6. Juli 2016

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel gestorben

Der aus Rumänien stammende Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der zeitlebens gegen das Vergessen des Holocaust kämpfte, ist tot. Der jüdische Schriftsteller starb im Alter von 87 Jahren am 2. Juli in New York City. Elie Wiesel entstammte einer jüdischen Familie aus Sighetul Marmaţiei, wo er am 30. September 1928 geboren wurde.
Nachdem Nordsiebenbürgen 1940 an Ungarn angeschlossen worden war, deportierten die ungarischen Behörden 1944 unter Anleitung Adolf Eichmanns die Juden in Vernichtungslager: 120000 wurden verschleppt, darunter die Familie des 15-jährigen Elie Wiesel. Seine Mutter und jüngste Schwester starben in Auschwitz. Bei der Überführung der Insassen nach Buchenwald verlor er auch seinen Vater, der den Todesmarsch nicht überlebte. 1945 wurde das Lager von den Amerikanern befreit.

Nach dem Krieg studierte Wiesel in Paris Philosophie und Literatur und zog 1965 als UN-Berichterstatter nach New York. 1958 veröffentlichte er sein Erstlingswerk über den Holocaust, eine autobiographische Erzählung. Es folgten 56 weitere Bücher. 1986 erhielt er den Friedensnobelpreis für seine publizistische Aufklärungsarbeit und gründete kurz danach mit Ehefrau Marion die Elie Wiesel Foundation for Humanity, die sich durch internationalen Dialog gegen Intoleranz, Gleichgültigkeit und Ungerechtigkeit einsetzt. Nach der Einweihung seines Geburtshauses in Sighetul Marmaţiei als Gedenkstätte (2002) überzeugte Wiesel den damaligen Staatspräsidenten Ion Iliescu, die später als „Wiesel-Kommission“ bekannte internationale Forschergruppe zur Untersuchung des rumänischen Holocausts einzurichten. 2009 begleitete Wiesel US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel in die KZ-Gedenkstätte Buchenwald.

Zum Gedenken an Wiesel erinnerte Obama an dessen Worte zwischen Stacheldraht und Wach­türmen: „Die Erinnerung ist zur heiligen Pflicht aller Menschen guten Willens geworden.“ Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis versprach, das Geburtsland von Elie Wiesel werde sein Andenken stets in Ehren halten.

NM

Schlagwörter: Holocaust, Nobelpreis, Juden

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