische Bezeichnung für den Königsboden werde international verstanden und stelle einen gewollten Bezug zum Herkunftsgebiet des Weines her. Einen Schwerpunkt der Vermarktung werde der deutschsprachige Raum darstellen: „Und wir wollen ganz am Anfang versuchen, auch die Bindung zu den in der ganzen Welt verteilten Siebenbürger Sachsen aufzunehmen“, so Gaber, „damit sie einen Teil ihrer Heimat durch diesen Wein, der auch durch die Namensgebung über den Königsboden eine bestimmte Bedeutung hat, wiederfinden.“ Die notwendige Kellerei soll nach dem Willen Gabers im Dorf entstehen. Einen kleinen Weinkeller möchte er in naher Zukunft im Firmensitz mit angeschlossenem Wirtschaftshof einrichten, der derzeit im einstigen Reinarth-Hof entsteht. Die bis jetzt getätigten Investitionen – alle aus eigenen Mitteln – beziffert Gaber auf über eine halbe Million Euro. Etwa 400 000 Euro flossen in den Landkauf und den Ausbau des Firmensitzes. Pflanzung und Maschinen kosteten 172 000 Euro. Die Kosten für die geplante Kellerei schätzt Gaber auf 2,7 Millionen Euro.

Man habe nichts dem Zufall überlassen, so der in Bremen lebende Kaufmann, um ein kleines Weingut für hochklassige, besondere Weine aufzubauen. Hilfe und Beratung fand er bei Landsleuten, nämlich dem aus Mediasch stammenden Weinbauexperten Dr. Georg Binder sowie Dr. Karl Müller aus Rode. Das Unternehmen kooperiert außerdem mit der Forschungsanstalt Geisenheim und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. So wollen die beiden Investoren sicherstellen, dass der neue Bogeschdorfer Wein an die große Tradition seiner Vorgänger anknüpft.

HW

Schlagwörter: Weinbau

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