11. November 2013

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Interview mit Antoine van Rijen, Ehrenbürger von Frauendorf

Das nachfolgende Interview führte Monika Schneider-Mild mit Antoine van Rijen anlässlich der dem Niederländer verliehenen Ehrenbürgerschaft von Frauendorf.
Lieber Herr van Rijen, Sie wurden für Ihr persönliches und finanzielles Engagement an der Kirchenburg in Frauendorf offiziell mit der Ehrenbürgerschaft geehrt. Seit wann engagieren Sie sich für dieses Objekt, in das inzwischen 400 000 Euro für die Restauration geflossen sind? Was war der Auslöser für Ihr Engagement?

Als wir 2001 zum ersten Mal Siebenbürgen besucht hatten, war ich erstaunt über die vielen unbekannten Denkmäler der Wehrkirchen und die verträumten Dörfer. Damals haben wir von der Geschichte der Siebenbürger Sachsen erfahren. Namen, Wörter und Lieder weisen darauf hin, dass sich auch Menschen aus den mittelalterlichen Herzogtümern Brabant und Limburg (heute in den Niederlanden und Belgien) seinerzeit in Siebenbürgen angesiedelt haben. Daraufhin habe ich mich entschlossen dabei zu helfen, diese verschwindende Kultur zu schützen. Durch eine Reise nach Hermannstadt und Mediasch gelangten wir nach Frauendorf und es war „Liebe auf den ersten Blick“, die sich zur Leidenschaft entwickelt hat. Ton van Rijen bei seiner Dankesrede. Foto: Moni ...Ton van Rijen bei seiner Dankesrede. Foto: Moni Schneider-Mild Die teilweise Renovierung der Wehrkirche wurde durch meine Stiftung finanziert, die wiederum von einem internationalen Konsortium aus Deutschland (Pro Denkmal, DBU), Schweiz (SSS), Niederlande (NCDO) und Großbritannien (Eminescu-Trust) unterstützt wird. Vor Ort werde ich von Pfarrerin Servatius-Depner, in der ich eine verlässliche Ansprechpartnerin gefunden habe, sowie dem evangelischen Konsistorium in Mediasch und dem Rathaus in Frauendorf unterstützt. Das Museum habe ich selbst entworfen, 2009 wurde es eingeweiht.


Wie steht Ihre Familie dazu?

Meine Frau unterstützt meine Arbeit mit der gleichen Liebe wie ich selbst. Ich bin selber 78 Jahre alt, und wir haben uns zum Ziel gesetzt, dabei zu helfen, dass die Existenz dieses Museums auch in Zukunft sichergestellt ist.


Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Meines Erachtens ist zu wenig über Frauendorf und die Bedeutung des „Muzeul Cetate“ für das kulturelle Erbe und die kulturellen Schätze in Siebenbürgen bekannt. Im Jahre 1991 ist hier eine europäische ethnische Bevölkerungsgruppe mit Wurzeln in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Holland und Belgien nahezu verschwunden. Festgestellt habe ich, dass außer den Sachsen kaum einer die 850-jährige Geschichte der Siebenbürger Sachsen kennt. So haben wir in Holland und Belgien leider nie etwas über die „Flandrenses“ gehört, die um 1150 wegen der schlechten Wetterverhältnisse und schlechten politischen Bedingungen im großen Zug aus den heutigen Niederlanden nach Siebenbürgen ausgewandert sind. Zum geschichtlichen Gedenken habe ich im Museum eine Plakette angebracht mit der Inschrift: „Zur Ehre der vielen Generationen, die unter immer schwierigen Verhältnissen Siebenbürgen aufbauten.“ Ich fühlte, dass es eine notwendige Geste war, das Museum zu stiften, so dass die Geschichte der sächsischen Gemeinschaft auch in Zukunft nie vergessen wird und man dieses kulturelle Erbe schützen sollte.


Ihre Dankesrede zur Ernennung zum Ehrenbürger von Frauendorf haben Sie als Niederländer bewundernswerter Weise in Deutsch und Rumänisch gehalten. Wie kommt das?

Ich bin für ein international tätiges Unternehmen viel in Deutschland geschäftlich gereist. Tja, und die rumänische Sprache? Meine Frau ist Rumänin aus Craiova. Ich selber? „Nu vorbesc romaneste“ - ich habe in meiner Frau einen sehr guten Dolmetscher!


Welche Botschaft möchten Sie mit Ihrem Einsatz transportieren?

Wenn man in der Lage ist dazu beizutragen, die Gesellschaft zu verbessern, so sollte man das tun und dabei selber mit anfassen - mit eigener Initiative!


Besten Dank für das Gespräch, Herr van Rijen. Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!

Schlagwörter: Mediasch, Frauendorf, Ehrung

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