1. Mai 2016

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Siebenbürger Sachsen feiern 70. Geburtstag des Landes NRW

„70 Jahre NRW – Siebenbürger Sachsen gestalten mit“, unter diesem Motto fand am 16. April in Schwerte ein ganztägiges Landesfest der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen statt. Mit dieser Feier würdigte der Verband den 70. Geburtstag des Landes Nordrhein-Westfalen, in dem heute auch viele Siebenbürger Sachsen leben.
Die Feier wurde mit finanzieller Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt. Gestaltet wurde das Fest durch das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe (Dirigent: Johann Salmen), den Drabenderhöher Honterus-Chor (Leitung: Regine Melzer), die Tanzgruppen aus NRW – Tanzgruppe Köln (Leitung: Rainer Lehni und Hanna Jung-Boldan), Jugendtanzgruppe Herten (Leitung: Andrea Schuster, Sylvia Kuhn und Karin Roth), Tanzgruppe Wuppertal (Leitung: Michael Kraus), Kindertanzgruppe Wiehl-Bielstein (Leitung: Birgit Kessmann und Hedda Schuller), Tanzgruppe Wiehl-Bielstein (Leitung: Winfried Göllner) – sowie die Gastgruppen aus Baden-Württemberg – Chor der Kreisgruppe Schwäbisch Gmünd (Leitung: Wilhelm Ehrlich), Tanzgruppe Aalen-Schwäbisch Gmünd (Leitung: Albert Terschanski) und Jugendtanzgruppe Heilbronn (Leitung: Bernhard Lang und Frieder Müller). Gemeinsam musizierten die Blaskapellen Gummersbach, Herten und Overath. Der Honterus-Chor gestaltete den Gottesdienst und ...Der Honterus-Chor gestaltete den Gottesdienst und die Eröffnungsveranstaltung mit. Foto: Klaus Holztröger Rund 500 Gäste begrüßte Rainer Lehni, Vorsitzender der Landesgruppe NRW, im Saal Freischütz zu diesem Treffen, das mit einem Gottesdienst begann, der von Pfarrer Prof. Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD eröffnet wurde. Er begann mit dem Wochenspruch: Ist jemand in Christus, ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen; siehe, Neues ist geworden (2. Kor. 5, 17). Man sei zusammengekommen, um gemeinsam 70 Jahre NRW zu feiern. Eigentlich sei es ein politisches Fest, aber die Geschichte der Siebenbürger Sachsen sei verknüpft mit der Geschichte dieses Bundeslandes, erläuterte Köber in seiner Predigt. Man habe hier eine neue Heimat gefunden und großzügige Unterstützung erfahren. In diesem Zusammenhang erinnerte er unter anderem an die Siedlungen in Drabenderhöhe und Setterich. Hier hätten die Landsleute rasche und unbürokratische Aufnahme und Hilfe erfahren. Hinter all diesen Entscheidungen stehe immer Gott selbst, sagte Köber. Feierlich mitgestaltet wurde der Gottesdienst von Blasorchester und Honterus-Chor Drabenderhöhe, der unter anderem die „Große Doxologie“ sowie „Lobsinget, Gott, dem Herrn“ vortrug. Beide Vereine präsentierten sich bei ihren Auftritten in den schönen siebenbürgischen Trachten. Landesvorsitzender Rainer Lehni und ...Landesvorsitzender Rainer Lehni und Staatssekretär Bernd Neuendorf beim Landesfest in Schwerte. Foto: Klaus Holztröger Gäste von nah und fern begrüßte Rainer Lehni zu diesem Kulturtag, unter ihnen Bernd Neuendorf, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Werner Jostmeier, Aussiedlerbeauftragter der CDU-Landtagsfraktion und „ein guter Freund der Siebenbürger Sachsen“, sowie seitens des Verbandes der Siebenbürger Sachsen die Bundesvorsitzende Herta Daniel und der Ehrenvorsitzende der Landesgruppe NRW Harald Janesch. Lehni gab einen kurzen geschichtlichen Rückblick über die Entstehung des Landes Nordrhein-Westfalen 1946/1947, erinnerte an die Beziehungen des Landes zu den Siebenbürger Sachsen, die 1953 mit der Kohleaktion begann und einen Höhepunkt erfuhr, als NRW die Patenschaft für die Siebenbürger Sachsen in Deutschland 1957 übernahm.

Dann übernahm Landesfrauenreferentin Karin Roth aus Herten das Mikrofon und führte als Moderatorin durch das Programm, das der Honterus-Chor mit dem Lied „Mit freudigem Gesang schwingt sich auf der Jubelklang“ eröffnete. Staatssekretär Bernd Neuendorf, links das ...Staatssekretär Bernd Neuendorf, links das Blasorchester Drabenderhöhe-Siebenbürgen, rechts der Honterus-Chor. Foto: Klaus Holztröger Staatssekretär Bernd Neuendorf überbrachte Grüße von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und betonte, dass 2016 ein besonderes Jahr sei, „weil wir 70. Geburtstag feiern“. Er versprach, dass im nächsten Jahr das 60-jährige Bestehen der Patenschaft zwischen Land und Siebenbürger Sachsen ebenso würdig gefeiert werden soll. Sein Dank ging an alle, die geholfen haben, NRW mit aufzubauen und das in einer Zeit, wo die Lebensbedingungen besonders hart gewesen seien. Neuendorf erinnerte auch daran, dass die Siebenbürger Sachsen nicht überall freundlich empfangen worden seien: „Das gehört zur Wahrheit.“ Es sei aber eine Erfolgsgeschichte daraus geworden, und die Pflege des Erbes trage zur Vielfalt der Kultur bei. In der seit 1957 bestehenden Patenschaft habe man erfahren: „Wir können uns aufeinander verlassen.“ Mit Blick auch auf die aktuelle Flüchtlingssituation sagte der Staatssekretär, dass Ausgrenzung und Hass, Hetze und Ausländerfeindlichkeit in NRW keinen Platz hätten. „Wir wollen dafür sorgen, dass Sie auch künftig sagen können: ‚Wir sind daheim!‘“ Er freue sich auf den NRW-Tag im August in Düsseldorf, an dem die Siebenbürger Sachsen teilnehmen wollen.

CDU-Landtagsabgeordneter Werner Jostmeier äußerte seine Freude darüber aus, dass die Siebenbürger Sachsen mit ihrem Fest ihren Dank an das Land NRW ausdrücken. „Aber auch das Land verdankt Ihnen viel“, sagte Jostmeier. Er erinnerte unter anderem daran, dass nach dem Krieg NRW 2,63 Millionen Heimatvertriebene und Flüchtlinge aufgenommen habe, darunter viele Siebenbürger Sachsen. Auch er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Kohleaktion 1953 und den Bau der Siedlung Drabenderhöhe, in der rund 3000 Siebenbürger Sachsen aus 200 siebenbürgischen Ortschaften eine neue Heimat gefunden haben. Jostmeier verschwieg auch nicht, dass es in den 1950er Jahren manch ein Zitat gegeben habe, das „nicht schön“ gewesen sei. Unter anderem hätten einige Menschen gesagt, das Land NRW hätte mit Plagen zu kämpfen und zwei davon werde man nicht wieder los, „die Kartoffelkäfer und die Flüchtlinge“. Er gab zu, dass die damaligen Verhältnisse schwierig und eine große Herausforderung gewesen seien. Mit Übernahme der Patenschaft habe das Land jedoch positive Zeichen gesetzt. Das, was die Welt heute Wirtschaftswunder nenne, wäre ohne die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen wohl nicht möglich gewesen, meinte Jostmeier abschließend.

Die Bundesvorsitzende Herta Daniel überbrachte Grüße des Verbandes und vom Verbandspräsidenten Dr. Bernd Fabritius, MdB. Daniel drückte ihre Freude darüber aus, dass sie „nach Jahrzehnten ihren alten Schulfreund Berti wieder gesehen habe“, der kein anderer als Professor Dr. Berthold Köber war, den sie noch aus Siebenbürgen von der Brukenthalschule kannte. Sie führte aus, dass man sich mit diesem Fest nicht nur an den Feierlichkeiten beteiligen, sondern sich beim Patenland für die Verbundenheit mit den Siebenbürger Sachsen bedanken wolle: „Viele haben hier ein neues Zuhause und eine neue Heimat gefunden.“ Daniel mahnte jedoch gleichzeitig ihre Landsleute: „Werde in der Fremde heimisch, lasse aber die Heimat nie zur Fremde werden.“ Auf das bisher Geleistete könnten alle mit Recht stolz sein. Jugendtanzgruppe Heilbronn beim Singspiel "Hanf ...Jugendtanzgruppe Heilbronn beim Singspiel "Hanf und Flachs". Foto: Klaus Holztröger

Ausschnitt aus dem Singspiel "Hanf und Flachs". ...Ausschnitt aus dem Singspiel "Hanf und Flachs". Foto: Klaus Holztröger „Das war ein schöner Ausflug ins siebenbürgisch-sächsische Dorfleben, so wie es früher einmal war“, lobte Rainer Lehni nach dem Singspiel „Honnef uch Floß“ (Hanf und Flachs), für das die Mitwirkenden viel Beifall erhielten: der Chor der Kreisgruppe Schwäbisch Gmünd, die Tanzgruppe Aalen-Schwäbisch Gmünd, die Jugendtanzgruppe Heilbronn, das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe sowie die Kindertanzgruppe der Kreisgruppe Wiehl-Bielstein. Tanzgruppe Aalen-Schwäbisch Gmünd zeigt den ...Tanzgruppe Aalen-Schwäbisch Gmünd zeigt den Webertanz im Singspiel "Hanf und Flachs". Foto: Klaus Holztröger Diese baden-württembergisch-nordrhein-westfälische Koproduktion war sicher eine einmalige, aber umso gelungenere Sache. Ohne je miteinander das ganze Stück geprobt zu haben, reichte eine kurze Probe zur Mittagszeit um die ausnahmslos professionell auftretenden Gruppen Lieder, Tänze und Geschehen rund um den Anbau von Hanf und Flachs in Siebenbürgen dem begeisterten Publikum vorzuführen. Die Großmutter (gespielt von Senta Wonner, Heilbronn) führt dabei ihre Enkelin (Valerie Bertleff, Crailsheim) in die wichtigsten Arbeitsschritte ein, zeigt aber auch, welches Brauchtum sich darum rankte. Aufmarsch der Tanzgruppen beim Landesfest in ...Aufmarsch der Tanzgruppen beim Landesfest in Schwerte. Foto: Klaus Holztröger Ein schönes Bild von Tradition und Brauchtum präsentierten in ihren Trachten die Jugend- und Volkstanzgruppen aus Herten, Wuppertal, Köln, Heilbronn und Wiehl-Bielstein, als sie nach der Kaffeepause in den Saal einmarschierten und dabei von den fünf- bis 13-jährigen Kids der Kindertanzgruppe Wiehl-Bielstein angeführt wurden. „Die sind ja so herzig“, sagte eine Besucherin und wischte sich Tränen der Rührung aus den Augen. Auch bei den anschließenden Darbietungen zeigte sich, dass die Tänze einen großen Einfluss auf die Gefühlswelt der Siebenbürger Sachsen haben. Spaß und Freude am Tanzen drückten die Männer, Frauen und Kinder bei ihren Auftritten aus, sie setzten die Musik in einzigartige Bewegungen um. Die Kindertanzgruppe Wiehl-Bielstein tritt ...Die Kindertanzgruppe Wiehl-Bielstein tritt selbstbewusst in Schwerte auf. Foto: Klaus Holztröger Ein herzlicher Dank geht an Hans Thiess (Kreisgruppe Dortmund), der den gemeinsamen Aufmarsch am Akkordeon begleitete und nach den Einzelauftritten der Tanzgruppen die „Reklich Med“ und die „Sternpolka“ für alle Tanzgruppen spielte.

Der Abend wurde mit Blasmusikklängen und allgemeinem Tanz abgerundet. Das Blasorchester Drabenderhöhe-Siebenbürgen und die gemeinsam auftretenden Kapellen aus Herten, Gummersbach und Overath wechselten sich ab. Ein schöner Tag ging damit zu Ende, der Geburtstag des Landes NRW wurde würdig gefeiert. Der Landesvorsitzende Rainer Lehni dankt allen beteiligten Kulturgruppen, die gemeinsam zum guten Gelingen dieses Kulturtags der Siebenbürger Sachsen in NRW beigetragen haben. In diesen Dank sind die Landesvorstandsmitglieder und ihre Partner/innen, die Kuchenbäckerinnen aus den Kreisgruppen, Baumstriezel Schuster aus Sankt Augustin sowie die Helfer aus den Kreisgruppen Bielefeld und Dortmund mit eingeschlossen.

Ursula Schenker und Rainer Lehni

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Schlagwörter: NRW, Geburtstag, Landesgruppe, Drabenderhöhe, Honterus-Chor

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