25. Oktober 2001

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In Mediasch: Tagung über Weinbau in Siebenbürgen

Vom 5. bis 7. Oktober 2001 veranstaltete die Rumänienabteilung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) eine Tagung zum Thema „Weinbau in Siebenbürgen“, im Schullerhaus in Mediasch die abgehalten wurde. Es hatten sich hierzu interessierte Teilnehmer und Referenten aus Rumänien und Deutschland eingefunden.
Paul Niedermaier (Hermannstadt) eröffnete die Tagung am Freitagabend mit einem mehrteiligen Vortrag über den Einfluss des Weinbaus auf die Architektur im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit. In einer ausführlichen Einleitung untersuchte er die Preise des Weines, stellte sie in Relation zu den Getreidepreisen und legte anhand von Daten einiger sächsischer Gemeinden dar, dass der Weinbau auch in Orten mit relativ billigem Wein wesentlich zum Wohlstand der Bewohner beitrug, wenn ein großer Hattert vorhanden war. Anschließend ging Niedermaier auf die Architektur der Kirchen verschiedener Dörfer ein und zeigte, wie sich die Dimensionen und der Reichtum dieser Kirchen in Zusammenhang mit den Einnahmen aus dem Weinbau bringen lassen.
Nicolae Georgescu (Hermannstadt) und Vasile Novac (Golesti) hatten ihre Vorträge praktisch unter den gleichen Titel gestellt („Aus der Geschichte des Weinbaus in Siebenbürgen“ bzw. „Aus der Geschichte des Weinbaus“), die leider ebensowenig spezifisch waren wie deren Inhalt. Sie sprachen die jahrtausendealte Tradition des Weinbaus auf dem Gebiete des heutigen Rumänien an, ohne jedoch einzelne Bereiche genauer zu beleuchten.
Am Samstag präsentierte Hermann Schobel (Würzburg) den Siebenbürgisch-sächsischen Landwirtschaftsverein und dessen Bemühungen zur Förderung und Entwicklung des Weinbaues. Der Kampf gegen Schädlinge – vor allem die Reblaus - und die fachgerechte Schulung der Weinbauern, inklusive durch eine Fülle eigener Publikationen, waren wesentliche Elemente in der schwierigen und von vielen Rückschlägen betroffenen Tätigkeit des Vereines. Gerade anhand der heutigen desolaten Situation des Weinbaues im Kokelgebiet jedoch wurde bewusst, wie wertvoll die Aktivitäten des Vereines für den siebenbürgischen Weinbau waren.
Werner Sedler (Stuttgart) steuerte den linguistischen Teil der Tagung bei. Er verglich die Terminologie rund um den Weinanbau zweier Gemeinden. Er konnte mit unzähligen Beispielen den Unterschied zwischen dem sächsischen (Kleinschelken) und dem landlerischen (Großpold) Sprachgebrauch aufzeigen.
Abschließend stellte Constantin Iliescu (Golesti) das rumänische Wein- und Obstbaumuseum in Golesti vor. In den sechziger Jahren wurde in der Nachbarschaft eines ehemaligen Bojarenhauses ein ethnographisches Museum mit traditionellen Werkzeugen und Gehöften des Wein- und Obstbaus.
Die Referate waren von sehr unterschiedlicher Qualität, was eine Gesamtbewertung der Tagung erschwert. Insgesamt wurde in den Diskussionen konstatiert, dass die Weinbautradition in den letzten Jahren und Jahrzehnten leider in vielen Orten gerade des Weinlandes um Mediasch zum Erliegen gekommen ist. Das Fachwissen ist verloren gegangen, und die Vermarktung des Weines im In- wie im Ausland bereitet große Probleme. Mit dem Verschwinden des Weinbaus verliert auch die Kulturlandschaft als solche eines ihrer charakteristischen Merkmale. Weinbau wurde zwar nie ausschließlich betrieben, sondern war eine zusätzliche Einnahmequelle (weshalb man in Siebenbürgen vom „Weinbauern“, im Gegensatz zum vollberuflichen „Winzer“, sprechen sollte), die den über das reine Überleben hinausgehenden Wohlstand ermöglichte.
Im Anschluss an die Referate wurden die Kirchenburg und eine Weinkelterei in Frauendorf besichtigt. Anhand des Zustandes der in den sechziger Jahren errichteten Gebäude und Anlagen konnten sich die Tagungsteilnehmer ein Bild von der desolaten Lage des heutigen Weinbaugebietes Kokelland machen. Nichtsdestotrotz ließen sich die meisten die anschließende Kostprobe schmecken.
Am Sonntag folgte eine längere Exkursion durch mehrere Dörfer in der weiteren Umgebung von Mediasch, was hervorragendes Anschauungsmaterial zum Referat von Paul Niedermaier bot. Bei der Besichtigung der Kirchenburgen in Reichesdorf und Birthälm und deren kunsthistorischer Details wurde der durch den Weinbau ermöglichte Reichtum bewusst. Die terrassierten Hänge der umliegenden Hügel legten Zeugnis ab vom früher hier betriebenen Weinbau. Mit der Fahrt nach Meschen und Wurmloch mit detaillierten baugeschichtlichen Informationen zu den dortigen Kirchenburgen wurde die Tagung abgeschlossen.
Die Tagung wurde durch die finanzielle Förderung des Freistaates Bayern über das Haus des Deutschen Ostens in München sowie durch Eigenbeiträge des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde ermöglicht. Allen Geldgebern und an der Organisation Beteiligten – vor allem Frau Ittu und Dr. Paul Niedermaier, die vor Ort die Hauptlast trugen - sei dafür herzlich gedankt.

Daniel Ursprung

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