19. April 2026

Bischof und Landeskirchenkuratorin schwören Kuratoren auf neue Zeit ein

Drei Themen beschäftigten die rund 50 Teilnehmenden des Kuratorentages Ende März in Hermannstadt. Motto: „Zukunft gestalten – Gemeinschaft leben, neue Strukturen – Gemeindeverbände“. Es ging um gelebte Gemeinschaft in Gemeindeverbänden, den Stand des Transformationsprozesses innerhalb der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR) und die Gestaltung der Beziehungen der Kirchengemeinden zu ihren jeweiligen Heimatortsgemeinschaften (HOGs) in Deutschland.
Fast 50 Teilnehmende kamen Ende März zum ...
Fast 50 Teilnehmende kamen Ende März zum Kuratorentag nach Herrmannstadt. Foto: Hans Königes
Den Auftakt des Kuratorentages bildete traditionell der Gottesdienst, dieses Mal in der Ferula der Hermannstädter Stadtpfarrkirche, gehalten vom Schäßburger Bezirksdechanten Dr. Bruno Fröhlich. Gleich zu Beginn stellte er klar: „Gemeindeverbände können nur dann funktionieren, wenn die angestrebte Gemeinschaft der Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht. Es gilt ,hinzuhorchen‘, was der eine oder die andere nötig hat. Wenn wir das tun, dann geschieht es so, wie es uns am Schluss des Christushymnus suggeriert wird, nämlich zur Ehre Gottes, des Vaters.“

In seiner Begrüßung im Bischofspalais wies Bischof Reinhart Guib darauf hin, wie wichtig es für die EKR sei, dass Ehrenamt und geistliches Amt zusammenarbeiten, denn „Kirche sind wir gemeinsam“. In einer sich verändernden Welt müssen sich Tradition und Innovation verbinden – Ecclesia semper reformanda ist gute evangelische Tradition. Wenn das nicht geschieht „dann verliert auch der Lieblingsspruch der Siebenbürger Sachsen: Mer wellen bleiwen, wat mar sen (Wir wollen bleiben, was wir sind) seine Gültigkeit. Die richtigen Antworten auf die Fragen der Gegenwart zu finden, macht unsere Gemeinschaft fit für die Zukunft!“

Altlandeskirchenkurator Friedrich Philippi erinnerte an das Engagement der im vergangenen Jahr verstorbenen Kuratorinnen und Kuratoren. In einer gemeinsamen Schweigeminute wurde ihrer gedacht.

Die EKR stellt sich den Herausforderungen der Zukunft durch einen tiefgreifenden Reformprozess. Bischof Guib unterstrich die Bedeutung der Arbeitsgruppen und der darin bearbeiteten Themen – die Bedeutung einer einladenden, offenen Kirche, des Religionsunterrichts in den Schulen, der Kultur wie etwa des Teutsch-Hauses als Fenster in die Gesellschaft, der Kirchenburgen als besonderes Erbe der Siebenbürger Sachsen und als touristische Attraktion und nicht zuletzt die Nächstendienste durch Diakoniearbeit.

Hauptanwalt Friedrich Gunesch informierte über den Stand zur Überarbeitung der Wahlvorschriften, mit dem sich eine der Arbeitsgruppen beschäftigt. Eine Konsequenz der letzten Kirchenwahlen ist, dass das Wahlverfahren vereinfacht werden muss.

Hauptthema des Kuratorentages war der Gemeindeverband als Zukunftsstruktur kirchlicher Gemeinschaft. Landeskirchenkuratorin Dr. Carmen Schuster moderierte die Gesprächsrunde der Pioniere des Gemeindeverbandes: Dietrich Galter, Pfarrer des Gemeindeverbandes Neppendorf und Dechant des Hermannstädter Bezirkes, Dr. Johannes Klein, Theologieprofessor und Pfarrer des Gemeindeverbandes Fogarasch, sowie Pfarrer Johannes Zey, Gemeindeverband Reener Ländchen.

Sie sprachen über ihre langjährigen Erfahrungen im Aufbau von Gemeindeverbänden. Vorteile sind die dezentrale Struktur, die kurzen Dienstwege sowie eine schlanke Verwaltung. Bezirke sind oft zu weit weg und haben nicht das nötige Personal, um zeitnah Aufgaben in den entfernteren Kirchengemeinden zu lösen. Durch die Gemeindeverbände kommt man wieder näher an die Menschen heran. Allerdings – so Bischof Guib – sind noch rechtliche und finanzielle Fragen zu klären.

Am Nachmittag informierte Landeskuratorin Dr. Carmen Schuster die Kuratoren über den Reformprozess in der Kirche. Um zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen, müsse die Landeskirche viele Bereiche neu ordnen. Dies ist auch die Antwort auf ein immer professioneller werdendes Umfeld. Dem Bereich Einladende Kirche/Geistliche Dienste sind die Arbeitsbereiche geistliche Arbeit, Gemeindeaufbau, Ökumene zugeordnet. Der Bereich Diakonie und Fürsorge bündelt die Kräfte der diakonischen Einrichtungen, der Bereich Kultur und Bildung hat die Aufgabe, siebenbürgische-sächsische Kultur – das Teutsch-Haus mit seinen Einrichtungen, die Kirchenburgen – im internationalen und rumänischen Umfeld bekanntzumachen.

Der Bereich Nachhaltiges Wirtschaften ist für die Sicherung des kirchlichen Vermögens auch für zukünftige Generationen zuständig. Die zukünftige Leitung der Kanzlei und der Hauptabteilung Strategie Zukunft Kirche wird sich mit strategischen Fragen, mit Recht, mit internationalen Kooperationen, mit EU-Projekten und mit den Beziehungen zu den Heimatortsgemeinschaften befassen.

Der Bukarester Kurator Emil Ionescu, der die Arbeitsgruppe Management, Verwaltung und Finanzen leitet, wies darauf hin, dass Wirtschaften nachhaltig sein müsse, wenn das Vermögen der Kirche für zukünftige Generationen gesichert werden soll. Einen kurzen Einblick in die Öffentlichkeitsarbeit der EKR gab Hans Königes, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Eine enge Zusammenarbeit der Kirche mit den Medien ist unabdingbar. So können sowohl die eigenen Mitglieder als auch die breite rumänische Öffentlichkeit erreicht werden.

Im letzten Programmpunkt – der der Landeskirchenkuratorin ebenfalls stark am Herzen liegt – ging es um die Beziehungen der in Rumänien gebliebenen Siebenbürger Sachsen zu den Ausgewanderten, die sich in der Regel in den Heimatortsgemeinschaften (HOGs) in Deutschland organisieren. Das Interesse der Ausgewanderten an ihrer Heimat Siebenbürgen und ihren Herkunftsorten ist erfreulicherweise gestiegen. Damit die Zusammenarbeit in den Kirchengemeinden Früchte trägt, muss sie auf einem gesunden Fundament stattfinden: offene Kommunikation, Verständnis für die jeweils andere Lebenserfahrung sowie Akzeptanz sind dabei unabdingbar.

Einen praktischen Beitrag, wie Zusammenarbeit zwischen örtlicher Kirchengemeinde und HOG funktionieren kann, lieferte der in Deutschland lebende Kurator von Holzmengen Christian Schneider. Im Gespräch mit den Teilnehmern und mit der Landeskirchenkuratorin wurde eine Art Leitfaden entwickelt, der aufzeigte, worauf es ankommt, um gemeinsames Arbeiten erfolgreich zu machen: ein klares gemeinsames Ziel, offene und transparente Kommunikation, konkrete Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, am besten in einer gemeinsamen Vereinbarung festgehalten.

hk

Schlagwörter: EKR, Tagungen, deutsch-rumänische Beziehungen

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