21. März 2015

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"Symbolträchtige Begegnung" in Würzburg: Dialog zwischen BdV und Zentralrat der Juden

Beim Empfang der Stadt Würzburg für den Bund der Vertriebenen (BdV) ist es am 13. März zu einer „symbolträchtigen Begegnung“ zwischen dem BdV-Präsidenten Bernd Fabritius und dem Präsidenten des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, gekommen. Fabritius sprach sich vor dem aktuellen Hintergrund der Flüchtlingsproblematik entschieden gegen den Antisemitismus und für „einen fortwährenden Dialog“ des BdV mit dem Zentralrat der Juden aus.
Unter dem Leitwort „Nie wieder Krieg und Vertreibung“ hatte der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt den Kreisverband Unterfranken des Bundes der Vertriebenen zu einem Empfang in den Ratssaal eingeladen. Schuchardt, der mütterlicherseits aus Ostpreußen stammt, lobte die Vertriebenen und Aussiedler für ihren „großen Anteil am Wiederaufbau“ Würzburgs und „am Aufschwung des gesamten öffentlichen Lebens“, aber auch für ihre Rolle als Brückenbauer in ihre Heimatgebiete in Osteuropa. Ihre Eingliederung in die Nachkriegsgesellschaft sei auch durch eigene Anstrengung zu einer „einzigartigen Erfolgsgeschichte“ geworden. Gerade vor diesem Hintergrund sei es wichtig, auch den heutigen Flüchtlingen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Im Gespräch in Würzburg (v.l.n.r.): BdV-Präsident ...Im Gespräch in Würzburg (v.l.n.r.): BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius, MdB, Oberbürgermeister Christian Schuchardt und der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster. Foto: Rudi Merkl In seiner Festrede würdigte BdV-Präsident Fabritius die Arbeit aller BdV-Mitglieder, die sich vor Ort für die Einhaltung sämtlicher Menschenrechte und für Verständigung engagierten. Durch den gewaltsamen Heimatverlust und das Gefühl, nicht willkommen zu sein, bestünde zwischen den deutschen Heimatvertriebenen und den heutigen Flüchtlingen eine „Schicksalsverbundenheit“ – trotz aller Unterschiede in Herkunft, Sprache und Religion. Aus eigener Erfahrung wisse der BdV, dass Flüchtlingsschutz „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ ist, „die nur über Dialog, Begegnung und breite Diskussion die notwendigen politischen Antworten liefern kann“, so Fabritius. Besonders wichtig sei es, sämtliche Ursachen von Flucht und Vertreibung weltweit zu bekämpfen. Auch „Antisemitismus jeglicher Couleur darf nie wieder Fluchtbewegungen auslösen, nirgendwo auf der Welt und schon gar nicht in Deutschland“, erklärte Fabritius mit Blick auf die in Frankreich zu beobachtende Auswanderung von Juden nach Israel und die deutsche Verantwortung für den Holocaust.

Im Anschluss an die Reden kam es zu einem Gespräch zwischen den Präsidenten des Zentralrates der Juden und des Bundes der Vertriebenen, Dr. Josef Schuster und Dr. Bernd Fabritius. Beide Politiker haben ihr Amt erst seit November 2014 inne und freuten sich, einander kennenzulernen. Sie zeigten großes Interesse am Arbeitsbereich des jeweils anderen und kommentierten ihr Gespräch sehr positiv. Empfang in Würzburg, v.l.n.r. Dr. Paul Beinhofer, ...Empfang in Würzburg, v.l.n.r. Dr. Paul Beinhofer, Regierungspräsident von Unterfranken, Paul Lehrieder, MdB, Alfred Kipplinger, Dr. Bernd Fabritius, BdV-Präsident, MdB, Christian Schuchardt, Oberbürgermeister von Würzburg, Steffen Hörtler, Dr. Adolf Bauer, Bürgermeister Würzburg, und Gustav Binder, Studienleiter am Heiligenhof in Bad Kissingen. Dr. Fabritius sagte dazu: „Ich danke Oberbürgermeister Christian Schuchardt dafür, dass er den Rahmen für diese symbolträchtige Begegnung und den angenehmen Austausch mit Dr. Schuster geschaffen hat. Ich würde es begrüßen, wenn wir in einen fortwährenden Dialog miteinander treten könnten.“

Dr. Schuster sprach sich ebenfalls für einen Dialog aus und dankte Dr. Fabritius für dessen klares Eintreten gegen Antisemitismus. Es sei zu begrüßen, dass der BdV vor dem Hintergrund der historischen Erfahrung auch die aktuelle Flüchtlingsproblematik in den Blick nehme. „Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und nach der Shoa müssen Menschen ihre Heimat verlassen und vor Krieg und Verfolgung fliehen. Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen“, sagte der Zentralratspräsident.

Schlagwörter: BdV, Fabritius, Würzburg, Antisemitismus

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