15. Mai 2006

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Heimattag der Siebenbürger Sachsen 2006: "Zukunft braucht Hoffnung"

Bei ihrem Heimattag, der vom 2. bis 5. Juni 2006 in Dinkelsbühl stattfindet, haben die Siebenbürger Sachsen berechtigten Grund zur Hoffnung. Das Fest der Begegnung unter dem Motto "Zukunft braucht Hoffnung" bedeutet ein Bekenntnis gleichermaßen zu siebenbürgisch-sächsischen Traditionen und zur hiesigen Gesellschaft, in die sich die Siebenbürger Sachsen mittlerweile vorbildlich integriert haben. Das diesjährige Pfingsttreffen wird von der mitgliederstärksten Landesgruppe der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, dem Landesverband Bayern, mit ausgerichtet und rückt die kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen der Siebenbürger Sachsen, vor allem jene der zentralen Kultureinrichtungen in Gundelsheim, in den Mittelpunkt.
Die Jugend ist Garant dafür, dass siebenbürgisch-sächsische Werte weitergeführt werden und zukunftsfähig bleiben. Schon 1993 hatte die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD) als Mitausrichter des Dinkelsbühler Heimattages einen Leitspruch gewählt, der Sinnhinsichten öffnete, wie sie auch dem diesjährigen Motto eigen sind. Das damalige Leitwort lautete: "Zeitgemäß sein, ohne mit der Tradition zu brechen." 2002 gestaltete die SJD den Heimattag unter dem Leitwort "Mit der Jugend in die Zukunft" mit. Aber auch beim Pfingsttreffen 2000 wählten die Siebenbürger Sachsen ein ähnliches Leitwort: "Zukunft in Herkunft verankern". Sie machten dabei deutlich, dass die Pflege von Überlieferungen keineswegs ein Verharren in Gestrigem, sondern ein Weitertragen von nützlichen Wertvorstellungen in ein künftiges Europa der Verständigung und des übergreifenden Gemeinsinns bedeutet.


"Unser Nachwuchs präsentiert sich" beim Heimattag in Dinkelsbühl (Gruppenbild vom vergangenen Jahr): Zum vierten Mal organisiert die aus Frauendorf stammende Kulturreferentin der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland, Ingwelde Juchum, an diesem Pfingstsamstag (15.00 Uhr) die Nachwuchsveranstaltung im Schrannen-Festsaal: "Wir erhoffen uns ebenso viele Besucher wie im Vorjahr, als der Saal randvoll gefüllt war. Die jungen Teilnehmer sollen mindestens so viel Spaß haben wie in den Jahren zuvor. " Das Publikum erwartet wieder ein bunt gemischtes Unterhaltungsprogramm, das Elise Eisenburger (Jugendtanzgruppe Stuttgart) moderieren wird. Foto: Christian Schoger

Zusammenhalt und Gemeinsinn sind nach wie vor gefragt, wenn es darum geht, den Landsleuten in der alten Heimat zu helfen. Näher zusammenrücken musste man aber auch in den letzten zehn Jahren als es galt, zunehmende Einschränkungen in der Aussiedleraufnahme, die Ungleichbehandlung im Rentenwesen oder Mittelkürzungen bei den Integrationshilfen und vor allem den gruppenspezifischen Kultureinrichtungen zu verkraften bzw. sich dagegen zu wehren. Die Landsmannschaft versteht sich dabei - seit ihrer Gründung 1949 - als Interessenvertreter der Landsleute und handelt in diesem Sinne auch politisch. Sie hat deren rechtliche Anerkennung als Leidtragende des Heimatverlusts erwirkt, sie hat Siedlungsprogramme entwickelt, das eigene Kulturerbe bereichernd der binnendeutschen Kulturlandschaft einverleibt sowie gruppeneigene Erfahrungen der Toleranz und der Hilfsbereitschaft in das demokratische Staatsgefüge dieser Republik eingebracht.

Die erfolgreiche Eingliederung, der Erhalt des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes, der praktizierte Brückenschlag zwischen Ost und West werden daher auch bei der diesjährigen Festkundgebung am Pfingstsonntag sicherlich zu den politischen Themen gehören, die die Politiker ansprechen werden. Hauptredner sind dort Dr. Christoph Bergner, Aussiedlerbeauftragter der Bundesregierung, Eberhard Sinner, Staatsminister, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, sowie Dipl.-Ing. Arch. Volker E. Dürr, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland.

In den Mittelpunkt des diesjährigen Heimattages rückt die Landsmannschaft - gemeinsam mit anderen Einrichtungen - die kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen der Siebenbürger Sachsen, vor allem jene in der neuen Heimat. In Zusammenarbeit mit dem Siebenbürgen-Institut und Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim werden Archivalien bzw. Werke von Trude Schullerus ausgestellt. Dr. Christoph Machat, Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates, referiert über die Sicherung des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes. Eine Ausstellung über die Schulen der Siebenbürger Sachsen wird vom Deutschen Schulmuseum in Nürnberg beigesteuert. Eine Lesung des Schriftstellers und Essayisten Dieter Schlesak wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) angeboten. Mit dem diesjährige Kulturpreis wird der Historiker Dr. Michael Kroner, mit dem Jugendpreis der Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft, Erhard Graeff, geehrt. Der Habermann-Preis geht an die beiden Nachwuchsforscherinnen Dunja Richter und Anita Hartwig.

Der Landesverband Bayern wird den diesjährigen Heimattag gemeinsam mit dem Bundesvorstand ausrichten und sich unter anderem an der Gestaltung der Eröffnungsveranstaltung am Pfingstsamstag beteiligen. Ein "Geburtstagsständchen" im Rahmen der Brauchtumsveranstaltung wird der Mundartdichterin Grete Lienert-Zultner und dem Komponisten Martin Thies gewidmet, die vor 100 bzw. 125 Jahren geboren wurden. Zudem streben die bayerischen Kreisgruppen eine starke Präsenz beim Festumzug am Sonntag an. Die Ansprache bei der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen hält Studiendirektor Horst Göbbel aus Nürnberg. Der Heimattag wird dankenswerterweise vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen über das Haus des Deutschen Ostens in München gefördert.

Der Trachtenzug, der sich in den letzten Jahren einer immer größeren Beliebtheit erfreut, wird in diesem Jahr etwas verlängert und somit der Zugstrecke der Dinkelsbühler Kinderzeche angeglichen. Die Liste der Trachtengruppen wird heuer erstmals in der morgigen Online-Ausgabe dieser Zeitung und im Programmheft des Heimattages abgedruckt.

Bei aller Zuversicht über ein europäisches Zusammenwachsen (Rumänien wird voraussichtlich 2007 der Europäischen Union beitreten) müssen auch die Zukunftsängste und Sorgen der Menschen ernst genommen werden. Gefragt ist Realitätssinn, wie er übrigens den Siebenbürger Sachsen eigen ist. Sie suchen "Beständigkeit im Wandel", so das Thema der Podiumsdiskussion am Pfingstmontag, und haben bisher eine feine Balance zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen Alt und Jung gefunden. Dinkelsbühl erweist sich dabei als idealer Ort ihrer Selbstvergewisserung und Öffnung nach Europa. So pflegt die Landsmannschaft seit 1985 nicht nur eine lebendige Partnerschaft mit der mittelfränkischen Stadt, sondern hat auch deren Städtepartnerschaft mit Schäßburg initiiert.

Das Hilfskomitee wird heuer sowohl den Pfingstgottesdienst als auch das "Geistliche Wort" vor der Schranne gestalten. Große Bereiche des Programm werden wie immer von der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) abgedeckt. "Unser Nachwuchs präsentiert sich" wieder auf der Bühne des Schrannensaales; und die Jugendtanzgruppen begeistern erneut mit ihren Tanzdarbietungen "Jung und voller Schwung" am Sonntagnachmittag.

Neben diesem vielseitigen Programm wird es wieder zahlreiche Gelegenheiten für Begegnungen, Gespräche und geselliges Beisammensein geben. Dazu laden die Veranstalter aufs Herzlichste ein und hoffen auf eine rege Beteiligung.

Siegbert Bruss

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 8 vom 15. Mai 2006, Leitartikel)

Schlagwörter: Kulturspiegel, Heimattag, Dinkelsbühl

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