10. Januar 2026
Herta Dietrich: WƏirtertrunn
Herta Dietrich, 1966 in Schäßburg geboren, verbrachte ihre ersten Lebensjahre zunächst in Maniersch und danach in Schäßburg. Nach dem Studium der Germanistik in Jassy (Iaşi) war sie Deutsch-Lehrerin in Agnetheln. Seit 1990 lebt sie mit ihrer Tochter in Deutschland und hat hier umständehalber zur Medizinischen Fachangestellten umgeschult.

De Wǝirtertrunn ist ihr erstes siebenbürgisch-sächsisches Gedicht. Willkommen, Frau Dietrich, somit im Kreise unserer Mundartautorinnen und -autoren!
Bernddieter Schobel
Herta Dietrich
WƏirtertrunn
Hiert, ir geaut Lotch, kutt erun,
kutt, ech zyijen ich menj Trunn,
dai ech än dem Harzen hunn.
Menjer Siel, wått äs dertann?
Äs däa Gloëck* bäs iwert Kann?
Nai, äs Baisret* äs dertan.
Däa äs munch e såchsesch Wǝurt,
ǝus der Stodt, vum Dorf, vum Mǝurt,
wått ech nett vergaißen hunn,
dåt laut secher än der Trunn.
Däa senj Wǝirter, hiert narr hiert,
dai menj Motter es geliert,
wai mir wäaren Kendj uch klǝnj
än der Manierscher Gemǝnj.
Doch dess Zedje senj dervunn,
mir blǝiwt narr de Wǝirtertrunn,
dai ech vun der Motter hunn.
Vill vergäißen hunn ech hotch,
åwer ich verstäin as Lotch,
wonn se wäi menj Motter rǝiden,
näst äs näirer mir åf Əirden*.
Zecklich moss menj Schrätt ech linken
un är Graw mät Bleomestrstroiß,
u menj Motter moss ech dinken,
wäi se sait „Kraddergedois“*.
Joi, sulong ech än der Trunn
am Harzen såchsesch Wǝirter hunn,
sulong hunn ech ä jaider Läaģ*
Hyimet än der Motterspräach.
Zur Schreibung
Das Zeichen Ə, ǝ für Murmel-e wurde dort verwendet, wo die Lautung von der sonst meist üblichen abweicht, z.B. Wǝirter statt Wierter (Wörter)
Worterklärungen
Äs däa Gloëck – Ist da Glück (drin)
äs Baisret – etwas Besseres
åf Əirden – auf Erden
Kraddergedois – „Algen (in Tümpeln, Brunnen, Trögen)“ (Siebenbürgisch-Sächsisches Wörterbuch, Band K, S. 314, Bukarest/Berlin, 1975)
Läaģ – Lage
Schlagwörter: Mundart, Gedicht
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