29. September 2014

Neueinweihung der Carl-Hesse-Orgel in Meschener Kirche

Vor dem letzten Treffen in Bad Rappenau vor zwei Jahren warben die Verantwortlichen unserer Nachbarschaft um Unterstützung für ein großes Projekt: die Reparatur der Orgel in unserer Meschner Kirche. Anfang August dieses Jahres konnten sich die zahlreichen Teilnehmer unseres Treffens in Meschen vom guten Abschluss dieses Vorhabens überzeugen. Die ehrwürdige Orgel erklingt wieder, zur Freude der Kirchen- und Gottesdienstbesucher.
Die Orgelmusik hat vor über 220 Jahren Einzug gehalten in die Meschner Kirche, als 1791 eine von Josef Hahn konstruierte Orgel auf der Westempore aufgestellt wurde. Es war eine kleinere 1-manualige Orgel ohne Pedal, mit 35 Pfeifen im Prospekt. Bekannte Hahn-Orgeln stehen heute noch in den Stadtpfarrkirchen Hermannstadt, Mediasch und Heltau. Die alte Meschner Orgel wurde vor der Neuanschaffung 1874 an die Kirchengemeinde Rosch verkauft, ist zwischenzeitlich ebenfalls restauriert und seit 2003 in der Mühlbacher Kirche aufgestellt.

Ende des 19. Jahrhunderts befand sich Siebenbürgen in einem wirtschaftlichen Aufschwung, die Nachwehen der Unruhejahre 1848/49 waren abgeklungen, es herrschte Frieden im Land. Auf Betreiben von Pfarrer Josephi und von Johann Albrecht, Richter, Kurator und Organist, wurde eine neue, größere, modernere Orgel, angeschafft, die der Wirtschaftskraft der Gemeinde und der Größe der Meschner Kirche angemessen war. Es sollte eine besondere Orgel sein: es war das hundertste Werk der renommierten Wiener Orgelmanufaktur Carl Hesse, die obendrein noch auf der Weltausstellung in Wien 1873 gezeigt wurde. Die Meschner Carl-Hesse-Orgel hat zwei Manuale und ein Pedal, 29 Register, etwa 1600 Orgelpfeifen, davon 62 Metall-Pfeifen im Prospekt. Ebenfalls eine Hesse-Orgeln steht in Birthälm, die ehemalige Lechnitzer Orgel ist als Chororgel in der Schwarzen Kirche in Kronstadt im Einsatz.
Die restaurierte Carl-Hesse-Orgel wurde mit einem ...
Die restaurierte Carl-Hesse-Orgel wurde mit einem Festgottesdienst und Orgelkonzert in der Meschener Kirche neu eingeweiht. Foto: Jürgen Wiesler
Es war ein Kraftakt für die Meschner Kirchengemeinde, den Kaufpreis für die Orgel aufzubringen, 9800 Gulden standen auf der Rechnung, in heutiger Kaufkraft über 500000 Euro, die von den etwa 300 Familien in Meschen, fast ausnahmslos Kleinbauern, beglichen werden musste. Dementsprechend stolz war man auf die Orgel, die übrigens bis 1990 ausnahmslos von Meschner Organisten gespielt wurde. Sie wurde sorgfältig gepflegt, so dass erst 1970, nach erfolgtem Einbau eines elektrischen Gebläses, nachgestimmt werden musste. Mit der Auswanderung der Sachsen aus Meschen einhergehend, wurde die Orgel immer seltener gespielt, dazu der Baustellenbetrieb der zwischenzeitlich begonnenen Kirchensanierung. So fraßen sich Nagetiere durch Teile der Lederauskleidung und der Windlagen – durch Falschluft und Undichtigkeiten wurde die Orgel binnen 20 Jahren unbespielbar. Durch weitgehende Fertigstellung der Bauarbeiten im Inneren der Kirche, waren 2011 die Bedingungen für eine Instandsetzung der Orgel zwischenzeitlich gegeben. Nach Einholen zweier Kostenschätzungen fiel 2012 in der Mitgliederversammlung der Siebenbürger Nachbarschaft Meschen e.V. die Entscheidung, sich maßgeblich an den Reparaturkosten zu beteiligen. Dies war entscheidend für die weiteren Schritte, also das Prüfen eines Angebotes einer Firma aus Gheorgheni, das Aufteilen der Arbeiten in mehrere Abschnitte, die direkte Beauftragung der ersten Arbeiten durch unseren Verein. Ermutigt durch diese Anschubfinanzierung, wurden trotz leerer Kassen bei der Meschner Kirchengemeinde und dem Mediascher Kirchenbezirk in Mediasch und Meschen Spenden gesammelt, unermüdlich bei kirchlichen Stellen und bei der Kreisverwaltung Hermannstadt um Fördergelder angesucht. Diese Zeit und Nerven kostende Tätigkeit hat Hugo Schneider aus Mediasch übernommen, der auch Ansprechpartner und Koordinator für die ausführende Firma war. Die fachliche Aufsicht und das abschließende Stimmen der Orgel hatte Hermann Binder aus Hermannstadt übernommen und zum Abschluss gebracht.

Im Laufe der Reparatur stellte sich heraus, dass weit mehr Windladen auszutauschen waren und der Blasebalg wegen Holzwurmbefalls komplett erneuert werden musste. Auch wurde die optische Instandsetzung des Spieltisches ebenfalls in Auftrag gegeben. Nach Abschluss der Arbeiten im Frühsommer 2014 standen insgesamt 24000 Euro auf der Rechnung. Diese wurde wie folgt beglichen: 8060 Euro durch die Siebenbürger Nachbarschaft Meschen e.V., 11000 Euro durch Spenden, gesammelt von Hugo Schneider in Mediasch, 4000 Euro Zuschuss durch den Kreisrat Hermannstadt und 1000 Euro durch den Mediascher Kirchenbezirk.

Bemerkenswert ist die hohe Anzahl an privaten Spendern, hervorzuheben sind Dr. Hans Peter Molitoris aus Regensburg, Heinrich Henning aus Würzburg und Hugo Schneider aus Mediasch, die neben hohen finanziellen Zuwendungen auch mit hohem persönlichem Einsatz zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben.

Anfang August war es dann so weit: Nach Abschluss der Arbeiten durch Herrn Bartis Szabolcz und dem Stimmen der Orgel durch Hermann Binder stand der Weihung der Orgel nichts mehr im Weg. 160 Gäste aus Deutschland, 40 aus Meschen, Mediasch und Umgebung nahmen am Gottesdienst anlässlich des Meschner Treffens in unserer Heimatgemeinde teil, zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder begleitet von den wohlbekannten Klängen der Hesse-Orgel. Dies war sozusagen die „Generalprobe“ für den Festgottesdienst zur Orgelweihe, der am 4. August gefeiert wurde. Pfarrer Ulf Ziegler leitete den Gottesdienst, Hugo Schneider (Mediasch) fand die passenden Worte, und über 200 Besucher konnten sich im anschließenden Orgelkonzert von dem Klangvolumen der wieder zum Leben erweckten Orgel überzeugen. Am Spieltisch saß Klaus Dieter Untch, Organist in Zeiden, ein weitgereister Musiker und Komponist. Es war keine einfache Kost, die er dem Publikum bot, vier Choralvariationen der Stilrichtungen Barock, Klassik, Moderne und Romantik, sowie Variationen zum Volkslied „Af deser Ierd“. Dabei forderte Klaus Dieter Untch dem Instrument alles ab. Tiefen, Höhen, Volumen und leise Passagen wechselten sich ab, er zog im Wortsinne alle Register. Das Publikum konnte dem Organisten durch anhaltenden Applaus noch eine Zugabe abringen, eine freie Orgelimprovisation auf ein bekanntes Thema. Für alle an diesem Vorhaben Beteiligten und für die Konzertbesucher war dieser Tag der Beweis, dass auch in der Meschner Kirche der letzte Ton noch nicht gespielt wurde, dass die jahrhundertealte Kirche noch lebendig ist, belebt durch Mut, Tatkraft und Beständigkeit jener Menschen, denen Meschen nach wie vor am Herzen liegt.

Hugo Schneider

Schlagwörter: Meschen, Orgel, Einweihung

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