29. Mai 2026

Bernd Fabritius: „Im Heute wirken und Zukunftsperspektiven für die kommenden Generationen schaffen“

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, hat bei der Eröffnung des Heimattages in Dinkelsbühl die Siebenbürger Sachsen als starke Gemeinschaft gewürdigt, die ihr kulturelles Erbe bewahrt und zugleich Verantwortung für die Zukunft übernimmt. In seinem Grußwort am 23. Mai im Schrannen-Festsaal betonte Fabritius die Bedeutung des generationenübergreifenden Engagements sowie die Arbeit und Mitwirkung am Heimattag der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) und des Sozialwerks der Siebenbürger Sachsen, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen begehen. Der Bundesaussiedlerbeauftragte hatte tags zuvor am ersten Sudetendeutschen Tag in Brünn in Tschechien teilgenommen. Sowohl von dort als auch vom Heimattag in Dinkelsbühl gingen „unglaublich wichtige Zeichen europäischer Friedenspolitik“ aus, sagte Fabritius. Er dankte Rumänien, das ab sofort die Entschädigungszahlungen für politische Opfer, die in Deutschland leben und hier krankenversichert sind, ohne zehnprozentigen Abzug leistet. Fabritius’ Ansprache wird ungekürzt wiedergegeben.
Dr. Bernd Fabritius bei seinem Grußwort im ...
Dr. Bernd Fabritius bei seinem Grußwort im Schrannen-Festsaal in Dinkelsbühl. Foto: Christian Schoger
Sehr geehrter Herr Bundesvorsitzender Rainer Lehni, lieber Rainer, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der siebenbürgisch-sächsischen Pfingstwelthauptstadt Dinkelsbühl, lieber Christoph Hammer, lieber Herr Landrat Meier, liebe Petra Loibl, lieber Heiko Hendriks, lieber Michael Schmidt als Vorsitzender der Stiftung, die seit vielen Jahren Hauptsponsor unseres Heimattages ist, liebe Landsleute, liebe Freunde und Freundinnen der Siebenbürger Sachsen! Ich darf zuerst einen kleinen Kommentar abgeben. Lieber Christoph, es gibt keinen Wettbewerb zwischen Ungarn und Siebenbürger Sachsen. Wir backen Baumstriezel, und das wird heute sicher der Längste der Welt. Die Ungarn versuchen gelegentlich mit dem Kürtőskalács das nachzuahmen, aber es gelingt nicht wirklich.

Wichtige Zeichen europäischer Friedenspolitik

Ich überbringe Ihnen die besten Grüße vom ersten Sudetendeutschen Tag in Brünn in Tschechien. Meine Damen und Herren, was ich gestern dort erlebt habe, was wir heute hier in Dinkelsbühl erleben, hat historischen Weltrang. Aus Brünn in Tschechien und auch aus Dinkelsbühl in Bayern gehen heute unglaublich wichtige Zeichen europäischer Friedenspolitik aus. Das dürfen auch wir Siebenbürger Sachsen uns auf die Fahnen schreiben.

Es ist mir eine besondere Ehre und Freude, als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten anlässlich der heutigen Eröffnung des Heimattages der Siebenbürger Sachsen hier im schönen Dinkelsbühl ein Grußwort an Sie richten zu dürfen und die herzlichsten Grüße und besten Wünsche der Bundesregierung und unseres Bundeskanzlers Friedrich Merz sowie unseres Bundesinnenministers Alexander Dobrindt, der heute noch in Brünn ist, aber morgen her kommt, zu überbringen.

Als Erstes möchte ich den beiden Mitveranstaltern, der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) und dem Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen, die beide in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum begehen, meine ganz persönlichen Glückwünsche zum Ausdruck bringen und Euch für Euer Engagement sowie Eure wertvolle und Signal gebende Arbeit danken.

Das diesjährige Motto „Generationen verbinden – Perspektiven schaffen“ ist nicht nur ein Leitgedanke, sondern zugleich eine Einladung, unsere Gemeinschaft in ihrer ganzen Vielfalt zu feiern.

Die Siebenbürger Sachsen blicken auf eine bewegte Geschichte zurück – eine Geschichte von Tradition, von Mut und von Zusammenhalt. Diese Geschichte lebt weiter in jedem Einzelnen von uns, in unseren Familien, in unseren Vereinen und unserem Gesamtverband, in allen seinen vielfältigen Aktivitäten.

Indem wir Generationen miteinander verbinden, geben wir nicht nur Wissen, Werte und Kultur weiter, sondern wir schaffen auch neue Perspektiven für die Zukunft unserer Gemeinschaft.

Besonders in der heutigen Zeit ist es wichtig, Brücken zwischen Alt und Jung zu bauen. Die Erfahrung der Älteren, gepaart mit der Kreativität und dem Tatendrang der Jungen, bilden die Grundlage für eine starke, lebendige und zukunftsorientierte Gemeinschaft.

Lassen Sie uns gemeinsam diese Brücken gestalten, generationenübergreifend voneinander lernen und Wege finden, wie unsere Traditionen auch in der modernen Welt weiterhin gedeihen können. Ich appelliere an die junge Generation: Erkennen und nutzen Sie die Chancen, die sich aus festen kulturellen Wurzeln in einer Gemeinschaft wie unserer bieten, aber bleiben Sie bitte kreativ und mutig, auch eigene Formate und Wege zu finden, das, was uns alle verbindet, in die Zukunft zu tragen!

Ich wünsche uns allen inspirierende Begegnungen, anregende Gespräche und viele Momente des Miteinanders. Möge dieser Heimattag uns Kraft geben, die Vergangenheit zu ehren, im Heute zu wirken und Zukunftsperspektiven für die kommenden Generationen zu schaffen.

Rumänien zahlt Entschädigungen ohne zehnprozentigen Abzug für in Deutschland lebende Betroffene

Ich nutze die Gelegenheit, noch einen persönlichen Satz anzufügen, und zwar einfach eine sehr positive Nachricht, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Mich hat gestern Nachmittag ein Schreiben der beiden Präsidenten der Nationalen Rentenkasse und der Nationalen Kasse für Sozialversicherungen erreicht. Rumänien hat sich entschieden, unseren Anträgen nachzugehen, und verzichtet ab sofort auf den zehnprozentigen Abzug von Sozialleistungen aus Rumänien für alle Menschen, die in Deutschland wohnen und hier krankenversichert sind. Das ist ein unglaublich wichtiges Signal, und es ist ein Entgegenkommen für alle Landsleute, die in Deutschland leben – im Übrigen, liebe Frau Botschafterin, nicht nur für Siebenbürger Sachsen oder Banater Schwaben. Es gilt auch für die große rumänische Diaspora, die in Deutschland lebt, hier krankenversichert ist, von denen der rumänische Staat auch zehn Prozent von allen Leistungen abgezogen hat.

Ich finde, dass es ein unglaublich großer Erfolg auch unserer Gemeinschaft ist, dass Rumänien hier umgedacht hat und unseren Argumenten gefolgt ist. Wir konnten sogar durchsetzen, dass Rumänien sich bereit erklärt hat, die bereits abgezogenen zehn Prozent aus den vergangenen Monaten auf Antrag zu erstatten, das heißt jeder, dem man das abgezogen hat, kann in Rumänien beantragen, dass er das Geld rückwirkend bekommt. Ich möchte mich dafür, Exzellenz, liebe Botschafterin Stănescu, ganz herzlich bei Rumänien bedanken. Nehmen Sie bitte diesen Dank mit.

Ich möchte noch einen Dank aussprechen. Lieber Michael Schmidt, ich möchte dir an dieser Stelle dafür danken, dass es überhaupt Entschädigungszahlungen aus Rumänien nach Deutschland gibt. Dass dieses Gesetz 2013 gekommen ist, verdanken wir Siebenbürger Sachsen der Vermittlung der Michael Schmidt Stiftung. Danke an dieser Stelle.

Ich wünsche uns allen einen wunderschönen Heimattag, än ugeneämen Foistdoch, bleiwt gesangt. Danke!

Schlagwörter: Heimattag 2026, Eröffnung, Bernd Fabritius

Bewerten:

28 Bewertungen: +

Neueste Kommentare

  • 29.05.2026, 22:27 Uhr von ingenius mobile: Ich lade Interessierte herzlich zur ergebnisoffenen, politischen, kritischen Diskussion des ... [weiter]
  • 29.05.2026, 16:32 Uhr von RiaKraus: Persönliche Danksagung Mit großer Freude und tiefer Anerkennung möchte ich Dr. Bernd Fabritius ... [weiter]

Artikel wurde 2 mal kommentiert.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich. Die Kommentarfunktion ist nur für registrierte Premiumbenutzer (Verbandsmitglieder) freigeschaltet.