10. Januar 2026

Herta Dietrich: WƏirtertrunn

Herta Dietrich, 1966 in Schäßburg geboren, verbrachte ihre ersten Lebensjahre zunächst in Maniersch und danach in Schäßburg. Nach dem Studium der Germanistik in Jassy (Iaşi) war sie Deutsch-Lehrerin in Agnetheln. Seit 1990 lebt sie mit ihrer Tochter in Deutschland und hat hier umständehalber zur Medizinischen Fachangestellten umgeschult.
Herta Dietrichs Liebe gilt der Literatur. Gedichte und Kurzgeschichten hat sie in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Bei mehreren literarischen Wettbewerben ist H. Dietrich erfolgreich gewesen: 2016 gewann sie den Fränkischen Kurzgeschichten-Wettbewerb und 2017 den Rothenburger Kurzgeschichten-Wettbewerb, 2020 erhielt sie den Lyrischen Lorbeer in Silber (d.h. den zweiten Preis) unter mehr als hundert Einsendungen beim jährlichen Lyrikwettbewerb, den der Lorbeerverlag in Bielefeld veranstaltet.

De Wǝirtertrunn ist ihr erstes siebenbürgisch-sächsisches Gedicht. Willkommen, Frau Dietrich, somit im Kreise unserer Mundartautorinnen und -autoren!

Bernddieter Schobel


Herta Dietrich

WƏirtertrunn

Hiert, ir geaut Lotch, kutt erun,
kutt, ech zyijen ich menj Trunn,
dai ech än dem Harzen hunn.

Menjer Siel, wått äs dertann?
Äs däa Gloëck* bäs iwert Kann?
Nai, äs Baisret* äs dertan.

Däa äs munch e såchsesch Wǝurt,
ǝus der Stodt, vum Dorf, vum Mǝurt,
wått ech nett vergaißen hunn,
dåt laut secher än der Trunn.

Däa senj Wǝirter, hiert narr hiert,
dai menj Motter es geliert,
wai mir wäaren Kendj uch klǝnj
än der Manierscher Gemǝnj.

Doch dess Zedje senj dervunn,
mir blǝiwt narr de Wǝirtertrunn,
dai ech vun der Motter hunn.

Vill vergäißen hunn ech hotch,
åwer ich verstäin as Lotch,
wonn se wäi menj Motter rǝiden,
näst äs näirer mir åf Əirden*.

Zecklich moss menj Schrätt ech linken
un är Graw mät Bleomestrstroiß,
u menj Motter moss ech dinken,
wäi se sait „Kraddergedois“*.

Joi, sulong ech än der Trunn
am Harzen såchsesch Wǝirter hunn,
sulong hunn ech ä jaider Läaģ*
Hyimet än der Motterspräach.


Zur Schreibung
Das Zeichen Ə, ǝ für Murmel-e wurde dort verwendet, wo die Lautung von der sonst meist üblichen abweicht, z.B. Wǝirter statt Wierter (Wörter)

Worterklärungen
Äs däa Gloëck – Ist da Glück (drin)
äs Baisret – etwas Besseres
åf Əirden – auf Erden
Kraddergedois – „Algen (in Tümpeln, Brunnen, Trögen)“ (Siebenbürgisch-Sächsisches Wörterbuch, Band K, S. 314, Bukarest/Berlin, 1975)
Läaģ – Lage

Schlagwörter: Mundart, Gedicht

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