7. Februar 2026

Siebenbürger Sachsen – Ein Porträt: Geprüftes Fachwissen und verlässliche Wissensbasis für Generative Künstliche Intelligenz

Im Juli 2024 informierte Dr. Johann Lauer in der Siebenbürgischen Zeitung, Folge 12 vom 22. Juli 2024, S. 8, und in der SbZ Online in dreisprachigen Artikeln (Deutsch, Teil 1, Teil 2; Englisch, first part, second part; Rumänisch, prima parte, partea a doua) über die Bedeutung der Generativen Künstlichen Intelligenz (GenKI) für das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe (Titel: „Generative Künstliche Intelligenz und siebenbürgisch-sächsisches Kulturerbe: Chancen und Gefahren für die Aneignung, Bewahrung und Weiterentwicklung“). Wenn die GenKI das Denken übernimmt, was bleibt dann für uns? Es stellt sich die fundamentale Frage: Wozu noch Bücher schreiben, wenn der Algorithmus die Antwort schon zu kennen glaubt und sie in jede Sprache der Welt überträgt? Johann Lauer wagt einen seltenen Spagat. Getreu seinem Motto „Tradition und Fortschritt verbinden“ konzipiert er ein Projekt, das historisches Bewusstsein mit Spitzentechnologie vereint. Das Ergebnis ist ein strategisches Manifest für die digitale Zukunft unserer Kultur: die Perspektive eines dreisprachigen Porträts unserer Gemeinschaft, getragen vom Leitgedanken „Gewidmet allen kommenden Generationen – damit das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe lebendig bleibt“.
Präsentation der GenKI Projekte vor der Carl ...
Präsentation der GenKI Projekte vor der Carl-Wolff-Gesellschaft am 7. Juni 2025 in Dinkelsbühl: die stellvertretende Bundesvorsitzende Ingwelde Juchum und Dr. Johann Lauer. Foto: Robert Sonnleitner

Ein kulturhistorisches Porträt für die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen und den öffentlichen Diskurs

Wie erzählt man fast 900 Jahre Geschichte und erläutert ein komplexes und vielschichtiges Kulturerbe im Zeitalter Generativer Künstlichen Intelligenz?

Das hier vorzustellende kulturhistorische Porträt ist als Gemeinschaftsbiografie angelegt und bietet eine wissenschaftlich fundierte Einführung, die der Selbstverständigung der Siebenbürger Sachsen und dem öffentlichen Diskurs dienen soll. Ziel ist es, einer interessierten Öffentlichkeit sowohl die historische Entstehung der Gemeinschaft als auch die Erschließung ihres materiellen und immateriellen Erbes zugänglich zu machen. Dieses Porträt der Siebenbürger Sachsen will mehr sein als ein Geschichtsbuch: Es soll Identität stiften, Mythen von Fakten trennen – und zugleich verhindern, dass moderne GenKI-Systeme das kulturelle Erbe verfälschen. Dreisprachig, wissenschaftlich fundiert, analog und digital gedacht, verbindet das Projekt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer weltweit verstreuten Gemeinschaft. Ein Projekt zwischen Erinnerungskultur und digitaler Zukunft: Tradition durch technologische Innovation bewahren.

Ein Erbe in drei Sprachen: Als globale „Visitenkarte“ oder Identitätsanker der Siebenbürger Sachsen ist dieses Projekt sowohl multimedial als auch multilingual konzipiert. Neben der hybriden Umsetzung als Buch und Internet-Auftritt stellt die konsequente Dreisprachigkeit (Deutsch, Englisch, Rumänisch) eine zentrale Besonderheit dar. Damit trägt das Projekt den veränderten Lebenswelten der Gemeinschaft sowie den Erfordernissen einer globalisierten Erinnerungskultur Rechnung.

Während Deutsch für die überwiegende Mehrheit nach wie vor die Muttersprache ist, schwindet die Kompetenz im Dialekt zunehmend. Gleichzeitig leben große Teile der Gemeinschaft – insbesondere in den USA und Kanada – seit Generationen im englischsprachigen Raum und haben den sprachlichen Bezug zur alten Heimat verloren. Um sie, aber auch die internationale Öffentlichkeit zu erreichen, ist Englisch als heutige Lingua franca unverzichtbar. Ebenso wichtig ist das Rumänische. Zum einen hängt z.B. der Erhalt der Baudenkmäler vor Ort in Siebenbürgen von der Akzeptanz und Unterstützung der rumänischen Gesellschaft und des rumänischen Staates ab. Zum anderen wächst in den deutschen Schulen Rumäniens eine neue Generation heran: Schüler, die oft nicht deutscher Abstammung sind, sich das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe aber aneignen und weitertragen wollen. Das Projekt stellt durch seine konsequente Dreisprachigkeit sicher, dass dieses Wissen für alle Akteure – lokal wie global – zugänglich bleibt.

Porträt als verlässliche Wissensbasis (Ground Truth) für moderne Sprachmodelle der Generativen Künstliche Intelligenz (GenKI)

Welche Aufgaben delegieren wir an die Technologie, wo bleibt die menschliche Expertise unverzichtbar? Wozu noch Bücher schreiben, wenn der Algorithmus die Antwort schon zu kennen glaubt und sie in jede Sprache der Welt überträgt?

Das zweite zentrale Ziel besteht darin, dieses Porträt als Referenzwerk und verlässliche Wissensbasis (Ground Truth) für Generative Künstliche Intelligenz (GenKI) zu etablieren. Dieses Porträtprojekt will also mehr sein als ein digitales Geschichtsbuch: Als geprüfte Wissensbasis („Ground Truth“) soll es moderne Sprachmodelle mit verlässlichen Fakten versorgen und zugleich zeigen, warum historische Deutung, kulturelles Verständnis und Verantwortung nicht an Maschinen delegiert werden können. Im Folgenden wird erläutert, warum dies notwendig ist und wie die Umsetzung erfolgen kann.

Der Begriff „GenKI“ beschreibt moderne generative KI-Assistenten, die auf sogenannten großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs) basieren. Diese Dialogsysteme – oft auch im Deutschen einfach Chatbots genannt – sind heute weit verbreitet. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Apertus (das offene Schweizer Modell), ChatGPT, Claude, Copilot, Gemini, Grok und Perplexity (Amerikanische, kommerzielle Modelle).

Die technologische Basis dieser Systeme wird oft mit dem Akronym GPT zusammengefasst. Die drei Buchstaben stehen für Generative Pre-trained Transformer und beschreiben, wie GenKI Texte versteht und selbstständig verfasst:
  • Generative (Erzeugend): Dies beschreibt die schöpferische Fähigkeit des Systems. Das Modell gibt keine vorgefertigten Antworten aus einer Datenbank wieder, sondern erzeugt eigenständig völlig neue Inhalte – seien es Antworten, Zusammenfassungen oder Geschichten. Es konstruiert Wort für Wort neue Sätze und ist dabei im Rahmen statistischer Wahrscheinlichkeiten „kreativ“.
  • Pre-trained (Vortrainiert): Das Modell hat bereits vor seiner Nutzung „Lesen“ gelernt und wurde mittels selbstüberwachten Lernens (Self-Supervised Learning) mit Terabytes an Textdaten (Bücher, Wikipedia, Internet) gefüttert. Dabei lernt es primär Sprachmuster und Strukturen, nicht nur isolierte Fakten. Dieses Vorwissen bildet das Fundament, auf das die GenKI später zugreift.
  • Transformer: Dies bezeichnet die technische Architektur des Modells. Durch einen Mechanismus namens „Attention“ (Aufmerksamkeit) kann die GenKI Zusammenhänge zwischen weit entfernten Wörtern erkennen und den Kontext auch über längere Textpassagen hinweg berücksichtigen, statt nur das direkte Nachbarwort zu analysieren.
Vereinfacht gesagt nutzt GenKI diese Technik für die sogenannte Vorhersage des nächsten Wortbausteins (Next-Token-Prediction): Sie berechnet bei jedem Wort, welches Wort mit der höchsten Wahrscheinlichkeit als Nächstes folgen sollte. So entstehen flüssige, kontextbezogene und oft erstaunlich treffende Texte.

Diese Chatbots können Bücher in Sekundenschnelle zusammenfassen und in andere Sprachen übersetzen. Diese Leistungsfähigkeit darf jedoch nicht mit wissenschaftlicher Erkenntnis gleichgesetzt werden. GenKI-Systeme reproduzieren bestehende Inhalte, sie bewerten sie nicht kritisch, sie treffen keine methodisch reflektierten Auswahlentscheidungen und übernehmen keine Verantwortung für historische Genauigkeit, begriffliche Präzision oder normative Setzungen.

Die Qualität der Zusammenfassungen und Übersetzungen ist also bei weitem noch nicht zufriedenstellend. Die GenKI „spricht“ fließend, aber sie „versteht“ nichts. Ihre Überzeugungskraft beruht auf einer sehr guten Syntax. Doch für echte Interpretationsleistungen fehlt ihr der semantische Zugang: Sie kennt die Bedeutung (Semantik) der Texte nicht, sie weiß nicht, was sie sagt oder übersetzt, sondern nur, welches Wort statistisch als nächstes folgen muss.

Die GenKI ist einerseits faszinierend, hat aber andererseits auch eine extreme Schwäche: Fehlen ihr verlässliche Quellen, fängt sie an zu „halluzinieren“. Gerade bei spezifischen Themen wie der Geschichte und Kultur der Siebenbürger Sachsen besteht die Gefahr, dass Fakten und vor allem Zusammenhänge im digitalen Rauschen verfälscht werden.

Wissenschaftliche Experten sind der generativen KI in dreierlei Hinsicht überlegen. Erstens verfügen sie über Zugang zu und Wissen über analoge Primär- und Sekundärquellen, die (noch) nicht digitalisiert sind. Doch selbst bei einer hypothetischen Volldigitalisierung bleiben weitere fundamentale methodologische Diskrepanzen bestehen: Während GenKI auf quantitativ-statistischen Verfahren basiert und Texte als „stochastischer Papagei“ lediglich auf Basis von Wahrscheinlichkeiten generiert (Re-Kombination, Simulation), beherrschen Wissenschaftler darüber hinaus auch qualitative, hermeneutisch-interpretative Methoden. Weiterhin greift GenKI auf Aussagen über die Welt, die von anderen formuliert wurden, sie hat keinen Bezug zur Realität. Wissenschaftler können Aussagen über die Realität nicht nur simulieren, sondern auch selbst erkennen und eigenständig überprüfen. Der Fachjargon lautet: Evidenzbasiertes Wissen.

Philosophisch gesprochen: Während die GenKI aufgrund seiner quantitativen Methodologie auf der Ebene der „dünnen Beschreibung“ (Thin description) verharrt – also rein faktische, physische oder syntaktische Muster wiedergibt – können qualitative Wissenschaftler in der Tradition von Max Weber, Gilbert Ryle und Clifford Geertz operieren. Sie sind in der Lage, eine „dichte Beschreibung“ (Thick description) zu leisten, indem sie Kontext, Intention und kulturelle Codes berücksichtigen, um so die tatsächliche ­Semantik einer Handlung zu erschließen. Nur so ist ein Verstehen von Handlungen im Weberschen Sinne überhaupt möglich.

Weiterhin können Wissenschaftler sowohl empirisches (beschreibendes, erklärendes, prognostisches) als auch praktisches (normatives, pragmatisches, technisches) Wissen selbst generieren oder vorhandenes Wissen evidenzbasiert überprüfen. Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit den philosophischen Grundlagen von Wissenschaft verweise ich auf meine Publikation: „Philosophie der Politikwissenschaft. Grenzen und Möglichkeiten politikwissenschaftlicher Forschung: Axiologische, epistemische, methodologische und ontologische Grundlagen der Politikwissenschaft.“ Das Werk ist 2025 auf Deutsch und Englisch erschienen.

Gerade bei komplexen historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Themen ist hermeneutisch-interpretative Expertise unverzichtbar. Der hier vorgelegte Überblick beruht auf der Zusammenarbeit von vielen Wissenschaftlern, die unterschiedliche Disziplinen, Perspektiven und Forschungstraditionen einbringen. Diese vielfältige Expertise ermöglicht es, Kontroversen sichtbar zu machen, Forschungsstände einzuordnen, implizite Annahmen offenzulegen und Vereinfachungen bewusst zu vermeiden – Leistungen, die gegenwärtige GenKI-Systeme nicht erbringen können. Aus prinzipiellen Gründen ist dies auch in Zukunft nicht zu erwarten.

Wie bringt man 900 Jahre Geschichte einer Gemeinschaft sowie ein reichhaltiges und vielschichtiges Kulturerbe in das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, ohne dass die Fakten und die Zusammenhänge verwässert werden? Wie kann man Tradition mit Spitzentechnologie verbinden?

Genau hier setzt das neue Porträt-Projekt an. Es fungiert nicht nur als digitales Geschichtsbuch für Menschen, sondern auch als harter Faktencheck für die GenKI. Die Macher von GenKI nennen das eine „Ground Truth“ – eine verlässliche Wissensbasis, in der jedes Detail von Experten geprüft wurde.

HITL (Human in the Loop, Mensch in der Schleife) bedeutet, dass Menschen bei GenKI gestützten Prozessen bewusst eingebunden bleiben. Der Mensch bleibt Teil der Entscheidungsschleife, so dass die Kontrolle der Antworten nicht vollständig an die Maschine übertragen wird. Für das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe heißt das: GenKI kann Inhalte erzeugen oder strukturieren, doch Menschen prüfen, korrigieren und kontextualisieren sie. So bleiben historische Genauigkeit, kulturelle Be-deu­tung und Identität gewahrt. Diese Technik verbindet technologische Möglichkeiten mit menschlicher Verantwortung und schützt das Kulturerbe vor Vereinfachung, Verzerrung oder Bedeutungsverlust.

Alignment-Methoden sind technische und organisatorische Verfahren, mit denen das Verhalten von GenKI-Systemen an epistemische und menschliche Werte, Normen und gesellschaftliche Erwartungen angepasst wird. Mit Alignment meint man, dass eine Abstimmung, Angleichung, Regelkonformität oder Übereinstimmung vorgenommen wird. Sie sorgen dafür, dass GenKI nicht nur leistungsfähig, sondern auch korrekt, verantwortungsvoll und vertrauenswürdig ist.

Ziel dieser Methoden ist die Gewährleistung einer vertrauenswürdigen GenKI. Neben den allgemeinen Verbesserungen durch die Modell-Anbieter (neue Daten und Algorithmen) gibt es spezifische Verfahren, mit denen Fachexperten – hier die Kenner des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes – die Ausgabequalität steuern können.

Für einen verlässlichen Zugang zu unserem Kulturerbe sind zwei Ansätze zentral: die RAG-Technologie, die Antworten durch externe Quellen fundiert, und Wissensgraphen, die semantische Beziehungen (Bedeutungen) abbilden. Die Synergie aus beidem nennt sich GraphRAG: Sie kombiniert die Flexibilität der Textsuche mit der logischen Struktur von Graphen.

RAG (Retrieval Augmented Generation) ist das Herzstück verlässlicher GenKI: Sie sorgt dafür, dass Antworten nicht nur clever klingen, sondern auf geprüften Fakten basieren. So bleibt die GenKI sprachlich überzeugend, während der Inhalt zuverlässig kontrolliert ist.

Der RAG Prozess läuft in drei Schritten ab:
  • Retrieval (Abruf): Die GenKI sucht in einer geprüften Datenbank nach relevanten Informationen.
  • Augmentation (Anreicherung): Diese Fakten werden der ursprünglichen Antwort hinzugefügt.
  • Generation (Erzeugung): Erst jetzt formuliert die GenKI die endgültige Antwort, streng basierend auf diesen geprüften Informationen.
Herkömmliche GenKI-Systeme durchsuchen oft nur Textabschnitte nach passenden Informationen. Wissensgraphen (Knowledge Graphs) gehen einen Schritt weiter: Sie erfassen die Beziehungen zwischen Daten. Wo klassische GenKI-Systeme manchmal „halluzinieren" und überzeugende Falschinformationen produzieren, liefern Wissensgraphen überprüfbare Zusammenhänge aus einer strukturierten Faktenbasis. Nebenbei bemerkt, Wissenschaft ist ein dynamischer Prozess. Daher muss auch die verlässliche Wissensbasis kontinuierlich an den aktuellen Forschungsstand angepasst werden.

Wie funktionieren Wissensgraphen? Statt Informationen als Fließtext zu speichern, organisiert ein Wissensgraph Daten als Netzwerk aus Knoten und Verbindungen. Ein Beispiel: Die Stadt „Hermannstadt“ (Knoten A) ist durch die Verbindung mit „erste urkundliche Erwähnung 1191“ (Knoten B) verknüpft. So entsteht ein Beziehungsgeflecht, das die GenKI präzise ablesen kann.

Besonders bei komplexen historischen Projekten zeigt sich der Vorteil: Bei Stammbäumen, Ortsgeschichten oder historischen Ereignissen muss die GenKI nicht mehr raten, sie liest nur die fest definierten Verbindungen aus den Graphen ab.

Wissensgraphen dienen genau wie die RAG-Technologie als eine Art axiologische und epistemische (wertegebundene) Kontrollinstanz für GenKI-Antworten. Sie bieten mehrere Vorteile: Nachvollziehbarkeit, Konsistenzprüfung, Kontextualisierung und Zitierbarkeit. Diese Technologie ermöglicht sogar, den siebenbürgisch-sächsischen Dialekt lebendig zu halten – indem man der Maschine unsere Sprache beibringt. Eine vielversprechende Grundlage liefert das in der Schweiz entwickelte GenKI-Modell „Apertus“. Als offenes (Open-Source) System ist es frei verfügbar und umfasst bereits über 1800 Sprachen und Dialekte. Dies eröffnet die Möglichkeit, unsere „klingende Heimat“ digital zu bewahren und die „Seele“ der Gemeinschaft in die Zukunft zu tragen. So könnten Antworten künftig nicht nur auf Hermannstädterisch, Kronstädterisch oder Landlerisch erklingen, sondern auch im Reußner Dialekt – einer der wohl klangvollsten Ausprägungen unserer Sprache.

Zum Abschluss dieses Teils möchte ich die hier erörterte Frage – welche Aufgaben wir der Technologie überlassen und wo menschliche Expertise unverzichtbar bleibt – zunächst an einem konkreten Beispiel demonstrieren, um sie anschließend journalistisch sowie philosophisch einzuordnen. Das vorrangige Ziel dieses Artikels besteht darin, die Genauigkeit und Verlässlichkeit der dargestellten Fakten und Zusammenhänge zu gewährleisten. Die Verantwortung für diese Aufgabe lässt sich nicht an generative KI delegieren. Diese Aufgabe habe ich als Autor übernommen. Die Stärke der GenKI liegt vielmehr in der Vermittlung: Sie ist wesentlich effizienter und schneller, wenn es darum geht, das hier Geschriebene durch Paraphrasierung oder Zusammenfassung für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich zu machen.

Daher ein praktischer Hinweis für die Leser: Wenn einzelne Begriffe, Passagen oder auch der gesamte Artikel schwer verständlich erscheinen, lässt sich dies rasch mithilfe generativer KI klären. Dazu formuliert man einen Prompt, also eine Anfrage an einen Chatbot (ChatGPT, Gemini), etwa in der Form: „Du bist ein Journalist und Lehrer. Bitte erkläre mir den folgenden Textabschnitt in einfacher Sprache. Vermeide Fachjargon, aber bleibe inhaltlich nah am Original.“

Anschließend fügt man den entsprechenden Textausschnitt oder die PDF-Version des Artikels ein. Wer tiefer einsteigen möchte, kann die GenKI mit folgendem Prompt auch als Diskussionspartner nutzen: „Du bist Historiker, Informatiker, Kulturwissenschaftler und Philosoph. Bitte prüfe die Argumentation dieses Textes auf Schlüssigkeit und nenne mögliche Gegenargumente.“ Auf diese Weise nutzen wir die GenKI nicht als Autor der Geschichte, sondern als Werkzeug, um diese besser zu verstehen. Darüber hinaus lässt sie sich kreativ einsetzen, etwa um eine kritische Rezension dieses Artikels zu verfassen oder um selbstständig eigene Texte zu formulieren.

Während der Mensch als unverzichtbare Kontrollinstanz (Human in the Loop) die Deutungshoheit behält, historische Fakten verifiziert und kulturelle Kontexte einordnet, fungiert die GenKI lediglich als leistungsfähiges Werkzeug für die Form. Sie übernimmt technische Aufgaben wie das schnelle Zusammenfassen, Übersetzen oder Paraphrasieren komplexer Inhalte, darf aber niemals die Verantwortung für die inhaltliche Wahrheit tragen, die durch Technologien wie RAG und Wissensgraphen streng an die menschliche Expertise gebunden bleibt. Der Mensch ist der verantwortliche Gestalter, die GenKI lediglich das ausführende Werkzeug.

Philosophisch verdichtet: Der Mensch leistet die „dichte Beschreibung“ (Thick Description) im Sinne der Hermeneutik, indem er Bedeutungen, Intentionen und kulturelle Codes interpretiert sowie epistemische und nicht-epistemische (ethische, politische, gesellschaftliche) Werte setzt. Das Bewerten bleibt dabei eine exklusiv menschliche Domäne. Nur der Mensch als Subjekt besitzt die Urteilskraft zu entscheiden, welche Aussagen wahr oder falsch, welche Normen richtig oder falsch und was gerecht oder ungerecht ist. Ebenso obliegt ihm die Einschätzung, welche pragmatischen Regeln klug oder unklug und welche technischen Systeme effektiv oder uneffektiv sind.

Die GenKI hingegen verbleibt als „stochastischer Papagei“ auf der Ebene von Syntax und Statistik. Ihr wird die Rolle des reinen Exekutors zugewiesen: Sie arrangiert Inhalte formal neu, bleibt dabei aber stets von der Sphäre des echten Verstehens und der historischen Verantwortung ausgeschlossen. Die GenKI ist ein hocheffizienter digitaler Bibliothekar, der weltweit und in Echtzeit alle digital verfügbaren Texte analysiert. Doch Informationsverarbeitung ist kein Wissen: Nur Menschen können Gelehrte sein. Nur sie besitzen die Kompetenz, Inhalte sinnhaft zu verstehen und wissenschaftlich-evidenzbasiert zu überprüfen.

Porträt als Gemeinschaftsbiografie und Kompass für die Zukunft

Was bleibt von uns Siebenbürger Sachsen, nachdem wir Siebenbürgen fast vollständig verlassen und nun über die ganze Welt verstreut leben? Wie schöpfen wir aus unserer Geschichte die Kraft, Krisen zu meistern, Brüche als Aufbruch zu begreifen und unsere Identität durch moderne Technologie souverän in die Zukunft zu tragen?

Seit dem Exodus der Siebenbürger Sachsen Ende des 20. Jahrhunderts bildet ihr Kulturerbe jenes lose Band der Sympathie, das die Gemeinschaft über nationale Grenzen hinweg zusammenhält. Es ist zum einzigen verbliebenen Identitätsanker avanciert. Gleichzeitig erweist sich dieses kulturelle Gedächtnis als prekär: Historisch fundierte Fakten, tradierte Narrative und überlieferte Mythen verschmelzen oft und erschweren eine klare kollektive Selbstvergewisserung.

Dieses Porträt fungiert daher als wissenschaftlich fundierter Kompass für die innere Selbstverständigung. Es bietet Multiplikatoren – ob in Medien, Schulen oder Vereinen – eine verlässliche Referenz, um eigene Angebote qualitativ abzusichern. Konzipiert für das Selbststudium sowie die Bildungsarbeit, schafft es die notwendige Sicherheit, um das kulturelle Erbe authentisch und faktenbasiert zu vermitteln.

Das neue Porträt der Siebenbürger Sachsen sucht Antworten jenseits von bloßen Jahreszahlen. Als Gemeinschaftsbiografie verbindet es wissenschaftliche Präzision mit erzählerischer Tiefe, macht Brüche, Verluste und Neuanfänge sichtbar – und wird so zum Kompass für Identität, Erinnerung und die digitale Zukunft eines lebendigen Kulturerbes. Geschichtsschreibung wird so nicht zum nostalgischen Rückblick, sondern zur sorgfältigen Bewahrung für die Zukunft.

Ein klassischer geschichtlicher Überblick liefert Daten und Fakten – er ist das „Skelett“. Dieses Projekt jedoch wählt bewusst die Form des „Porträts“, um auch die „Seele“ der Gemeinschaft sichtbar zu machen. Es gleicht einer Biografie, die nicht nur Jahreszahlen auflistet, sondern nach dem „Warum“ fragt. Besonders deutlich wird dies im Umgang mit den Brüchen der Geschichte: Das Porträt dokumentiert nicht nur den Verlust materieller Güter und alter Strukturen, sondern analysiert das Trauma der Auflösung und das „Überwintern“ der Identität in den Köpfen der Menschen. Es zeigt, wie sich die Gemeinschaft aus der Krise heraus neu erfand und welche alten Symbole dabei Halt gaben. Statt einer trockenen Chronik entsteht so eine Erzählung von Resilienz und Wandel.

Warum also ein Porträt: Weil wir wissen müssen, wer wir waren, um zu entscheiden, wer wir sein wollen. Dieses Projekt zeigt, wie die Siebenbürger Sachsen Krisen gemeistert haben – ein Wissen, das Mut macht. Kulturelle Leistungen werden nicht bloß aufgezählt, sondern als Antwort auf historische Krisen bewertet. So wird der Bruch in der Geschichte nicht als Ende, sondern als Motor einer Neuformierung begreifbar. Gleichzeitig sichert es durch modernste KI-Technologie den Platz dieser Kultur in der digitalen Zukunft. Es ist der Schritt vom „Bewahren“ zum „Gestalten“ der eigenen Kultur.

Folgende Themen werden in diesem Projekt behandelt:

I. Der erste Teil „Siebenbürger Sachsen – Gründung und Entfaltung einer traditionsreichen Gemeinschaft“ behandelt die Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen und der Siebenbürger Landler in Siebenbürgen. Ein historischer Überblick spannt den Bogen von der ersten Niederlassung im 12. Jahrhundert bis zur großen Aussiedlungswelle am Ende des 20. Jahrhunderts. Der Abschnitt untersucht die historische Gemeinschaftsbildung der Siebenbürger Sachsen und beleuchtet dabei zentrale gemeinschafts- und identitätsstiftende Institutionen: Andreanum und Nationsuniversität, Brauchtum und Nachbarschaften, Stiftungen und Vereine, Glaube und Kirche sowie Sprache und Schule. Anschließend folgt eine Analyse der Motive und Ursachen, die zur Auflösung und zum Exodus dieser Gemeinschaft aus Siebenbürgen führten. Darüber hinaus wird die Integration in den wichtigsten neuen Siedlungsgebieten – Deutschland, Kanada, Österreich und den USA – dargestellt.

II. Der zweite Teil „Das materielle und immaterielle Kulturerbe der Siebenbürger Sachsen“ widmet sich dem siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbe. Zunächst werden die materiellen, anschließend die immateriellen Kulturgüter („unsichtbares Gepäck“) beleuchtet. Dabei treten exemplarisch die vielfältigen Dimensionen der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft, Kultur und Identität hervor.

III. Der dritte Teil „Standortbestimmung und Zukunftsperspektiven“ analysiert die Situation zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Zunächst wird die aktuelle Organisationsstruktur in Nachbarschaften, Stiftungen und Vereinen dargestellt. Anschließend werden Zukunftsperspektiven entwickelt, indem sowohl Chancen als auch Gefahren für die Aneignung, Bewahrung und Weiterentwicklung des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes im Zeitalter der Generativen Künstlichen Intelligenz beleuchtet werden.

Projektstatus, Beteiligte und Perspektiven

Die inhaltliche Ausarbeitung liegt in den Händen ausgewiesener Experten. Folgende Experten haben bisher ihre Mitwirkung zugesagt: Heinz und Marianne Acker, Hannelore Baier, András F. Balogh, Konrad Gündisch, Gudrun-Liane Ittu, Stefan Măzgăreanu, Martin Rill, Irmgard Sedler, Ingrid Schiel und Ulrich A. Wien. Die Akquise weiterer Autoren zur Vervollständigung des Themenspektrums läuft weiter.

Das Projekt folgt dem Prinzip des „Work in Progress“: Neue Inhalte werden kapitelweise in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Rumänisch) digital publiziert. Ziel ist eine abschließende Gesamtausgabe in Buchform. Da die aufwendigen Arbeiten derzeit rein ehrenamtlich erfolgen, ist der Fortschritt ressourcenabhängig. Für die zügige Weiterentwicklung und die Finanzierung der Druckkosten werden daher finanzielle Fördermittel benötigt. Weitere Informationen finden Sie unter: siebenbuergersachsen.de/portraet/index.htm.

Johann Lauer

Autor

Dr. Johann Lauer ist Philosoph und Politikwissenschaftler. Er erwarb den akademischen Grad eines Magisters Artium in Philosophie und den Doctor Rerum Politicarum an der Universität Heidelberg. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Wissenschaftsphilosophie, sein jüngstes Buch „Philosophie der Politikwissenschaft. Grenzen und Möglichkeiten politikwissenschaftlicher Forschung: Axiologische, epistemische, methodologische und ontologische Grundlagen der Politikwissenschaft“ erschien im Jahr 2025 auf Deutsch und Englisch. Johann Lauer stammt aus Reußen, übersiedelte 1981 nach Deutschland und lebt in Leimen bei Heidelberg. Weitere Informationen zur Person, zu seinen Forschungsschwerpunkten und Publikationen gibt es auf seiner Homepage: lauer.biz.

Schlagwörter: Künstliche Intelligenz, Kulturerbe, Digitalisierung, Internet, Johann Lauer, AK Internet

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