13. Juli 2010

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Bundesvorsitzender in Stiftungsrat gewählt

Berlin - Der Deutsche Bundestag hat die Mitglieder des Rates der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ gewählt. Auf der Liste, die am 8. Juli mit den Stimmen von Union und FDP angenommen wurde, stand auch der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dr. Bernd Fabritius. Mit der Wahl der Stiftungsratsmitglieder ist die Novellierung des Stiftungsgesetzes umgesetzt. So werden künftig die Mitglieder des Stiftungsrates nicht mehr durch die Bundesregierung bestellt, sondern vom Deutschen Bundestag gewählt. Hieraus erwächst dem Stiftungsrat eine höhere Legitimation. Die unter dem Dach des Deutschen Historischen Museums verbleibende „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ist nun voll handlungsfähig und kann die inhaltliche Arbeit intensivieren.
Die geplante Vertriebenen-Ausstellung im Berliner Deutschlandhaus soll 3000 Quadratmeter umfassen. Gemäß der im Stiftungsgesetz festgeschriebenen Zielsetzung soll die Erinnerung und das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik und ihrer Folgen wachgehalten, die junge Generation an das Thema herangeführt und die aktuelle europäische Dimension dieser Thematik verdeutlicht werden. Die Dokumentationsausstellung soll zur gemeinsamen Aufarbeitung der Geschichte und zur Versöhnung beitragen.

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, begrüßte die Entscheidung des Deutschen Bundestages. Damit sei das angestrebte Ziel, die Funktions- und Arbeitsfähigkeit der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ zu optimieren, erreicht. Diese werde „von der Verbreiterung der Sachkompetenz insbesondere durch die Vertreter des Bundes der Vertriebenen profitieren“. Steinbach hatte nach jahrelangem Streit über die Stiftung im Februar dieses Jahres auf einen Sitz im Stiftungsrat verzichtet. Der gefundenen Kompromisslösung zufolge wurden dem Bund der Vertriebenen sechs statt bis dahin drei Sitze im Gremium eingeräumt. Die Gesamtzahl der Sitze wurde von 13 auf 21 erhöht.

Baustein für Versöhnung und Verständigung im Europa des 21. Jahrhunderts

Der Bundesvorsitzende Dr. Bernd Fabritius erklärte gegenüber der Siebenbürgischen Zeitung, dass die Erweiterung des Stiftungsrates die Vielschichtigkeit der Schicksale innerhalb der Gemeinschaft der Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler besser abbilde. Über diese demokratische Wahl durch den Deutschen Bundestag habe er sich sehr gefreut. Die so geschaffene Legitimation, „für die kommenden fünf Jahre in diesem sehr hochrangig und quer durch das gesamte Betroffenen- und Parteienspektrum besetzten Gremium mitzuwirken“, wolle er dafür nutzen, „auch das Schicksal der Deutschen aus Rumänien unter dem Aspekt des Kriegsfolgeschicksals in das Blickfeld der umfassenden Stiftungstätigkeit zu rücken“.

Darüber hinaus gehe es ihm darum, „das erforderliche Erinnern, Mahnen, Aufarbeiten und Versöhnen in eine zukunftsorientierte Richtung zu bringen, die dem europäischen Gedanken eines friedlichen Zusammenlebens am nächsten kommt“, betonte Dr. Fabritius. „Auf dem Boden geschichtlicher Wahrhaftigkeit“ könne besonders die junge Generation dieser Schicksalsgemeinschaft, zu der er sich in diesem Kontext noch zähle, „einen wichtigen Baustein gerade zur Versöhnung und zum Verständnis beitragen“. „Emotionale Betroffenheit“, wie sie „bei der Erlebnisgeneration der ersten Nachkriegsstunden verständlicher Weise noch vorhanden“ sei, wirke mitunter „trübend auf den Blick für sich bietende Möglichkeiten des Brückenbaus im Europa des 21. Jahrhunderts“. Diese Möglichkeiten wolle er verstärkt nutzen.

In der jüngsten Entwicklung der Beziehungen der Siebenbürger Sachsen zum Herkunftsland Rumänien sieht der Bundesvorsitzende die Verbandsstrategie bestätigt. Gerade auch Siebenbürger Sachsen sei es in den letzten Jahren gelungen, „erfolgreich gute Beziehungen zum Herkunftsland aufzubauen und diese im Sinne gegenseitiger Verständigung zu nutzen“. Und dies trotz weitreichender kollektiver Repressionen in der Vergangenheit als Folge des Zweiten Weltkrieges. Allem voran erinnerte Fabritius an „die Russlanddeportation aller erwerbsfähigen Frauen und Männer sowie die Enteignungen des Kollektiv- und des Individualvermögens, die unserer Gemeinschaft die wirtschaftliche Existenzgrundlage in Siebenbürgen raubte“. Durch Rumäniens Beitritt zur Europäischen Union seien „Chancen für eine erneute verstärkte Präsenz in unserem Herkunftsgebiet geschaffen“ worden. Diese gelte es noch stärker zu nutzen, zumal Rumänien durch seine Regierung erklärt habe, die Siebenbürger Sachsen zu vermissen. „Das ist doch der beste Beweis dafür, dass die Strategie unseres Verbandes die richtige ist und sich als Beispiel empfiehlt. Etwas davon möchte ich auch in meine Arbeit im Stiftungsrat einbringen.“, bekräftigte der Bundesvorsitzende gegenüber dieser Zeitung.

Christian Schoger

Schlagwörter: Flucht und Vertreibung, BdV, Fabritius, Stiftung

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