14. Juli 2025

Prejbe-Hütte durch Denkmal-Ambulanz in letzter Minute gerettet

Nach Jahrzehnten der Verwahrlosung durch Wind, Wetter und Vandalismus gibt es neue Hoffnung für die historische Prejbe-Hütte in den südlichen Karpaten: Die Organisation „Ambulanța pentru Monumente“ hat mit ersten Sicherungsmaßnahmen begonnen. Im Rahmen eines landesweiten Projekts zur Rettung historischer Berghütten arbeiten derzeit rund 20 Freiwillige – vor allem Architekturstudierende – Seite an Seite mit erfahrenen Handwerkern an der Instandsetzung der stark beschädigten Hütte.
Ein Stück Geschichte lebt weiter: Die SKV ...
Ein Stück Geschichte lebt weiter: Die SKV-Berghütte Prejbe mit neuem Schindeldach – gedeckt nach historischen Vorgaben. Fotoarchiv: Eugen Vaida
Unter der Leitung von Architekt Eugen Vaida, einem Absolventen des Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt, wurde das marode Blechdach entfernt und durch ein traditionelles Schindeldach ersetzt. Außerdem wurde das Fundament gesichert und mit den ersten Restaurierungsarbeiten begonnen. „Die Notsicherung hat eine spürbare Dynamik ausgelöst“, berichtet Eugen Vaida. Sowohl die Bürgermeister von Talmesch (Tălmaciu) und Sadu als auch das ASTRA-Museum in Hermannstadt haben ihre Unterstützung zugesagt.

Die freiwillige Aktion brachte nicht nur Material und Arbeitskraft in die Berge, sondern auch neue Energie und Aufmerksamkeit rund um die Hütte. Am Sonntag, dem 29. Juni, versammelten sich rund 80 engagierte Menschen auf dem Gelände – ein starkes Zeichen für das wachsende Interesse an der Wiederbelebung der siebenbürgischen Bergkultur.
Winterliches Skilager der Brukenthalschule an der ...
Winterliches Skilager der Brukenthalschule an der Prejbe-Hütte – ein Moment aus dem Januar 1978. Foto: Friedrich Philippi
Die 1925 erbaute Berghütte geht auf den Siebenbürgischen Karpatenverein (SKV) zurück, der sie – nach einem Brand am 4. Dezember 1923 – mithilfe der Bevölkerung von Heltau wiedererrichtete. Über Jahrzehnte war sie beliebtes Ziel für Wanderer und Wintersportler – besonders für Schülergruppen aus Hermannstadt, Heltau und Umgebung. „Viele erinnern sich noch lebhaft an die winterlichen Aufstiege in den 1970er und 1980er Jahren – schwer bepackt mit Proviant und Skiausrüstung“, erzählt ein ehemaliger Schüler des Brukenthal-Gymnasiums. „Und an die legendären Hüttenabende, die zu unvergesslichen Erinnerungen wurden.“

Besonders freut sich Friedrich Philippi (82), früherer Geografielehrer des Brukenthal-Gymnasiums, über die gelungene Rettungsaktion. Er hat zahlreiche Skilager auf der Prejbe organisiert und als leidenschaftlicher Naturfreund mehrere Generationen von Schülerinnen und Schülern mit seiner Begeisterung für die Berge inspiriert.

Herr Philippi sorgte für echtes Schatzjäger-Feeling: Mit historischen Dia-Aufnahmen der Hütte aus der Zeit des Schindeldachs öffnete er ein Fenster in die Vergangenheit (seine Skilagerbilder sind auf www.siebenbuerger.de/sws/html/sws/prejba zu finden). Diese Fotodokumente waren eine unschätzbare Hilfe bei der Restaurierung im Sinne des Denkmalschutzes.
Freiwillige Helfer der Organisation ...
Freiwillige Helfer der Organisation „Ambulanța pentru Monumente“ führen Notsicherungmaßnahmen an der Prejbe-Hütte durch. Foto: Winfried Ziegler
Die „Cabana Prejba“, unweit des Prejbe-Gipfels „Vârful Prejba“ (1.744 m) im Lotru-Gebirge gelegen, verkörpert nicht nur alpines Erbe, sondern auch das Herzblut freiwilligen Engagements. Ihre Rettung zeigt, wie viel durch freiwillige Initiative und Leidenschaft für das Kulturerbe bewirkt werden kann. Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, die sich für den Erhalt dieser besonderen Berghütte einsetzen.
Das Fundament der Prejbe-Hütte wird gesichert und ...
Das Fundament der Prejbe-Hütte wird gesichert und neu aufgemauert. Foto: Winfried Ziegler

Historisches Juwel der Südkarpaten: Die Prejbe-Hütte

Die Prejbe-Hütte (rumänisch „Cabana Prejba“) zählt zu den ältesten Schutzhütten der Region. Errichtet vom Siebenbürgischen Karpatenverein (SKV), entstand sie im Rahmen eines ambitionierten Infrastrukturprojekte zur touristischen Erschließung der Südkarpaten.

Bereits zwischen 1893 und 1895 wurde der erste Zugangsweg zur ursprünglichen Hütte in Gipfelnähe des Prejbe (ca. 1.744 m) angelegt – südwestlich von Heltau (Cisnădie) und Talmesch (Tălmaciu). Der Aufstieg erfolgte wahlweise über das Zoodt-Tal (Valea Sadului) oder das Lauterbachtal (Lotrioara). Heute erinnern lediglich Fundamentreste an die erste Hütte an diesem historischen Ort.

Im Jahr 1923 errichtete der SKV in unmittelbarer Nähe eine neue, größere Hütte, die ganzjährig nutzbar war: im Sommer für Wanderer, im Winter für Skifahrer. Bereits ab den 1890er-Jahren förderte der Verein gezielt den Wintersport, und ab 1911/1912 gehörte das Skifahren zur Grundausbildung der Hüttenwarte.
Robert Sonnleitner vor den Bruchsteinresten der ...
Robert Sonnleitner vor den Bruchsteinresten der 1886 errichteten Prejbe I-Hütte (Juni 2022). Foto: Klaus Simonis
Typisch für den SKV-Stil war die Bauweise der Prejbe-Hütte: schlicht, funktional, modular erweiterbar – und vor allem robust. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sie sich zu einem stark frequentierten Stützpunkt und zu einem festen Bestandteil des SKV-Hüttennetzes.

Bis heute ist die Hütte nicht nur ein Erinnerungsort, sondern auch ein Symbol: für den Pioniergeist des SKV, für die lebendige siebenbürgische Bergsteigerkultur und für die tiefe Verbundenheit vieler Generationen mit der wilden Schönheit der Karpaten.

Robert Sonnleitner
Winfried Ziegler

Abbildung der Prejbe I-Hütte im Jahrbuch des ...
Abbildung der Prejbe I-Hütte im Jahrbuch des Siebenbürgischen Karpathenvereins (SKV) Jahrgang 1924. Foto: Konrad Klein

Schlagwörter: SKV, Karpaten, Renovierung, Bergsteigen, Brukenthalschule

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