22. Juli 2018

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Kann man mehrere Heimaten haben? - Diskussion in Waldkraiburg

Der Landesvorsitzende der Union der Vertriebenen (UdV), Bernd Posselt, hatte am 8. Juli unter dem Motto „Heimat hat Zukunft“ zu einer Podiumsdiskussion in das Haus der Vereine in Waldkraiburg eingeladen. Der Bezirksvorsitzende der UdV Oberbayern, Andreas Orendi, begrüßte unter den Gästen auch siebenbürgische Amtsträger wie die Kreisgruppenvorsitzenden Kurt Zikeli (Waldkraiburg) und Manfred Binder (Ingolstadt), den stellvertretenden Landesvorsitzenden Harry Lutsch sowie den Ehrenvorsitzenden der Kreisgruppe Waldkraiburg, Mathias Möss.
Nach einem Ständchen der Banater Blaskapelle Waldkraiburg stellte sich eine hochkarätige Diskussionsrunde den Fragen des Moderators Georg Ledig, CSU-Stadtrat und Vorsitzender der Kreisgruppe Waldkraiburg der Banater Schwaben: Bernd Posselt (CSU), Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Dr. Marcel Huber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Herta Daniel, Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, und Simona Rottenkolber, CSU-Stadträtin und Vorsitzende des Aussiedlerforums aus Ingolstadt. Posselt versuchte, den Begriff Heimat zu definieren, und wies darauf hin, dass der Mensch immer von dem spricht, was er nicht hat. Deshalb sprechen die Heimatvertriebenen auch wesentlich öfter und intensiver über den Verlust der Heimat. Ihre Heimat haben sie zwar physisch nicht mehr, doch sie tragen sie im Herzen und denken öfter an sie als Menschen, die ihre Heimat nie verlassen mussten. Posselt bezeichnete Europa als „Heimat der Heimaten“.

Marcel Huber stieß in seiner Ansprache ins gleiche Horn und gab zu bedenken, dass es das Wort Heimat im Englischen gar nicht gibt, da „Homeland“ lediglich geografisch bedingt ist. In der deutschen Sprache kann man unter Heimat auch ein sicheres Umfeld verstehen, das Geborgenheit in einer sich immer schneller wandelnden Welt bietet, oder auch den Ort, in dem man aufgewachsen ist. In Bayern ist es gängig zu fragen: Wo bist du dahoam? Die Frage, warum man jetzt ein Heimatministerium ins Leben gerufen habe, beantwortete Marcel Huber mit der These der bayerischen Staatsregierung, dass die Menschen im ganzen Land zu Hause sein sollen, überall eine bessere Lebensqualität in Anspruch nehmen können, um nicht in die Ballungsgebiete abzuwandern. Man war auch der Meinung, dass der Begriff Heimat neu definiert gehört, jenseits von Folklore, Lederhosen und Dirndl. Die Bundesvorsitzende Herta Daniel (Mitte) ...Die Bundesvorsitzende Herta Daniel (Mitte) besuchte das Vereinszimmer der Kreisgruppe Waldkraiburg, auf dem Bild mit Ute Reip, Schriftführerin, Harry Lutsch, stellvertretender Landesvorsitzender, Kurt Zikeli, Vorsitzender der Kreisgruppe, und Herbert Liess, stellvertretender Vorsitzender. Foto: Manfred Binder Bernd Posselt kam zum Schluss, dass Bayern mit seiner Ausstrahlungskraft im Herzen Europas liege und damit im Zentrum der oben erwähnten „Heimat der Heimaten“. Er erinnerte an die Gespräche zwischen Sudetendeutschen und der tschechischen Staatsregierung, in denen es immer wieder um den Verlust der Heimat geht bzw. der Versöhnungsgedanke im Vordergrund steht. Auf die Frage der Beziehungen zum Herkunftsgebiet wies die Bundesvorsitzende Herta Daniel auf den inzwischen seit Jahren gut ausgebauten, aber kritischen Dialog auf politischer Ebene hin und erwähnte, dass der Verband der Siebenbürger Sachsen mit viel politischem Geschick, sogar den damaligen rumänischen Ministerpräsidenten Dacian Cioloș am Heimattag in Dinkelsbühl zu Gast hatte. Frau Daniel berichtete weiterhin von der Vernetzung (nicht nur Brückenbau) innerhalb der Föderation der Siebenbürger Sachsen, in der alle Siebenbürger Sachsen weltweit vereint sind, und als Beispiel der guten Zusammenarbeit von dem sehr gelungenen Sachsentreffen in Hermannstadt im letzten Jahr, bei dem sich insbesondere die Jugend hervorragend eingebracht und Staatspräsident Klaus Johannis eine historische Rede gehalten hatte. Weiter war Frau Daniel der Meinung, dass uns mit dem Prozess der europäischen Einigung Siebenbürgen näher gerückt sei und dass man zur alten Heimat einen guten Bezug sowohl zu den eigenen Landsleuten als auch zu der rumänischen Bevölkerung habe. Mit ihrer lockeren, sympathischen Art und ihren kompetenten Kommentaren kam die Bundesvorsitzende bei den Zuhörern sehr gut an.

Simona Rottenkolber nahm den Gedanken der Vernetzung auf und verwies auf die Chance, dadurch besser über Grenzen hinweg ins Gespräch zu kommen und den Zusammenhalt innerhalb Europas zu fördern.

In der Schlussrunde ging es um die Frage, ob man zwei oder mehrere Heimaten haben kann. Da war man sich gar nicht einig, kam aber zum Schluss: Der Begriff Heimat könne nur individuell beantwortet werden, jeder Einzelne sehe seine Heimat unter den eigenen, persönlichen Aspekten – ja, man könne Heimat sogar stiften.

Anschließend besuchte die Bundesvorsitzende Herta Daniel noch das Vereinszimmer der Kreisgruppe Waldkraiburg, wo auch das nebenstehende Foto entstand.

Herbert Liess

Schlagwörter: Waldkraiburg, Diskussion, Heimat, UdV, Bundesvorsitzende, Herta Daniel

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