29. Juli 2015

Georg Kraus – Der Blasiapoet

Als Pachiaruss, als besonderer Vogel, wurde Georg Kraus 1914 in Michelsberg bei Hermannstadt geboren. Die große Zeit begann für ihn 1969, als in Hermannstadt ehemalige Absolventen des Brukenthal-Gymnasiums, zu denen er auch zählte, eine Blaskapelle unter dem Namen Seniorenblasia gründeten. Diese trat in den folgenden Jahren regelmäßig vor dem südsiebenbürgischen Publikum auf.


Zwischen den einzelnen Stücken gab Georg Kraus, allgemein Suk genannt, humoristische Beiträge zum Besten. Als Geschenke für die Verwandten in Deutschland empfahl er z.B. „Für den bundesdeutschen Schwager/ einen Treber oder Lager/ für die liebe Pepitant‘/ Süße Heimat an die Wand/ sowie auch noch zwei, drei Stück/ Kesselchen vom Tschiripik.“ So wurde er zum Blasia-Poeten, ein Konzert ohne Suk schien undenkbar …

Als Georg Kraus in seinem 80. Lebensjahr eine heitere Ehrung erfuhr, führte Alfred Mrass, sein Laudator, als Spaßvogel aus: „Deutschland, Europa, ja die ganze Welt richten heute Abend ihre Blicke auf zwei deutsche Städte, zuerst auf Rottweil und dann auf Aachen (…) In diesen Städten werden heute, am 29. Jänner 1994, zwei Siebenbürger Sachsen zum Ritter wider den tierischen Ernst geschlagen, in Aachen die Renate Schmidt aus Frauendorf, übrigens bayerische SPD-Vorsitzende, in Rottweil der Suk Kraus aus Michelsberg, auch er Vorsitzender (er sitzt manchmal vor dem Altenheim in Lechbruck).“ Suks Verdienste ernsthaft würdigend, behauptete der Laudator, dass Georg Kraus ein Wilhelm Busch der Siebenbürger Sachsen geworden sei, der unsere Alltagssprache mit humoristischen Redewendungen bereichert hat. Er starb am 4. September 1996 in Lechbruck.


Der Lift
von Georg Kraus

Ous Tatterlooch kåm af Visit
ken Härmestadt ist der ålt Schmidt
za sengem San, di kertschlich glatt
en Blockwunnung bezijjen hat.
Komm ugelongt um Zabengsstrom
begåf hi sich zem Hippodrom.
Nodem den Turmblock hi gefangden
und äm Partärr na stand gånz angden,
kåm en ålt Frä und less sich iëwen
pär Lift änt siwent Stockwärk hiëwen.
Der Schmiden-Ihm do angden stand
und såch er no, wä set entschwand.
Doch no em kurtschen Ugebläck
ʼsi kåm der Lift wedder zeräck.
De Dir geng af und ugebläcklich
e Frailʼn äm Minikerl uch mäckich,
dat iwert Knä em såch de Fess,
de Lift und uch de Schmidt verless.
Det äs dich wärrlich, docht na di,
en wangderbor Maschineri!
Se hiëwt dich afen ålt uch kramm
und let dich uewen jang uch stramm!
Hä hun ech nä ist äst verpasst,
dänn wonn ech fräer det gewasst,
ʼsi hät ech – mer uch mät Gewålt –
än de Maschin gedon – meng Ålt.


(Abgedruckt in „Briefe aus Brenndorf“, 32. Folge, Weihnachten 1977, zu hören als mp3 unter http://www.jakobsdorf.de/html/der_lift.html)

Schlagwörter: Sachen zum Lachen

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