10. Dezember 2007

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Anselm Roth: „Siebenbürgische Gästehäuser“

Das neueste Buch aus der Feder von Anselm Roth, der bereits eine lange Reihe an Reise­füh­rern durch die Region Siebenbürgens veröffentlicht hat, knüpft an das Vorgängerbuch („Gäste­häuser in Siebenbürgen“, 2000, hora Verlag) an, das „sehr begehrt und bald vergriffen“ war. In Kooperation mit der Siebenbürgischen Zeitung und aufgrund deren Gästehäuserliste hat Anselm Roth eine vollständige Beschreibung dieser ganz besonderen Übernachtungs­möglich­keiten in ganz Siebenbürgen erstellt.
Roth bietet mehr als ein normaler Reisefüh­rer. Seine Betrachtung der siebenbürgisch-sächsischen Dörfer und ihrer Gasthäuser aus einer touristischen Perspektive ist keine ordinäre Informations-Ansammlung, sondern eine Art Reise zum Nachlesen: eine Lesereise, um diesen Begriff mal verkehrt herum auszudeuten.

In fünf Kapiteln macht sich Roth auf in die kleinen Ortschaften „zwischen Broos und Draas“, be­schreibt, immer witzig und pointiert, den Weg, die Landschaft, die Gebäude von mehr als 50 potenziellen Ausflugszielen. Dort bleibt er dann in den Gasthäusern, welche oft in alten Pfarr­häusern eingerichtet worden sind, und versorgt den Leser mit allen nötigen Informa­tionen von Anfahrtsweg bis Zimmeraufteilung. Besondere Umsicht lässt er bei der Beschrei­bung der sanitären Anlagen walten, deren mancherorts eher rustikales Niveau ja nicht jedes West-Touristen Sache ist. Darob findet – auch so entstehen Legenden – jedes einzelne Plumpsklo seine Er­wäh­nung. z ... Die vielen kleinen Anekdoten über die Ge­schichte der Ortschaften verraten den Fach­mann auf Schritt und Tritt. Den letzten Biss finden Roths Geschichten dann, wenn er die, Ent­schuldigung, Verschrobenheit einiger Reise­begegnungen für sich sprechen lässt. Zitate der Einheimischen à la „Aber der Esel war einmal angebunden, da hat ihn der Bär gefressen“ geben dem Leser noch tiefere Einblicke ins siebenbürgische Landleben als es all die qualitativ hochwertigen Bilder ohnehin schon tun. Das ist es überhaupt, was Roths Buch wirklich besonders werden lässt: die Menschen. Die Porträts der eigentümlichen Charaktere, die Roth sozusagen en passant entwirft, schaffen einen Reiseführer für solche, die es gerne persönlich mögen.

Eine gewisse Wehmut ist dem Buch nicht abzusprechen. Kein plumpes Früher-war-alles-besser, aber der Wunsch, die Zeit wäre hie oder da stehen geblieben, ist offensichtlich. Roths Reise ist geprägt von der Suche nach Authen­tischem. „Solange es solche Bilder gibt“, schwärmt er angesichts einiger neben einem Ziehbrunnen weidender Kühe, „werden die Touristen nach Rumänien kommen“.

Die größte Stärke dieses Buches ist gleichzeitig seine einzige Schwäche: Wer es schlicht als Reiseführer benutzen will, wird feststellen, dass durch die erzählende Textform die Übersicht­lichkeit etwas leidet und einzelne Informationen nicht schnell zu finden sind. Gerade bei den wertvollen Hinweisen zum Zustand der Straßen hätte man eine schematische Darstellung gut gebrauchen können. Und dass die Orte nur im Text und nicht auch auf den bunten Seiten­vermerken zweisprachig angegeben sind, wird die Kompatibilität mit rumänischen Landkarten etwas verringern. Diese Details aber ändern am Gesamtein­druck nichts: Wer sich mit diesem etwas anderen Führer im Gepäck auf die Socken macht, wird mit Sicherheit eine etwas andere Reise erleben.

Jakob Horstmann

Roth, Anselm: „Siebenbürgische Gäste­häu­ser“, Hermannstadt: Schiller Verlag, 2007, 129 Seiten, ca. 170 Farbfotos. 16,00 Euro, ISBN 978-973-88536-2-1, erhältlich im Sie­benbuerger.de-Shop oder in Hermannstadt: Schiller-Buchhandlung und Erasmus-Bü­cher­cafè.
Siebenbürgische Gästehäuser
Anselm Roth
Siebenbürgische Gästehäuser

Schiller Verlag
Hardcover
128 Seiten
EUR 9,95 (+ Versandkosten)
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Schlagwörter: Gästehäuser, Rezension, Tourismus

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