30. Oktober 2014

"Klaus Johannis ist eine große Chance für Rumänien"

Klaus Johannis bedeutet nach Ansicht des Bundestagsabgeordneten Dr. Bernd Fabritius eine große Chance für Rumänien. Bei einem Themenabend über die Wahlen in Rumänien rief der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland alle Landsleute auf, am 2. und 16. November von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Klaus Johannis als Präsident Rumäniens würde einen Quantensprung in der Wahrnehmung Rumäniens in Europa bedeuten“, betonte Fabritius im Gespräch mit dem Historiker Dr. Konrad Gündisch, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS). Als Veranstalter zeichneten das IKGS und das Haus des Deutschen Ostens in München, dessen Direktor Dr. Andreas Otto Weber am 20. Oktober zahlreiche Gäste in seinem Haus begrüßen konnte.
Der Hermannstädter Klaus Johannis, Vorsitzender der Nationalliberalen Partei (PNL), kandidiert bei den Präsidentschaftswahlen für das Wahlbündnis Christlich-Liberale Allianz (ACL). Umfragen zufolge wird es am 16. November zu einer Stichwahl zwischen Johannis und dem derzeitigen Ministerpräsidenten Victor Ponta (Sozialdemokratische Partei – PSD) kommen, der zurzeit vorne steht in der Wählergunst.

Das Land bräuchte nach Ansicht Fabritius‘ ­einen guten Präsidenten, der integer und verlässlich sei und für eine europäische Vernetzung stünde. Johannis‘ Politikstil sei pragmatisch, er hebe sich vom derzeitigen Politzirkus ab und setze sich für Werte ein, die Rumänien förderlich seien: weg von der Korruption und dem Politzirkus hin zu einem „Rumänien der gut gemachten Dinge“, so der Wahlslogan des Hermannstädter Bürgermeisters. In dem Wahlkampf, der „medial gestört“ sei, vermisste Bernd Fabritius politische Inhalte. Kennzeichnend für den von Opportunismus geprägten Wahlkampf sei auch die Haltung des Ungarnverbandes, kritisierte Fabritius. Vertreter des Ungarnverbandes, der ebenso wie die Christlich-Liberale Allianz zur Europäischen Volkspartei (EVP) gehört, kündigten an, dass sie nicht den Kandidaten ihrer eigenen europäischen Familie, sondern Ponta wählen werden. Dies sei weit entfernt auch von einer Solidarität zwischen den ethnischen Minderheiten in Rumänien.

Bernd Fabritius freute sich, dass die Siebenbürger Sachsen und Aussiedler mit ihrer vielschichtigen Identität in Deutschland gut angenommen werden. Das habe sich auch kürzlich gezeigt, als er Heimaterde in das Projekt „Der Bevölkerung“ in den Deutschen Bundestag eingebracht habe (diese Zeitung berichtete in Folge 16, Seite 1). Die aus der Brukenthalschule in Hermannstadt mitgebrachte Erde zeigt nach Ansicht des Bundestagsabgeordneten, dass das deutsche Schulwesen identitätsstiftend sei und auch heute der Förderung bedürfe.
Starke Sprüche vom Präsidentschaftskandidaten: ...
Starke Sprüche vom Präsidentschaftskandidaten: Wahlplakat für Klaus Johannis, aufgenommen vergangene Woche in Fogarasch. Im Hintergrund die neue orthodoxe Kathedrale mit der vergoldeten Kuppel. Foto: Konrad Klein
Im ersten Teil des Themenabends wurde der kürzlich im Verlag der Alexandru-Ioan-Cuza-Universität Jassy erschienene „Wahlen-Atlas“ Rumäniens (Atlasul electoral al României, 1990-2009) präsentiert. In dem umfangreichen, in rumänischer, französischer und englischer Sprache gedruckten Werk, das übrigens knapp acht Kilogramm wiegt, wird das Wahlverhalten in Rumänien in der Zeit nach dem Umbruch von 1989 detailliert untersucht. Der bekannte Germanist und Verlagsleiter Prof. Dr. Andrei Corbea-Hoișie sowie der Soziologe und Politologe Dr. Romeo Asiminei aus Jassy stellten das Werk vor, das als bestes wissenschaftliches Buch in Rumänien ausgezeichnet wurde. Die Forschungen der zehn Autoren ergaben, dass das Wahlverhalten nach Regionen recht unterschiedlich, aber bei den verschiedenen Wahlen konstant geblieben sei: Siebenbürgen und der westliche Teil Rumäniens stimmten grundsätzlich konservativ, die östlichen Landteile hingegen links. Das Zünglein auf der Waage bei den Präsidentschaftswahlen 2009 waren – bei einer geringen Wahlbeteiligung im Inland – die vielen rumänischen Staatsbürger in der Diaspora, die zur Wahl gingen und Traian Băsescu gegenüber Mircea Geoană bevorzugten.

Gündisch und Fabritius brachten im anschließenden Gespräch die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Bürger eine mündige Entscheidung treffen und sich nicht von Populismus und den ethnischen Untertönen des Wahlkampfes täuschen lassen werden.

Wählen können auch Inhaber eines abgelaufenen Reisepasses. Beim Konsulat können sie kurzfristig gegen eine Gebühr von 65 Euro einen Reisetitel (Titlu de călătorie) erwerben, der 30 Tage lang gültig ist und auch zum Wahlvorgang berechtigt.

Den Veranstaltern ist es mit diesem Themenabend gelungen, den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik sowie zwischen rumänischer und deutscher Kultur, Geschichte und Gesellschaft zu fördern.

Siegbert Bruss

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Nützliche Informationen zum Wahlvorgang

Wahllokale für die Präsidentschaftswahlen

Umfrage zu den Präsidentschaftswahlen auf www.siebenbuerger.de

Schlagwörter: Wahlen, Rumänien, IKGS, HDO, Johannis

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