17. April 2026

Beliebt und besucht wie eh und je – Bistritzer Ostermarkt 2026

„Wir sind heute hier versammelt, um den Ostermarkt 2026 zu eröffnen – eine Veranstaltung, die uns Jahr für Jahr einander näherbringt und uns daran erinnert, was für eine Stadt wir sind.“ Mit diesen Worten begann Bürgermeister Gabriel Lazany sein Grußwort und betonte: „Bistritz kann ohne den Beitrag der sächsischen Gemeinschaft nicht verstanden werden. Sie legte den Grundstein für eine gut organisierte Stadt, in der die Dinge nach klaren Regeln funktionierten, mit Respekt vor der Arbeit und der Gemeinschaft. Sie haben nachhaltig gebaut, langfristig gedacht und nicht nur Gebäude hinterlassen, sondern auch eine Art, Dinge verantwortungsvoll und ausgewogen zu tun.“ Der Ostermarkt entspringe dieser Tradition und eine natürliche Fortsetzung einer Lebensweise des Miteinanders.
Ja, Ostermarkt! Ob man dabei zunächst auch an Singen und Tanzen, an Gottesdienst und Abendmahl, an Gemeinschaft bewahren und stärken denkt? In Bistritz seit mehr als zwei Jahrzehnten auf jeden Fall. Das Rathaus, die Evangelische Kirche Bistritz, das Demokratische Forum der Deutschen in Bistritz-Nassod haben es auch heuer wieder geschafft, Vorzeigbares auf die Beine zu stellen.

Diese Veranstaltung, die den Osterbräuchen und dem Gemeinschaftsgefühl gewidmet ist, vereint lokales Kunsthandwerk, handgefertigte österliche Produkte und traditionelle Gerichte und schafft so eine authentische Festtagsatmosphäre. Besucher können künstlerische Darbietungen, traditionelle Musik und Tänze sowie Aktivitäten für Kinder genießen, die die Osterbräuche auf interaktive Weise vermitteln. Der Ostermarkt ist nach wie vor ein wichtiges Ereignis für Bistritz, durch das die kulturellen Werte und das sächsische Erbe der Region gefördert werden.
Kinderchor „Laudate Dominum“ mit Chorleiterin ...
Kinderchor „Laudate Dominum“ mit Chorleiterin Lucy Catrintasu. Foto: Horst Göbbel
Durch das künstlerische Programm im Bistritzer Kulturpalast, das mit einem ökumenischen Gebet von Dekan Cristian Goia von der griechisch-katholischen Kirche, Lucian Blaga von der rumänisch-orthodoxen Kirche und dem evangelischen Stadtpfarrer Andreas Hartig eingeleitet wurde, führten gekonnt Iris Marton und David Oniţă, Schüler der deutschen Abteilung des Bistritzer Nationalkollegs „Liviu Rebreanu“. Dem ökumenischen Gebet folgte das Grußwort von Bürgermeister Gabriel Lazany. Darin hob er die große Leistung, der Siebenbürger Sachsen für diese Stadt über Jahrhunderte hervor. Und wir von der HOG Bistritz-Nösen warteten heuer mit einer Premiere auf: Inge Alzner, unsere neue Vorsitzende, startete von Nürnberg aus zu ihrer ersten großen Feuertaufe, das HOG-Grußwort in rumänischer Sprache vor dem Publikum vorzutragen. Natürlich war es emotional richtig heftig, zugleich jedoch inhaltlich und rhetorisch ein feiner Genuss, was Inge dem Publikum zu sagen hatte. Sie übermittelte die herzlichsten Grüße der HOG Bistritz-Nösen und freute sich „über die Zusammenarbeit zwischen der HOG und Ihrer wunderschönen Stadt“. Es folgte, was folgen musste. Inge sprach als waschechte Bistritzerin. „Bistritz ist für mich weit mehr als nur ein Ort – es ist meine Heimatstadt, der Platz, an dem ich geboren bin, meine Kindheit und Jugend verbracht habe und auch konfirmiert wurde. Viele Erinnerungen, Werte und ein Stück meiner Identität sind untrennbar mit dieser Stadt verbunden. Gerade deshalb ist es mir als Vorsitzende der HOG Bistritz-Nösen ein besonderes Anliegen, auch in Zukunft eine enge und lebendige Verbindung zu dieser Stadt zu pflegen und weiterzuführen. Unsere Gemeinschaft lebt vom Miteinander, vom Austausch und von der Wertschätzung unserer gemeinsamen Geschichte und Kultur. Ich freue mich sehr, dass wir heute hier zusammenkommen, um diese Verbundenheit zu feiern und gemeinsam einen so schönen Anlass wie den Ostermarkt zu begehen.“ Anschließend dankte Inge allen, die zum Gelingen dieses unvergesslichen Ostermarktes beigetragen haben. Daraufhin bekundete die Geschäftsführerin des kommerziellen Ostermarktes Elena Bărbos ihre Freude über die Gelegenheit, diesen Markt abzuhalten, und über die zahlreichen Besucher.

Christian Roth-Gross, Vorsitzender des Deutschen Forums in Bistritz, begrüßte alle anwesenden Gäste zur 24. Auflage des Ostermarktes, dankte besonders der Stadt und betonte: „Gemeinsam mit den wenigen verbliebenen Sachsen und dank der großzügigen Unterstützung der Rumänen und Ungarn treffen wir uns jedes Jahr, um unsere Volkstrachten, Tänze und Lieder zu präsentieren – in jener multikulturellen Note, die uns in Siebenbürgen so sehr definiert.“
Auftritt der Tanzgruppe "Vergissmeinnicht Junior" ...
Auftritt der Tanzgruppe "Vergissmeinnicht Junior" beim Ostermarkt Bistritz. Foto: Inge Alzner
Tanz und Musik sowie der Applaus des begeisterten Publikums erfüllten anschließend den Raum. Es wurden umfassend vorgestellt und traten auf: die Siebenbürgische Tanzgruppe „Vergissmeinnicht Jr.“ (2019 gegründet und talentierte Schülerinnen und Schüler der deutschen Abteilung des „Liviu Rebreanu“ Nationalkollegs umfassend) und die der jungen Kindertanzgruppe, beide mit breitem Können und seit Jahren mit großer Hingabe geleitet von Izabella Popescu, die 2005 von Thomas Hartig gegründete Blaskapelle „Harmonie“ des Deutschen Demokratischen Forums Bistritz (Dirigent: Levente Balint), die Tanzgruppe „Goldregen“ des Deutschen Forums Sächsisch Regen unter der Tanzleitung von Balla Denes mit drei Tänzen: Reenertanz, Simsalabim und Bootscher Tanz, das 1996 gegründete professionelle rumänische Ensemble „Dor românesc“ des Kreis-Kulturzentrums Bistritz (Instrumentalgruppe, Solosängerinnen – Mirela Petruș, Cristina Retegan und Cristina Bugnar – und sehr flotte Tänzerinnen und Tänzer unter der künstlerischen Leitung von Alexandru Adrian Pașcu), die ungarische Volkstanzgruppe „Vadrozsa“ (2018 gegründet, Tanzkoordinator: Nagy Gyozo, Leiterin Pasztor Agnes) mit mehreren Tänzen aus dem Szeklerland, sowie der 2024 gegründete Kinderchor „Laudate Dominum“ der Evangelischen Kirche in Bistritz unter Leitung von Lucy Catrinţașu, einer engagierten und erfahrenen Dirigentin mit viel Einfühlungsvermögen und Fachkenntnis. Abgerundet wurde der künstlerische Teil mit einem überzeugenden Auftritt der Tänzer „Vergissmeinnicht Junior“, die mit einem letzten Moment voller Energie und Tradition begeisterten. Alle Gruppenleiter erhielten ein Teilnahmediplom.

Im Festgottesdienst am Palmsonntag begrüßte Stadtpfarrer Andreas Hartig rund 100 Gäste von nah und fern. Der von Lucy Catrintasu geleitete Chor erfreute mit seinen gut einstudierten Weisen. Pfarrer Hartig ging in der Predigt auf die Geschichte aus dem Markus-Evangelium (14,3-9) über die Salbung Jesu mit kostbarem Nardenöl durch eine unbekannte Frau ein, die angefeindet wird, obwohl sie ein gutes Werk an Jesus tut, das letzte wahrscheinlich vor seinem Karfreitagsleiden. Verhaftung, Folter, Hinrichtung und Tod stehen ihm bevor.

Diese Zeichenhandlung sollte allen Generationen die Augen dafür öffnen, dass das Einzige, was wir Menschen verschwenden können und sollen, die Liebe zu unserem Herrn und zu unserem Nächsten ist. „In der Begegnung mit Jesus Christus, auch in diesem Gottesdienst“, hielt Pfarrer Hartig fest, „gilt es, sich ganz und gar ihm zu verschreiben und sich ganz auf ihn einzustellen. Und zur rechten Zeit sich auch den Armen und allen anderen Aufgaben, Herausforderungen und Problemen der Zeit zu stellen – und zwar ebenfalls mit der ganzen Kraft und Liebe, die man aus der Begegnung mit Jesus Christus gewonnen hat. Das ist die zentrale Botschaft des Evangeliums heute.“ Mit dieser würdigen Kunde endete der gehaltvolle Ostermarkt 2026 in Bistritz.

Horst Göbbel

Schlagwörter: Bistritz, Ostermarkt, Brauchtum

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