10. Februar 2008

Georg Meyndt: Schesserlied

Was ist die schönste Belohnung für einen Dichter? Wenn seine Lieder so bekannt und beliebt sind, dass sie weit und breit gesungen werden und in den Liedschatz einer Gemeinschaft eingehen. Mehr noch, wenn sich brauchtümliche Handlungen mit dem Text einbürgern (beim Singen der letzten Strophe Tongeschirr zerschlagen). So eschehen mit Georg Meyndts Lied „Et schallt e Klång durch ås Gemien“, volkstümlich auch schon umgedichtet zu „Et gieht en Riëd durch ås Gemien“, das je nach örtlichem Brauch bei der Verabschiedung der Braut durch die Jugendlichen zur Verlobung oder vor der Hochzeit gesungen wird.

Schesserlied

Et schallt e Klång durch ås Gemien,
dåt äs e frådich Lokt!
Et wieß et alles grieß uch klien:
Em schesst, et wid en Brokt.
Wie siel et sen? Mer wässen´t alle gat,
wo hekt en Brokt ze hieschen äs,
'si bäst gewäss nor ta´t.

De Riëw, dä wäll en Håldung hun,
well´t åndersch glatt net gieht.
Em bängd sä un en Stiëwel un,
datt sä uch Weïmern driet.
Ta bäst de Riëw, der Stiëwel äs uch hä.
Bängd dech un än, ämschläng ä fiëst
und wärd seng Brokt, seng Frää.

Wat uch ech åndert gäre wed,
ir hued et na erlangt.
Em wieß et sächer, datt et ech
net äm de Zakonft bangt.
Nor de Gesangd, git Gott der Herr ech diën,
mehr wat det Schäcksål mät sich brängt,
ir kennt et af ech niën.

Der Krånz än åser Hånd, die driet
en Zeddel ugefächt.
Herr gaw, datt än Erfällung gieht,
dåt, wat der Zeddel sprächt.
Dro net vergiëßt, wä gläcklich ir uch sed,
dinkt uch un ås, dinkt gärn zeräck
un ås hiesch Jugendzekt.

(Die Braut singt)
Ech dånken ich, datt ir sed kunn
za desem Uģebläck.
Uch hinfiert niëht meng Frändscheft un
end net benegd me Gläck.
Sed frieh, sed frieh, ´si lång ir läddich sed!
Der Herrgott, die äm Hemmel äs,
die wieß se schien, ir Zekt.

Liëwt wiehl, ir schatzich Stuwwe meng,
än diën ech hu gehoust.
Ech sål na uch en Wirtä sen
na bååld af ijä Foust.
Hawd Dånk, hawd Dånk, dä ir ä Fråd uch Schmerz
fir mech gesorjt, meng Vueterhånd,
meng trået Motterherz.

(Der Chor singt)
Det Schessen nit noch nichen Ängd.
Na kit ås Palwer drun,
mir niëhn ås Bissen än de Hängd,
dä mir vum Däppner hun.
Schesst, datt et kracht! Ir Wirtscheft sål gedåhn!
Esevelt Gälde sellt er hun,
wä wat hä Scherwe lån!

Det Brännchen

Brännchen um gräne Rien
flesst fir de gåånz Gemien,
flesst Dåch uch Noocht;
ous dem sich alle Lekt
wängters- uch sommerszekt
Wasser hu broocht.

Gangelche flietä kit,
dreïwt, bäs hie´t Wasser nit,
Spaß allerlå.
Spaß, die gewännt e Looch,
Krach af zwien Diel zebråch,
schroa na nor, schroa.

Medche, gor blass uch giël,
kit mät dem Kännche schniël,
Motter äs krånk.
Brängt är de liëzte Schlack,
ach no er kurzer Rack
låt s´af der Bånk.

Hans sprächt: „Genach fir hekt!“
Schmeïßt de Seens af en Sekt,
nass wä gebuedt;
ställt sich unt Brännchen un,
tankt sich uch än de Grunn,
wonn hie ien huet.

Wåndersmån kit eraf,
spriet sich seng Zadder af,
huet afgedäscht.
Wonn hie nor Hanger häw,
Pali gor angem bräht,
´t Brännchen, dåt läscht.

Georg Meyndt verdanken wir auch das bekannte „Brännchen um gräne Rien“, das ebenfalls im volkstümlichen Einsingen vielerorts zum „Brännchen um giële Rien“ geworden ist.

Aus Anlass seines 105. Todestages am 17. Dezember wollen wir im Herbst noch an weitere beliebte Lieder von Georg Meyndt erinnern.

Zum „Schesserlied“: Hanni Markel bittet um die Zusendung örtlicher Textfassungen mit Brauchbeschreibung. Kontaktadressen: Hanni Markel, Ossietzkystraße 90, 90439 Nürnberg, Telefon: (09 11) 66 27 00, E-Mail: michael.markel [ät] web.de; Bernddieter Schobel, Danziger Straße 16, 74564 Crailsheim, Telefon: (0 79 51) 2 52 41, E-Mail: bernddieterschobel [ät] web.de.

Bernddieter Schobel


Weiterführende Information
Eine Aufnahme des "Schesserlieds" im Alzener Dialekt ist bei den Sprachaufnahmen zu finden: Hochzeitslied - Et schollt en Klueng durch ås Gemîin

Schlagwörter: Mundart, Gedicht

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