16. August 2001

Mein Praktikum bei der Siebenbürgischen Zeitung

Sechs Wochen lang hat er die Redaktionsarbeit der "Siebenbürgischen Zeitung" als Praktikant mitgestaltet. Nun liefert Christian Zgârdea einen Blick hinter die Kulissen der "Zeitungsmacher" in München.
Zuerst möchte ich kurz vorstellen: Ich heiße Christian Zgârdea, bin 24 Jahr alt, in Mühlbach geboren und studiere an der Universität der Bundeswehr in München Staats- und Sozialwissenschaften. Im Rahmen meines Studiums wollte ich in diesem Sommer ein sechswöchiges Praktikum absolvieren. Nach langem Hin und Her (ursprünglich beabsichtigte ich an der Deutschen Botschaft in Bukarest ein Praktikum zu machen, dies klappte jedoch aus bürokratischen Gründen nicht) stieß ich im Internet zufällig auf die Webseite der Landsmannschaft. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht Mitglied der Landsmannschaft bin und nur sehr wenig über deren Tätigkeit und fast gar nichts über das Organ des Verbands, die Siebenbürgische Zeitung, wusste. Positiv überrascht war ich vom Internetangebot www.siebenbuerger.de: Ich hatte nicht mit einem derart professionellen Auftritt gerechnet, der die meisten WWW-Angebote von Zeitungen ähnlicher Größenordnung in den Schatten stellt.
Kurzum fragte ich beim Geschäftsführer Erhard Graeff telefonisch an und erhielt einen positiven Bescheid. Nachdem ich in der Folgezeit noch einmal kurz in der Geschäftsstelle bzw. der Redaktion vorbeischaute um letzte Details zu klären und die Redakteure Hannes Schuster und Siegbert Bruss kennen zu lernen, ging es am 2. Juli los. In einer kurzen Besprechung mit den Redakteuren wurde abgesprochen, was meine Hauptaufgaben in den nächsten sechs Wochen sein sollten: Das Redigieren von eingesandten Berichten der ehrenamtlichen Pressereferenten sowie das Recherchieren und Verfassen eigener Artikel. Hierbei wurde mir ein großer Freiraum gelassen, so dass ich mich in meiner "journalistischen Tätigkeit" frei entfalten konnte und mich auf meine Spezialgebiete rumänische Politik und Sport stürzte. Leider hatte ich aufgrund des Platzmangels in der Geschäftsstelle keinen festen Arbeitsplatz, so dass ich mich mit einem Notebook bewaffnet dort niederließ, wo gerade Platz war. Überrascht war ich, dass die Mittagspause an meinem ersten Arbeitstag fast drei Stunden dauerte. Allerdings war der Anlass die Feier des runden Geburtstags von Inge Graeser, einer langjährigen Mitarbeiterin der Landsmannschaft. "Für so lange Pausen haben wir normalerweise keine Zeit", sagte mir Siegbert Bruss, was sich dann auch bewahrheiten sollte.
Einer der Höhepunkte war sicherlich, als ich in der darauf folgenden Woche nach Starnberg mitfuhr und "Chefredakteur" (er hört dieses Bezeichnung nicht sehr gerne) Hannes Schuster beim Layouten der Zeitung beobachten konnte. Wenn man die Zeitung in der Hand hält, glaubt man kaum, dass das Layout immer noch per Hand gemacht wird, eine Arbeit wofür man Geduld, Routine und viel Übersicht braucht. Da Folge 11 der Siebenbürgischen Zeitung mit 40 Seiten ungewöhnlich umfangreich war, dauerte die Arbeit (neben dem Chefredakteur waren Brigitte Wolff für die Anzeigen sowie Siegbert Bruss und ich für die Endkorrektur zuständig) in Starnberg bis gegen 20 Uhr. Man merkte, dass es sich bei den "Zeitungsmachern" - zu diesen muss man natürlich auch die Mitarbeiter der Druckerei Jägerhuber zählen - um ein eingespieltes und routiniertes Team handelt, das kleinere Pannen durch hohe Improvisationskunst souverän wieder ausbügelte. Als am nächsten Tag die Zeitung in die Geschäftsstelle geliefert wurde, war es ein tolles Gefühl das Endprodukt in den Händen zu halten, zu dem ich immerhin vier Artikel und etliche redigierte Berichte und zusammengefasste Meldungen beisteuern konnte.
Etwas schwieriger aber gleichzeitig interessanter wurde es, als sich Siegbert Bruss Ende Juli in den Urlaub verabschiedete und ich seinen Arbeitsplatz zwei Wochen lang einnehmen durfte. Ab dann war ich zusätzlich für die Bearbeitung der E-Mails an die Redaktion verantwortlich, nahm Anrufe entgegen und widmete mich dem "Web Publishing". Hierfür bekam ich Kennung und Passwörter für das Redaktionssystem der Siebenbürgischen Zeitung und publizierte in Absprache mit Hannes Schuster täglich zwischen zwei und vier Artikel bzw. Meldungen aus der aktuellen oder nächsten Printausgabe, aber auch exklusive Berichte, die nur online erschienen. Da unser Redaktionsserver Anfang August einen Angriff des "Code Red"-Viruses offensichtlich nicht unbeschadet überstanden hatte und unser Internetzugang daraufhin nicht funktionierte, musste ich die Webseite der Landsmannschaft von zu Hause aus auf den neuesten Stand bringen, was aber unproblematisch verlief. Wertvolle Tipps und technische Hilfestellung erhielt ich dabei vom Bundesreferenten für Internet und Öffentlichkeitsarbeit der Landsmannschaft, Robert Sonnleitner. Außerdem erarbeitete ich während meines Praktikums eine Umfrage, die der Redaktion helfen soll, näher auf die Wünsche der Leser einzugehen, und in der nächsten Ausgabe der Siebenbürgischen Zeitung veröffentlicht wird.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass das Praktikum eine Bereicherung meines Studiums war. Es gibt nur wenige Publikationen, bei denen man das Entstehen des Produkts von Beginn an begleitet und dabei auf allen Ebenen mitwirken kann. Auch die Zusammenarbeit mit Germanisten, denen man sprachlich und stilistisch und kaum etwas vormachen kann, ist eine interessante Erfahrung und hat mich dazu angeregt, meine eigenen Texte, Seminararbeiten etc. in Zukunft aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Obwohl meine Zeit außerhalb der vorlesungsfreien Zeit knapp bemessen ist, werde ich der Zeitung auch in Zukunft erhalten bleiben und Artikel mit dem Signum "cz" bzw. "C. Z." veröffentlichen.
Da es in der Geschäftsstelle und der Redaktion der Siebenbürgischen Zeitung immer genügend zu tun gibt (die Redakteure arbeiten selten weniger als 50 Stunden pro Woche), kann ich anderen zeitungsinteressierten Schülern oder Studenten ein ehrenamtliches Praktikum sehr empfehlen. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeitern der Geschäftsstelle der Landsmannschaft und der Redaktion der Siebenbürgischen Zeitung, die mir in dieser relativ kurzen Zeit das Gefühl gegeben haben dazu zu gehören. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung unter xzgardyx@gmx.net.

Christian Zgârdea




Anmerkung: Wer Interesse an einem Praktikum bei der Siebenbürgischen Zeitung hat, kann sich unter der E-Mail-Adresse sbz.chefredaktion@siebenbuerger.de bewerben.

Schlagwörter: Internet, Praktikum, Siebenbürgische Zeitung

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